Deutsche Telekom-Aktie: KI-Fabrik bereits zu 60% ausgelastet!
Nachfrage wächst schneller als erwartet
Die gemeinsam mit Nvidia errichtete KI-Fabrik verfügt über fast 10.000 Blackwell-Grafikprozessoren und eine Rechenleistung von bis zu 0,5 ExaFLOPS. Nach Angaben der Telekom erhöhte die Anlage Deutschlands verfügbare KI-Rechenleistung auf einen Schlag um rund 50%.
Das Besondere ist weniger die Größe als die Positionierung. Während Amazon, Microsoft und Google ihre Infrastruktur global anbieten, wirbt die Telekom mit einer vollständig in Deutschland betriebenen und besonders sicheren Umgebung. Für Industrieunternehmen, Behörden und Forschungseinrichtungen kann das bei sensiblen Daten ein entscheidendes Argument sein.
Zu den Nutzern und Partnern zählen unter anderem SAP, Siemens, Agile Robots, PhysicsX und Perplexity. Die Leibniz Universität Hannover verwendet die Infrastruktur außerdem zur Entwicklung eines europäischen Open-Source-Sprachmodells mit rund 100 Milliarden Parametern.
Die steigende Auslastung zeigt, dass tatsächlich Nachfrage nach einem europäischen Angebot besteht. Im Februar lief die Anlage erst mit mehr als einem Drittel ihrer Kapazität. Inzwischen sind es laut T-Systems über 60%. Da Unternehmen Rechenleistung und Plattformdienste flexibel buchen können, entstehen im Erfolgsfall wiederkehrende Erlöse.
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T-Systems muss daraus mehr Gewinn machen
Für die Telekom ist das Projekt vor allem eine Chance, T-Systems stärker auf höherwertige Cloud- und KI-Dienstleistungen auszurichten. Statt lediglich große IT-Projekte umzusetzen, kann die Tochter künftig Rechenleistung, Software und Beratung aus einer Hand verkaufen.
Die jüngsten Zahlen zeigen bereits Fortschritte. Der Umsatz von T-Systems stieg im zweiten Quartal organisch um 5,7% auf 1,1 Milliarden €. Das bereinigte EBITDA nach Leasing erhöhte sich um 5,3% auf 99 Millionen €. Allerdings sank der Auftragseingang um 13,4% auf 998 Millionen €. Die starke Auslastung der KI-Fabrik kommt deshalb zur richtigen Zeit, ersetzt aber noch keinen dauerhaft wachsenden Auftragsbestand.
Auch sollte die finanzielle Bedeutung nicht überschätzt werden. Der Gesamtkonzern erwirtschaftete im zweiten Quartal 29,9 Milliarden € Umsatz und ein bereinigtes EBITDA nach Leasing von 11,8 Milliarden €. Der freie Cashflow erreichte 5 Milliarden €. Verglichen damit wird selbst eine vollständig ausgelastete KI-Fabrik das Konzernergebnis zunächst kaum bewegen.
Strategisch könnte sie dennoch wertvoll sein. Gelingt es, das Modell auf weitere Standorte zu übertragen, könnte sich die Telekom als europäische Alternative zu den US-Hyperscalern etablieren. Das Unternehmen prüft bereits eine Beteiligung an den geplanten europäischen KI-Gigafabriken.
Analysten sehen rund 31% Potenzial
Die Deutsche-Telekom-Aktie notiert bei etwa 28,25 €. Das durchschnittliche Kursziel von 18 Analysten liegt laut MarketScreener bei 36,93 € und damit rund 31% höher. Selbst das niedrigste Ziel von 32 € signalisiert noch Aufwärtspotenzial, während die optimistischste Einschätzung 43 € lautet.
Für diese Kursfantasie bleibt allerdings weiterhin T-Mobile US entscheidender als das KI-Geschäft. Die amerikanische Tochter liefert den Großteil des Konzerngewinns und finanziert sowohl Netzinvestitionen als auch Kapitalrückgaben. Die Industrial AI Cloud ist bislang eher eine zusätzliche Wachstumsoption.
ℹ️ Deutsche Telekom in Kürze
- Die Deutsche Telekom (WKN: 555750) gehört zu den weltweit führenden Konzernen für Telekommunikations- und Informationstechnologie. Die Leistungen sind sehr breit gefächert, von der Breitbanktelefonie, Mobilfunk sowie TV oder komplexe ICT-Lösungen bietet der Konzern alles aus einer Hand an.
- Das Unternehmen mit Hauptsitz in Bonn ist weltweit in 50 Ländern tätig. Mit der Tochter T-Mobile US gehört es zu den führenden Telekommunikationsanbietern in den USA.
- Die Marktkapitalisierung der im DAX gelisteten Aktie beträgt rund 138 Milliarden €.
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Fazit
Die Auslastung von über 60% ist ein überzeugender Beleg dafür, dass die KI-Fabrik mehr als ein Prestigeprojekt ist. Noch ist das Geschäft für den Gesamtkonzern zu klein, um die Aktie allein deshalb neu zu bewerten. Zusammen mit dem starken Cashflow und den attraktiven Analystenzielen verbessert die Nachricht aber das Chance-Risiko-Verhältnis. Kurse um 28 € halte ich weiterhin für interessant.