Daimler-Truck-Aktie: Die Wasserstoff-Wette – der Markt hat recht!
Wasserstoff bleibt eine kleine, aber wichtige Nische
Konzernchefin Karin Rådström räumt selbst ein, dass nur ein geringer Teil der Kunden zwingend einen Wasserstoffantrieb benötigt. Für besonders schwere Lasten und lange Strecken besitzt die Technologie allerdings klare Vorteile. Die Fahrzeuge können mehr Nutzlast transportieren, größere Reichweiten bewältigen und deutlich schneller betankt werden als batterieelektrische Lkw geladen werden.
Daimler Truck verfolgt deshalb bewusst eine Doppelstrategie. Für viele regionale Transporte und planbare Routen dürfte die Batterie ausreichen. Wasserstoff soll dort eingesetzt werden, wo Ladezeiten, Batteriegewicht oder fehlende Stromnetzkapazitäten gegen einen rein elektrischen Antrieb sprechen.
Der Konzern sichert sich mit den Investitionen somit eine technologische Option. Sollte Wasserstoff im europäischen Schwerlastverkehr eine größere Rolle spielen, wäre Daimler Truck bereits mit erprobten Fahrzeugen und eigener Brennstoffzellentechnik positioniert. Bleibt der Markt klein, wäre das investierte Kapital jedoch nur begrenzt rentabel.
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Die Infrastruktur entscheidet
Das größere Problem ist nicht der Lkw, sondern der fehlende Wasserstoff. Grüner Wasserstoff ist teuer und entlang der europäischen Fernstraßen existieren bislang kaum geeignete Tankstellen.
Daimler Truck versucht deshalb, die gesamte Wertschöpfungskette gleichzeitig aufzubauen. Gemeinsam mit Volvo, Toyota, Bosch, Air Liquide, TotalEnergies, Teal Mobility und MB Energy arbeitet der Konzern an wettbewerbsfähigen Preisen und einem europäischen Tankstellennetz. Weitere Details sollen am 15. September auf der Nutzfahrzeugmesse in Hannover vorgestellt werden.
Bei der Brennstoffzelle verteilt Daimler Truck das Entwicklungsrisiko ebenfalls auf mehrere Partner. Toyota will sich an Cellcentric beteiligen, dem bisherigen Gemeinschaftsunternehmen von Daimler Truck und Volvo. Das verbreitert die technologische Basis und könnte die Kosten einer späteren Serienfertigung senken.
Die Partnerschaften sind entscheidend. Ohne ausreichend günstigen Wasserstoff können selbst technisch überzeugende Fahrzeuge nicht wirtschaftlich betrieben werden.
Kurzfristig zählen andere Baustellen
Die Börse blickt deshalb zunächst auf das schwache Tagesgeschäft. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz zwar um +5% auf rund 12,3 Milliarden € und der Fahrzeugabsatz um +8% auf 86.707 Einheiten. Das operative Ergebnis sank jedoch um -9% auf 360 Millionen €, während sich der Nettogewinn nahezu halbierte und nur noch 128 Millionen € erreichte.
Vor allem US-Zölle belasteten die Profitabilität. Daimler Truck erwartet in der zweiten Jahreshälfte eine Verbesserung und hat seine Jahresprognose angehoben. Trotzdem muss das Management zunächst beweisen, dass der Ergebnisrückgang gestoppt werden kann.
Das Programm „Cost Down Europe“ soll bis 2030 mehr als 1 Milliarde € an laufenden Kosten einsparen. Gleichzeitig sollen in Deutschland rund 5.000 Stellen entfallen. Langfristig strebt Daimler Truck im Industriegeschäft eine bereinigte Umsatzrendite von mehr als 12% an.
RBC traut der Aktie mit einem Kursziel von 63 € dennoch deutliches Potenzial zu. Zudem bietet die zuletzt gezahlte Dividende von 1,90 € beim aktuellen Kurs eine Rendite von mehr als 4%.
ℹ️ Daimler Truck in Kürze
- Daimler Truck (WKN: DTR0CK) ist der weltweit größte Hersteller von Nutzfahrzeugen.
- Bei mittelschweren und schweren Lkw über sechs Tonnen Gesamtgewicht ist Daimler Truck Weltmarktführer.
- Der im deutschen Leitindex DAX gelistete Konzern hat seinen Hauptsitz in Stuttgart und ist ca. 33,2 Milliarden € wert.
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Fazit
Die Wasserstoff-Investitionen sind eine sinnvolle Zukunftsversicherung, aber noch kein Grund für steigende Gewinnschätzungen. Für die Daimler-Truck-Aktie sind vorerst die Margenerholung, das Sparprogramm und Nordamerika entscheidend. Gelingt die Rückkehr zu steigenden Gewinnen, erscheint das Papier bei rund 44 € langfristig attraktiv – Wasserstoff wäre dann eine zusätzliche Chance.