Fielmann-Aktie: Sind -5,5% zu viel?
Prognose wird spürbar gekappt
Fielmann erwartet für 2026 nur noch ein Umsatzwachstum zwischen 2 und 5% auf 2,50 bis 2,55 Milliarden €. Bislang hatte der Vorstand mit 2,55 bis 2,60 Milliarden € und einem Plus zwischen 5 und 7% gerechnet.
Deutlicher fällt die Korrektur beim Ergebnis aus. Das bereinigte EBITDA soll nur noch 560 bis 580 Millionen € erreichen. Zuvor standen 590 bis 610 Millionen € im Raum. Gemessen an den jeweiligen Mittelpunkten sinkt die Ergebniserwartung damit um 5%, obwohl der erwartete Umsatz lediglich um knapp 2% reduziert wurde. Das zeigt: Das schwächere Wachstum trifft Fielmann überproportional beim Gewinn.
Auch die Prognose für die bereinigte Vorsteuermarge wird von bislang 12 bis 13% auf rund 12% gesenkt. Verantwortlich ist vor allem die anhaltend schwache Konsumstimmung in Deutschland. Brillen sind zwar grundsätzlich notwendige Produkte. Ein Neukauf, eine höherpreisige Fassung oder eine zusätzliche Sonnenbrille lassen sich jedoch durchaus verschieben.
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Das zweite Halbjahr muss deutlich besser werden
Völlig schwach waren die bisherigen Zahlen nicht. Im ersten Halbjahr erhöhte Fielmann den Umsatz um 2% auf 1,25 Milliarden €. Das bereinigte EBITDA stieg leicht von 292 auf 296 Millionen €, womit die Marge bei robusten 24% blieb.
Erfreulich entwickelte sich vor allem das internationale Geschäft. Hier beschleunigte sich das währungsbereinigte Wachstum im zweiten Quartal auf 6%. Spanien legte um 10%, Polen um 7% zu. Genau diese Märkte müssen nun die Schwäche in Deutschland auffangen.
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Um die Mitte der neuen Jahresprognose zu erreichen, müsste Fielmann im zweiten Halbjahr einen Umsatz von etwa 1,28 Milliarden € erzielen. Gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreswert entspräche das einem Wachstum von knapp 6%. Der Vorstand setzt dafür auf 33 weitere Neueröffnungen, zusätzliche Mitarbeiter und Produktivitätssteigerungen. Insgesamt sollen 2026 rund 70 neue Standorte entstehen, nach lediglich 22 im Vorjahr. Zudem soll die KI-gestützte Sehstärkenbestimmung bis Jahresende in 300 europäischen Niederlassungen verfügbar sein.
Langfristig hält Fielmann bislang am Ziel fest, den Umsatz bis 2030 auf rund 4 Milliarden € und die bereinigte EBITDA-Marge auf etwa 25% zu steigern. Ausgehend von der neuen Umsatzprognose wären dafür ab 2027 allerdings durchschnittlich gut 12% Wachstum pro Jahr nötig. Die Messlatte liegt damit hoch.
ℹ️ Fielmann in Kürze
- Die Fielmann AG (WKN: 577220) mit Sitz in Hamburg ist eine Einzelhandelskette für Augenoptik und Hörakustik.
- Die Gruppe besitzt über 1.200 Niederlassungen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien, Polen, Luxemburg, den Niederlanden, Slowenien, den USA sowie weiteren europäischen Ländern.
- Fielmann ist Mitglied im SDAX und aktuell ca. 3,3 Milliarden € bewertet.
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Fazit
Der Kursrückgang ist angesichts der überproportional gesunkenen Ergebnisprognose nachvollziehbar. Fielmann bleibt jedoch ein qualitativ starkes Unternehmen mit hoher Marktstellung, internationalem Wachstum und rund 3,5% Dividendenrendite. Für langfristige Anleger wird die Aktie interessanter, der Halbjahresbericht am 27. August muss die erhoffte Beschleunigung aber glaubhaft untermauern.