Amazon-Aktie rutscht nach Zahlen ab – wird der KI-Boom zu teuer?
Amazon investiert Milliarden in neue Rechenzentren und profitiert gleichzeitig von der enormen Nachfrage nach künstlicher Intelligenz. Doch an der Börse wächst die Skepsis, ob sich die gewaltigen Ausgaben schnell genug auszahlen. Die jüngsten Geschäftszahlen verstärken diese Sorgen nun deutlich.
Amazon verfehlt Erwartungen – AWS wächst um 39%
Amazon hat am Donnerstagabend seine Geschäftszahlen für das dritte Quartal 2026 veröffentlicht und dabei die Erwartungen der Analysten leicht verfehlt. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum zwar um 12 % auf 201,9 Milliarden US$, Analysten hatten allerdings mit etwas mehr gerechnet.
Auch beim Gewinn blieb Amazon knapp hinter den Prognosen zurück. Je Aktie verdiente das Unternehmen 1,89 US$, während an der Wall Street rund 1,96 US$ erwartet worden waren.
Dabei lief das operative Geschäft eigentlich ziemlich gut. Der operative Gewinn kletterte von 17,4 auf 28,1 Milliarden US$ und die operative Gewinnmarge erreichte mit 13,9 % sogar einen neuen Rekord. Amazon gelingt es also weiterhin, seine Geschäfte profitabler zu betreiben.
Noch stärker entwickelte sich allerdings die Cloud-Sparte Amazon Web Services (AWS). Hier stieg der Umsatz um 39 % auf rund 46 Milliarden US$ und übertraf damit sogar die Erwartungen der Analysten. Es war das stärkste Wachstum seit fast fünf Jahren.
Hinter dieser Entwicklung steckt die enorme Nachfrage nach Rechenleistung für künstliche Intelligenz. Immer mehr Unternehmen nutzen die Infrastruktur von Amazon, um KI-Modelle zu trainieren, eigene Anwendungen zu entwickeln oder große Datenmengen zu verarbeiten.
Auch Amazon-Chef Andy Jassy zeigt sich für die kommenden Jahre ausgesprochen optimistisch. Er rechnet damit, dass AWS sowohl 2027 als auch 2028 um mehr als 40 % wachsen könnte. Das Cloud-Geschäft könnte damit noch einmal erheblich größer werden.
Etwas enttäuschend entwickelte sich dagegen das Werbegeschäft. Hier legten die Einnahmen lediglich um 12 % zu und blieben damit hinter den Erwartungen zurück. Amazon führt das unter anderem auf die Verschiebung des Prime Day zurück, der in diesem Jahr bereits im zweiten Quartal stattfand.
Trotzdem ist es nicht das Wachstum, das Anleger derzeit am meisten beschäftigt. Vielmehr stellt sich zunehmend die Frage, wie viel Geld Amazon noch investieren muss, um mit der steigenden KI-Nachfrage Schritt zu halten.
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Milliarden für KI-Rechenzentren – Anleger verlieren die Geduld
Die eigentliche Enttäuschung versteckt sich beim Blick auf die Investitionsausgaben. Amazon möchte allein in diesem Jahr rund 220 Milliarden US$ investieren, wobei ein großer Teil des Geldes in neue Rechenzentren und KI-Infrastruktur fließt.
Und damit soll noch lange nicht Schluss sein. Amazon-Chef Andy Jassy erklärte bei der anschließenden Telefonkonferenz, dass die Investitionen im kommenden Jahr sogar noch einmal deutlich höher ausfallen sollen.
Das macht sich inzwischen auch beim freien Cashflow bemerkbar. Während Amazon in den zwölf Monaten bis Ende September 2025 noch einen positiven freien Cashflow von rund 14,8 Milliarden US$ erwirtschaftete, steht für die vergangenen zwölf Monate inzwischen ein Minus von 42,4 Milliarden US$ zu Buche.
An der Börse kommt das zunehmend schlechter an. Schließlich investieren auch Microsoft, Meta und Alphabet enorme Summen in künstliche Intelligenz. Anleger fragen sich deshalb immer häufiger, wann diese Ausgaben tatsächlich zu entsprechend höheren freien Mittelzuflüssen führen.
Zusätzlich sorgte der Ausblick auf das wichtige Weihnachtsquartal für Enttäuschung. Amazon rechnet hier mit einem Umsatz zwischen 240 und 247 Milliarden US$. Der Mittelwert dieser Prognose liegt leicht unter den bisherigen Erwartungen der Analysten.
Nach den Zahlen geriet die Aktie deshalb kräftig unter Druck. Bereits am Donnerstag hatte Amazon im regulären Handel rund -4,3% verloren und bei 243,79 US$ geschlossen. Nach Veröffentlichung der Ergebnisse ging es zeitweise um weitere rund -7% nach unten.
Dass selbst das starke AWS-Wachstum den Kursrutsch nicht verhindern konnte, zeigt, wie kritisch Anleger inzwischen auf die milliardenschweren KI-Investitionen blicken.
ℹ️ Amazon in Kürze
- Amazon (WKN: 906866) mit Hauptsitz in Seattle im US-Bundesstaat Washington ist ein global agierender Online-Versandhändler mit einer breit gefächerten Produktpalette.
- In vielen Produktkategorien ist Amazon der weltweit führende Einzelhändler. Über die Verkaufs- und Logistikplattform des Konzerns können auch Privatpersonen und andere Händler ihre Produkte anbieten.
- Neben seiner marktführenden Position im E-Commerce ist Amazon über seine Sparte Web Services auch der weltweit größte Anbieter von Cloud Computing-Diensten.
- Amazon notiert im Nasdaq 100 sowie im S&P 500 Index und ist mit einem aktuellen Börsenwert von ca. 2,6 Billionen US$ eines der wertvollsten Unternehmen der Welt.
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Fazit
Operativ läuft es bei Amazon weiterhin gut und insbesondere AWS profitiert von der enormen Nachfrage nach künstlicher Intelligenz. Trotzdem haben die hohen Investitionsausgaben und der etwas enttäuschende Ausblick die Stimmung an der Börse belastet. Für die Amazon-Aktie könnte der jüngste Kursrutsch durchaus neue Chancen eröffnen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sich das starke Wachstum im Cloud-Geschäft fortsetzt und Amazon seine milliardenschweren KI-Investitionen langfristig auch in entsprechend hohe freie Cashflows umwandeln kann.
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