Gerresheimer-Aktie: Comeback gelungen – was kommt jetzt?
Ergebnis bleibt unter Druck
Nach der Verbesserung im zweiten Quartal konnte Gerresheimer auch im dritten Quartal beim Umsatz zulegen. Allerdings entwickelte sich das Ergebnis nicht entsprechend.
Der Konzernumsatz stieg im dritten Quartal um 8% gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 605 Millionen €. Besonders positiv entwickelte sich der Geschäftsbereich Containment & Delivery Systems. Hier sorgte die höhere Nachfrage nach Medikamenten-Verabreichungssystemen für Wachstum.
Beim bereinigten EBITDA erreichte Gerresheimer 103 Millionen €. Damit lag das Ergebnis knapp unter dem Vorjahreswert von 106 Millionen €. Die bereinigte EBITDA-Marge verringerte sich entsprechend von 19 auf 17,1%.
Auf Sicht der ersten neun Monate blieb der Umsatz mit rund 1,7 Milliarden € in etwa auf Vorjahresniveau. Das bereinigte EBITDA fiel dagegen von 331 auf 272 Millionen € deutlich. Die Marge reduzierte sich von 19,4 auf 15,9%.
Hier macht sich insbesondere das schwache erste Quartal bemerkbar. Damals lag das bereinigte EBITDA lediglich bei 66 Millionen €. Hinzu kamen im weiteren Jahresverlauf Belastungen durch den Abbau von Lagerbeständen sowie eine schwächere Entwicklung in den europäischen Röhrenglas- und Formglasgeschäften.
Insgesamt überzeugen die Geschäftszahlen noch nicht vollkommen, sie sind jedoch als solide zu bezeichnen.
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Starkes Schlussquartal erwartet
Für das vierte Quartal rechnet Gerresheimer mit einer weiteren Verbesserung. Das Unternehmen erwartet einen höheren Umsatz und ein steigendes Ergebnis. Damit soll das zweite Halbjahr insgesamt besser ausfallen als die ersten sechs Monate.
Verkäufe verbessern die Finanzstruktur
Ein wichtiger Schritt zur Stabilisierung des Unternehmens ist der Verkauf von Geschäftsbereichen. Der Verkauf der US-Tochter Centor wurde am 1. Oktober erfolgreich abgeschlossen. Die daraus zufließenden Mittel sollen vollständig zum Schuldenabbau verwendet werden.
Zusätzlich wird der Geschäftsbereich Primary Packaging Plastics (PPP) an den Finanzinvestor Apax verkauft. Der Abschluss dieser Transaktion wird inzwischen bereits für das erste Quartal 2027 erwartet.
Für beide Geschäftsbereiche wurde im Juli ein gemeinsamer Unternehmenswert von rund 1,5 Milliarden € vereinbart. Dieser Betrag ist allerdings nicht mit einem entsprechenden Netto-Mittelzufluss an Gerresheimer gleichzusetzen.
Bewertung
Die frühere Bilanzierungsproblematik ist inzwischen ein gutes Stück aufgearbeitet. Die internen Untersuchungen zu den Geschäftsjahren 2024 und 2025 wurden abgeschlossen. Der im Juni veröffentlichte Jahresabschluss 2025 erhielt einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk. Die fehlerhaften Buchungen wurden korrigiert.
Operativ zeigt sich eine allmähliche Stabilisierung. Besonders der Geschäftsbereich Containment & Delivery Systems entwickelt sich positiv. Die schwache Ertragslage in Teilen des Glasgeschäfts verhindert jedoch bislang eine durchgreifende Verbesserung des Konzernergebnisses.
Die geplanten Verkäufe können die Verschuldung deutlich reduzieren und die künftige Ausrichtung vereinfachen. Gleichzeitig wird Gerresheimer dadurch kleiner. Entscheidend ist daher, ob das verbleibende Geschäft künftig ausreichend profitabel wachsen kann.
ℹ️ Gerresheimer in Kürze
- Die Gerresheimer AG (WKN: A0LD6E) stellt Spezialprodukte in den Bereichen Glas und Kunststoff insbesondere für die Pharma- sowie Healthcare-Industrie her und gilt als weltweit führender Schlüssellieferant für diese Branchen. Die Produkte reichen vom Insulin-Pen bis zu Ampullen, aber auch schnöde Parfümflakons gehören zum Portfolio.
- Der Hauptsitz ist in Düsseldorf, daneben ist der Konzern weltweit mit Standorten in Europa, Asien und Amerika vertreten.
- Die Aktie ist im SDAX gelistet, die Marktkapitalisierung beträgt aktuell etwa 1,1 Milliarden €.
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Fazit
Gerresheimer hat wichtige Schritte zur Bewältigung der Krise erreicht. Die internen Bilanzierungsuntersuchungen sind abgeschlossen, der Jahresabschluss wurde testiert und der Verkauf von Centor ist vollzogen. Der Schwachpunkt bleibt vorerst noch die operative Ertragslage. Hier ist trotz einem konstanten Umsatz in den ersten neun Monaten ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Jetzt kommt es auf das vierte Quartal an.
Für die kurzfristige Kursentwicklung bleibe ich dennoch vorsichtig. Ein Teil der positiven Erwartungen dürfte inzwischen eingepreist sein. Sollte das Schlussquartal die Erwartungen erfüllen und die nächste Jahresprognose eine deutliche Verbesserung signalisieren, halte ich Kurse von 40 € für realistisch.
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