Oracle-Aktie -6%: Zieht OpenAI sie jetzt in den Abgrund?

Prognosesenkung für ChatGPT
Die Oracle-Aktie konnte sich in den letzten Wochen in einem Kurskorridor zwischen 130 und 160 US$ stabilisieren. Doch am gestrigen Donnerstag ging es für den Software- und Cloud-Gigaten um fast -6% bergab. Was steckt hinter dem starken Kursrückgang und müssen sich Anleger jetzt schon wieder Sorgen um die weitere Kursentwicklung machen?

Eine schlechte Prognose

Auslöser des gestrigen Einbruchs der Oracle-Aktie war ein Medienbericht, demzufolge die Geschäfte beim KI-Entwickler OpenAI deutlich schlechter laufen als bislang angenommen. Der annualisierte Umsatz des ChatGPT-Entwicklers soll demnach nur bei rund 50 Milliarden US$ liegen. Zuvor gingen die Schätzungen von einer deutlich höheren Umsatz-Runrate von bis zu 70 Milliarden US$ aus.

Diese kolportierte Prognosesenkung schürt Zweifel im Markt, ob die Nachfrage nach KI-Rechenleistung in den kommenden Jahren tatsächlich so schnell wachsen wird wie bislang angenommen. Der Medienbericht löste deshalb nicht nur einen Abverkauf der Oracle-Aktie, sondern einen Sell-off in der gesamten Technologiebranche aus.

Warum ist das für Oracle ein Problem?

Für Oracle sind geringer als erwartet ausfallende Umsätze bei OpenAI ein gewaltiges Problem, denn die ChatGPT-Mutter ist der in Zukunft wichtigste Abnehmer von Rechenleistung des Cloud-Anbieters. OpenAI und Oracle haben einen historischen Großauftrag mit einem Gesamtvolumen von 300 Milliarden US$ geschlossen, der zu den größten Infrastrukturdeals der Geschichte zählt.

Bei Remaining Performance Obligations in Höhe von knapp über 600 Milliarden US$ macht OpenAI demnach fast die Hälfte des zukünftigen Geschäfts von Oracle aus. Sollte die Umsätze beim KI-Entwickler geringer ausfallen als prognostiziert, dürfte das sich das mit hoher Wahrscheinlichkeit direkt auf das Volumen des Oracle-Auftrages auswirken.

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Charttechnisch kritisch

Die Oracle-Aktie befindet sich momentan in einer charttechnisch sehr kritischen Situation. Sollte sie das Zwischentief bei 132 US$ reißen, droht ein Absturz auf das 2-Jahrestief bei 115 US$.

Aus guten Grund günstig

Ich bin und werde auch kein Fan der Oracle-Aktie. Mit einem Forward-KGV von 18 ist sie zwar für einen mit rund 35% wachsenden und hochprofitablen Technologiekonzern sehr günstig bewertet.

Aber diese „Schnäppchenbewertung“ hat auch einen guten Grund: Die Cloud-Strategie von Oracle ist extrem riskant. Der Konzern investiert mehr als seinen üppigen freien Cashflow in den Ausbau seiner Rechenzentrumskapazitäten, um zu den drei großen Hyperscalern AWS, Microsoft und Google aufzuschließen. Das hat die Nettoverschuldung auf einen hohen zweistelligen Milliardenbetrag getrieben.

Noch dazu hat sich Oracle sehr stark von einem Kunden abhängig gemacht. Sein Name: OpenAI. Wenn das Geschäft mit ChatGPT nicht so schnell und so gut läuft wie prognostiziert, wird sich das umgehend negativ auf Oracle auswirken.

Der Cloud-Riese wird dann andere Kunden finden müssen, um die entstandenen Nachfragelücken in seiner Rechenzentrumsinfrastruktur zu füllen. Diese anderen Kunden werden dies aber zum Anlass nehmen, sehr attraktive Preise zu verhandeln.

Sehr hohe Risiken

Hinzu kommen, dass ich generell kein Freund von (noch) kleineren Cloud-Anbietern bin. Sie gehen mit ihrer Expansionsstrategie ein gewaltiges Risiko ein, denn sie müssen mit den Investitionen für ihre KI-Cloud-Infrastruktur in Vorleistung gehen. Den Umsatz mit ihren Kunden machen sie aber erst in den Folgejahren — sofern er überhaupt kommt.

Und noch ein Risikofaktor: Die Hardware in Rechenzentren veraltet in einem atemberaubenden Tempo. State-of-the-art Chips und Server gehören bereits nach zwei bis drei Jahren zum alten Eisen, was die Erhaltungsinvestitionen in gewaltige Höhen treiben wird.

Zum Abschluss: Bei diesem Aktien glauben wir daran, dass sie zu den KI-Gewinnern zählen. Du findest sie in unserem KI-Gewinner 2026 Report!

ℹ️ Oracle in Kürze

  • Oracle (WKN: 871460) ist ein US-Soft- und Hardwarekonzern mit Hauptsitz in Austin im US-Bundesstaat Texas.
  • Bekannt ist der Konzern vor allem als Betreiber eines Datenbanksystems. Darüber hinaus bietet Oracle seinen Kunden Cloud-Infrastruktur und zahlreiche Anwendungen an.
  • Gegründet im Jahre 1977 und mit einem Jahresumsatz von fast 70 Milliarden US$ zählt Oracle zu den ältesten und größten Tech-Konzernen weltweit.
  • Oracle ist Mitglied im US-Leitindex S&P 500 und ca. 410 Milliarden US$ wert.

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Fazit

Ich rate Anlegern deshalb, auch weiterhin die Finger von der Oracle-Aktie zu lassen. Sie ist zu stark abhängig von OpenAI geworden.

Der ChatGPT-Entwickler hat bekanntermaßen erst kürzlich seinen Börsengang auf 2027 verschoben. Auch das ist für mich ein Warnsignal. Die Risiken bei Oracle sind in Relation zu den Chancen einfach zu groß.