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Hochtief-Aktie nach Kurssprung: Folgt jetzt die Ernüchterung?

Übernahmefantasie geplatzt?

Was für ein turbulenter Wochenschluss bei Hochtief! Die Aktie schoss am Freitag um +5,5 % nach oben, nachdem Spekulationen über eine mögliche Komplettübernahme aufgekommen waren. Doch nur einen Tag später folgte ein Dementi des spanischen Großaktionärs ACS. Gleichzeitig sorgen starke Quartalszahlen für Gesprächsstoff. Wie geht es für die Aktie weiter?

Hochtief-Aktie springt nach Übernahmegerüchten nach oben

Bei Hochtief wurde es am Freitag kurz vor Handelsschluss noch einmal turbulent. Ein Bericht über eine mögliche Übernahme durch den spanischen Baukonzern ACS sorgte für einen kräftigen Kurssprung, wobei die Aktie zwischenzeitlich sogar bis auf 379,80 € kletterte. Zum Handelsschluss stand schließlich ein Plus von +5,54 % auf 365,60 €.

Hintergrund waren Spekulationen, wonach ACS die verbliebenen Anteile an Hochtief übernehmen oder beide Unternehmen miteinander verschmelzen könnte. Ganz abwegig wäre ein solcher Schritt zunächst nicht gewesen, schließlich halten die Spanier bereits mehr als 75 % der Hochtief-Aktien. Zusätzlich wurde über einen möglichen Börsengang der amerikanischen Tochter Turner Construction in New York berichtet.

Doch bereits am Samstag folgte die Ernüchterung. ACS erklärte gegenüber der spanischen Finanzaufsicht, dass weder ein Übernahmeangebot für Hochtief noch ein Verkauf von Anteilen an Turner in Betracht gezogen worden sei. Damit fällt vorerst der wichtigste Auslöser für den kräftigen Kursanstieg vom Freitag weg.

Wie die Anleger auf das Dementi reagieren, wird sich am Montag zeigen. Schließlich hatten einige Investoren offenbar auf eine mögliche Übernahme gesetzt, während die eigentliche Geschäftsentwicklung von Hochtief zuletzt eher in den Hintergrund gerückt war.

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Starke Quartalszahlen und Rekordaufträge sorgen für Zuversicht

Dabei kann sich die Entwicklung des Baukonzerns durchaus sehen lassen. Erst am Donnerstag hatte Hochtief seine neuesten Quartalszahlen veröffentlicht und dabei einen Umsatzanstieg von +22,3 % auf 11,9 Mrd. € gemeldet. Noch stärker entwickelte sich der operative Konzerngewinn, der um +48,8 % auf rund 272 Mio. € zulegte.

Für Zuversicht sorgt vor allem der hohe Auftragsbestand, der inzwischen ein Rekordniveau von knapp 90 Mrd. € erreicht hat. Einen großen Anteil daran hat die amerikanische Tochter Turner, die stark vom Ausbau neuer Rechenzentren profitiert. Allein im Bereich KI, Digitalisierung und Technologie ist der Auftragsbestand innerhalb eines Jahres um mehr als +90 % gewachsen.

Hochtief gehört damit zu den Unternehmen, die vom KI-Boom profitieren, ohne selbst Chips oder Software entwickeln zu müssen. Schließlich benötigen die großen Technologiekonzerne für ihre neuen Rechenzentren auch Gebäude, Stromversorgung und die entsprechende Infrastruktur. Genau hier kommt Hochtief ins Spiel.

Hinzu kommen weitere Aufträge aus Bereichen wie Energie, Verteidigung und kritischen Rohstoffen. Für das Gesamtjahr 2026 bestätigte das Management deshalb seine bisherige Prognose und erwartet weiterhin einen operativen Konzerngewinn zwischen 1,025 und 1,1 Mrd. €.

Analysten sehen weiterhin Kurspotenzial

Auch bei den Analysten kommen die Geschäftszahlen grundsätzlich gut an. Jefferies bestätigte am Freitag sein Kursziel von 493 € und beließ die Aktie auf Hold. Vom letzten Schlusskurs bei 365,60 € aus entspricht das einem rechnerischen Aufwärtspotenzial von knapp +35 %.

Analyst Graham Hunt hält eine vollständige Übernahme durch ACS grundsätzlich nicht für überraschend, da die Hochtief-Aktie seit ihrem Rekordhoch deutlich an Wert verloren hat, während die Gewinnerwartungen weiter gestiegen sind. Nach dem Dementi bleibt allerdings offen, ob das Thema in absehbarer Zeit noch einmal aufkommt.

Etwas vorsichtiger zeigt sich die Deutsche Bank, die ihr Kursziel nach den Quartalszahlen von 411 € auf 403 € gesenkt hat und ebenfalls an ihrer neutralen Einschätzung festhält. Die Analysten verweisen unter anderem auf die Unsicherheit rund um KI-Investitionen, sehen Hochtief durch seine breite Aufstellung in verschiedenen Infrastrukturbereichen aber weiterhin gut positioniert.

Für neue Bewegung könnte nun der Kapitalmarkttag von ACS am 12. November sorgen, bei dem die Spanier ihre weitere Strategie vorstellen wollen. Zunächst muss sich allerdings zeigen, wie die Börse das Dementi und die damit verbundenen enttäuschten Übernahmehoffnungen verarbeitet.

ℹ️ Hochtief in Kürze

  • Hochtief (WKN: 607000) ist ein internationaler, führender Baukonzern. Neben dem klassischen Baugeschäft entwickelt sich der Konzern immer mehr zum Projekt-Unternehmen mit einem breiten Dienstleistungsgeschäft.
  • Neben dem Hauptsitz in Essen unterhält der Konzern weltweit Niederlassungen. Großaktionär mit 77,5% ist die spanische ACS-Gruppe.
  • Die Aktie ist im MDAX gelistet und wird aktuell mit rund 27 Milliarden € bewertet.

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Fazit

Meiner Meinung nach sprechen die jüngsten Quartalszahlen weiterhin für Hochtief, vor allem der hohe Auftragsbestand und die starke Nachfrage nach Rechenzentren gefallen mir. Allerdings wurde der kräftige Kursanstieg vom Freitag hauptsächlich durch Übernahmespekulationen ausgelöst, die ACS inzwischen zurückgewiesen hat. Kurzfristige Gewinnmitnahmen würde ich deshalb nicht ausschließen. An den guten Geschäftsaussichten hat sich durch das Dementi allerdings wenig verändert, weshalb ich die Hochtief-Aktie grundsätzlich weiterhin positiv sehe.