Allianz-Aktie: 115 € mehr – was Jefferies plötzlich sieht
Allianz: Höhere Schäden, aber stabile Profitabilität
Für ihre Untersuchung wertete die Allianz 7.888 Schadensfälle im Gesamtwert von 6,74 Milliarden € aus. Feuer und Explosionen verursachten mehr als 40% der Schadenssumme. Hinzu kommen wachsende Risiken durch Ransomware, Cloud-Ausfälle und Softwarefehler.
Entscheidend für Aktionäre ist jedoch nicht die absolute Schadenshöhe, sondern ob die Allianz das höhere Risiko über Beiträge, Vertragsbedingungen und Rückversicherung ausgleichen kann. Bislang gelingt das überzeugend.
In der Industrieversicherung lag die Schaden-Kosten-Quote im ersten Halbjahr bei ausgezeichneten 91,1%. Konzernweit erreichte die Schaden- und Unfallsparte 91,4% und blieb damit sogar etwas besser als im Vorjahr. Das operative Ergebnis des Bereichs erhöhte sich um 9,1% auf 4,87 Milliarden €.
Die steigenden Betriebsunterbrechungsschäden sind daher nicht automatisch negativ. Sie erhöhen zugleich den Bedarf an Versicherungsschutz, Risikoanalyse und Prävention. Gefährlich würde es erst, wenn systemische Cyber- oder Cloud-Schäden gleichzeitig zahlreiche Kunden treffen und sich nicht ausreichend über höhere Prämien auffangen lassen.
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Der Indien-Gewinn arbeitet weiter
Der wichtigere Grund für das neue Jefferies-Kursziel liegt im Anlageportfolio. Durch den Verkauf ihrer Beteiligungen an den indischen Bajaj-Gemeinschaftsunternehmen erzielte die Allianz im ersten Halbjahr einen Vorsteuergewinn von rund 1,3 Milliarden €. Für den bereits vollzogenen Verkauf von 23% flossen dem Konzern etwa 2,1 Milliarden € zu.
Die Allianz nutzt diesen Einmalgewinn nicht nur für neue Wachstums- und Produktivitätsinvestitionen. Gleichzeitig werden Verluste auf niedrig verzinste Anleihen realisiert, um das frei werdende Kapital in höher rentierende festverzinsliche Wertpapiere umzuschichten.
Bilanziell belastet dieser Tausch zunächst das nicht operative Ergebnis. Wirtschaftlich verbessert er aber die künftigen laufenden Zinserträge. Genau diesen Effekt berücksichtigte Jefferies nun stärker und erhöhte das Kursziel von 420 auf 440 €.
Erst wenige Tage zuvor hatte das Analysehaus sein Ziel bereits von 325 auf 420 € angehoben. Nach Einschätzung des Analysten übertreibt der Markt die Gefahren durch KI-basierte Versicherungsvermittler. Digitale Vertriebswege könnten die heute gezahlten Abschlussprovisionen schließlich auch reduzieren, während die Allianz ihren Größenvorteil behält.
Tipp für Dividenden-Fans: Wer sich noch andere gute, vielleicht sogar derzeit vielversprechendere Aktien anschauen möchte: Diese zehn Titel kombinieren defensiven Charakter mit interessanten Kurschancen – eine Kombination, die aktuell selten geworden ist.
Allianz-Aktie: Bewertung bleibt attraktiv
Bei einem Kurs von rund 416 € wird die Aktie mit etwa dem 13,5-Fachen des für 2026 erwarteten Gewinns bewertet. Für 2027 sinkt das KGV auf rund 12,6. Gleichzeitig rechnen Analysten mit einem Anstieg der Dividende von zuletzt 17,10 auf etwa 18,90 € je Aktie. Das entspräche einer Rendite von rund 4,5%.
Das durchschnittliche Kursziel von 17 Analysten liegt bei rund 446 €. Die Spanne bleibt allerdings groß: Barclays sieht den fairen Wert nur bei 353 €, Goldman Sachs bei 465 € und die DZ Bank bei 495 €.
Fundamental läuft es weiterhin stark. Im ersten Halbjahr stieg der operative Gewinn um 8,6% auf den Rekordwert von 9,39 Milliarden €. Das bereinigte Ergebnis je Aktie legte um 17,5% zu, während die Solvency-II-Quote sehr komfortable 225% erreichte. Für das Gesamtjahr stellt die Allianz unverändert einen operativen Gewinn von 17,4 Milliarden € mit einer Bandbreite von jeweils 1 Milliarde € in Aussicht.
ℹ️ Allianz SE in Kürze
- Die Allianz (WKN: 840400) mit Hauptsitz in München ist der größte Versicherungskonzern der Welt.
- Kerngeschäft des Konzerns sind die Kranken-, Lebens-, Sach- und Unfallversicherung.
- Darüber hinaus betreibt die Allianz den Geschäftsbereich Asset Management, in dem sie das Vermögen von Privatpersonen und institutionellen Anlegern verwaltet.
- Die Allianz ist Mitglied im deutschen Leitindex DAX und im europäischen Leitindex EuroStoxx 50. An der Börse ist der Konzern rund 160 Milliarden € wert.
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Fazit
Die höheren Großschäden sind beherrschbar, solange die Allianz ihre Preise und Vertragsbedingungen entsprechend anpasst. Interessanter ist der langfristige Ergebnishebel aus der Umschichtung des Anleiheportfolios. Mit einem KGV um 13,5, einer erwarteten Dividendenrendite von etwa 4,5% und weiter steigenden Gewinnen halte ich die Allianz-Aktie trotz des begrenzten kurzfristigen Kurspotenzials für attraktiv.