Intel-Aktie stürzt fast -30% ab – ist das große Comeback in Gefahr?
Für Intel-Anleger gibt es nach den jüngsten Quartalszahlen eine böse Überraschung. Obwohl der amerikanische Chiphersteller seinen Umsatz deutlich steigern konnte und insbesondere das Geschäft mit KI-Rechenzentren hervorragend läuft, bricht die Aktie vorbörslich um rund -25% ein. Hintergrund sind ein überraschend schwacher Ausblick und anhaltende Probleme bei der Produktion. Nach der kräftigen Rallye der vergangenen Monate stellt sich damit die Frage, ob die hohen Erwartungen an Intels geplantes Comeback inzwischen zu groß geworden sind.
Intel übertrifft Gewinnerwartungen – KI-Geschäft wächst kräftig
Intel hat am Donnerstagabend seine Geschäftszahlen für das dritte Quartal 2026 veröffentlicht und dabei zunächst durchaus überzeugt. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 21 % auf rund 16,5 Milliarden US$ und lag damit leicht über den Erwartungen der Analysten.
Beim Gewinn fiel die Überraschung sogar noch größer aus. Bereinigt verdiente Intel 0,52 US$ je Aktie, während Analysten lediglich mit rund 0,40 US$ gerechnet hatten. Damit konnte das Unternehmen seinen bereinigten Gewinn je Aktie gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppeln.
Besonders gut entwickelte sich das Geschäft mit Rechenzentren und künstlicher Intelligenz. Hier kletterte der Umsatz um 78 % auf rund 7,3 Milliarden US$. Intel profitiert dabei von der hohen Nachfrage nach leistungsfähigen Server-Prozessoren, die in großen Rechenzentren benötigt werden.
Während viele Anleger Intel lange Zeit hauptsächlich mit klassischen PC-Prozessoren verbunden haben, gewinnt dieses Geschäft zunehmend an Bedeutung. Auch die eigene Chipfertigung konnte ihren Segmentumsatz um 58 % steigern, wobei ein großer Teil davon weiterhin auf interne Aufträge entfällt.
Ganz anders sieht es dagegen im PC-Geschäft aus. Hier gingen die Einnahmen um 5 % auf rund 8,1 Milliarden US$ zurück. Steigende Preise für Arbeitsspeicher machen Computer zunehmend teurer, weshalb Hersteller ihre Bestellungen zurückfahren.
Die Entwicklung zeigt, dass Intel derzeit von zwei völlig unterschiedlichen Märkten abhängig ist. Während die Nachfrage nach Rechenleistung für KI-Anwendungen kräftig wächst, bleibt das Geschäft mit herkömmlichen Computern schwierig.
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Warum die Intel-Aktie trotzdem so stark abstürzt
Die eigentliche Enttäuschung kam mit dem Ausblick auf das vierte Quartal. Intel rechnet für die letzten drei Monate des Jahres lediglich mit einem Umsatz zwischen 15 und 16 Milliarden US$. Analysten hatten dagegen mit rund 17 Milliarden US$ gerechnet. Auch beim Gewinn bleibt das Unternehmen deutlich hinter den bisherigen Erwartungen zurück. Intel stellt einen bereinigten Gewinn von 0,25 US$ je Aktie in Aussicht, während an der Wall Street zuvor etwa 0,43 US$ erwartet worden waren.
Hinter dem schwachen Ausblick stecken gleich mehrere Probleme. Zum einen rechnet Intel damit, dass die Nachfrage nach PCs mindestens bis in die erste Hälfte des kommenden Jahres schwach bleiben wird. Allein im vierten Quartal könnten die Einnahmen aus diesem Geschäft gegenüber dem Vorquartal um mehr als 20 % zurückgehen.
Hinzu kommen Schwierigkeiten bei der eigenen Produktion. Obwohl Intel zahlreiche Bestellungen für seine Server-Prozessoren erhält, kann das Unternehmen die Nachfrage derzeit nicht vollständig bedienen. Zusätzlich belastet ein schwerer Zwischenfall in einer Fabrik in Israel das Geschäft. Nach einer Explosion Mitte Oktober musste die Produktion dort für rund zwei Wochen unterbrochen werden. Intel rechnet dadurch über zwei Quartale hinweg mit Umsatzausfällen von insgesamt rund 600 Millionen US$.
Das trifft das Unternehmen zu einem ungünstigen Zeitpunkt, schließlich investiert Intel weiterhin enorme Summen in den Ausbau seiner Chipproduktion. Für das laufende Jahr sind Investitionen von rund 20 Milliarden US$ vorgesehen, während die Ausgaben 2027 noch einmal deutlich steigen sollen. Gleichzeitig rechnet das Management damit, dass der Cashflow in diesem Jahr nicht mehr positiv ausfallen wird. Intel muss also weiterhin viel Geld investieren, obwohl die erhoffte Erholung im PC-Geschäft auf sich warten lässt.
An der Börse kommt diese Kombination überhaupt nicht gut an. Nach einem Kursanstieg von zeitweise rund +150% seit Jahresbeginn waren die Erwartungen an Intels Comeback entsprechend hoch. Der schwache Ausblick hat nun ausgereicht, um einen erheblichen Teil dieser Gewinne innerhalb kürzester Zeit wieder infrage zu stellen.
Analysten senken ihre Kursziele – wie viel Potenzial bleibt?
Auch bei den Analysten haben die jüngsten Zahlen für Ernüchterung gesorgt. Sehr deutlich reagierte die Bank of America, die ihre bisherige Kaufempfehlung für Intel zurücknahm und die Aktie auf „Neutral“ abstufte. Zudem wurde das Kursziel von 145 auf 100 US$ gesenkt. Die Analysten begründeten ihre Entscheidung unter anderem damit, dass sich die erhoffte Erholung des Unternehmens durch die schwache PC-Nachfrage und die Produktionsengpässe weiter verzögert.
Noch skeptischer zeigt sich Roth Capital. Die Investmentbank senkte ihr Kursziel von 120 auf nur noch 70 US$ und stufte die Aktie ebenfalls von Kaufen auf Halten zurück. Allerdings sind nicht alle Analysten derart pessimistisch. KeyBanc reduzierte sein Kursziel zwar ebenfalls von 155 auf 140 US$, hält aber weiterhin an seiner positiven Einschätzung fest.
Einerseits wächst das Geschäft mit KI-Rechenzentren kräftig und bietet dem Unternehmen langfristig gute Chancen. Andererseits muss Intel erst noch beweisen, dass sich die hohen Investitionen in neue Fertigungsanlagen tatsächlich auszahlen. Nach dem jüngsten Kursrutsch könnten die niedrigeren Aktienkurse für einige Anleger deshalb durchaus interessant werden. Allerdings bleibt das Risiko bestehen, dass sich die Erholung im PC-Geschäft weiter verzögert und Intel auch in den kommenden Quartalen hinter den Erwartungen zurückbleibt.
ℹ️ Intel in Kürze
- Intel, gegründet 1968 und mit Sitz in Santa Clara in Kalifornien, ist ein US-amerikanischer Technologiekonzern und historisch der weltweit größte Entwickler und Hersteller von Mikroprozessoren.
- Der Konzern besteht aus den zwei Einheiten Products (Design) und Foundry (Auftragsfertigung).
- Intel Products entwickelt Prozessoren für PCs (Core-Serie) und Rechenzentren (Xeon-Prozessoren).
- Intel Foundry produziert Chips auch für Drittkunden, wie beispielsweise Microsoft und Gerüchten zufolge zukünftig auch für Apple.
- Intel ist Mitglied in den US-Leitindizes Nasdaq 100 und S&P 500 und aktuell ca. 346 Milliarden US$ wert.
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Fazit
Der massive Kurssturz zeigt, wie groß die Enttäuschung der Anleger nach den jüngsten Zahlen ist. Zwar wächst das Geschäft mit KI-Rechenzentren kräftig, doch der schwache Ausblick und die anhaltenden Produktionsprobleme haben die Hoffnungen auf eine schnelle Erholung erheblich gedämpft. Nach dem Einbruch könnte die Intel-Aktie für einige Anleger wieder interessant werden. Allerdings muss das Unternehmen erst einmal seine bestehenden Probleme in den Griff bekommen. Für eine schnelle Fortsetzung der bisherigen Rallye sind die jüngsten Nachrichten jedenfalls kein gutes Zeichen.
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