Sanofi hat am heutigen Freitag Quartalszahlen vorgelegt, die über den Erwartungen der Analysten lagen. Zugleich hat der Konzern seine Jahresziele für 2026 angehoben. Um 7.43 Uhr notierte die Aktie bei Lang & Schwarz bei 76,95 €, ein Plus von +1,26%. Im dritten Quartal wuchs der Umsatz währungsbereinigt um 14,3%. Getragen wurde das Wachstum vom Kassenschlager Dupixent und von mehreren neuen Medikamenten. Damit stellt sich die Frage: Reicht dieser Schwung, um die Sorgen um die Zeit nach dem Patentschutz von Dupixent zu zerstreuen?
Dupixent zieht weiter an
Der Konzernumsatz stieg im dritten Quartal auf 14,4 Milliarden €. Rechnet man die Wechselkurseffekte mit ein, liegt das Plus bei gut 16%. Dupixent wird gegen Asthma und Neurodermitis eingesetzt. Das Mittel steigerte seine Erlöse um 34,8% auf 5,7 Milliarden € und lag damit zum zweiten Mal über 5 Milliarden € in einem Quartal. Das sind knapp 40% des gesamten Konzernumsatzes.
Die neu eingeführten Medikamente, darunter Altuviiio, Ayvakit und Rezurock, legten um 31,4% auf 1,4 Milliarden € zu. Schwächer lief das Geschäft mit Impfstoffen: Hier sanken die Erlöse um 6,6% auf 3,2 Milliarden €. Sanofi erklärt das mit einer erwarteten zeitlichen Verschiebung bei Mitteln zur Vorbeugung von Atemwegserkrankungen.
Kostendisziplin treibt den Gewinn
Der bereinigte Gewinn stieg währungsbereinigt um mehr als 17% auf knapp 4,3 Milliarden €. Der bereinigte Gewinn je Aktie (Business-EPS) kletterte auf 3,55 €, nach 2,91 € im Vorjahresquartal. Nach IFRS stieg der Nettogewinn, der den Aktionären zusteht, auf 3,02 Milliarden € nach 2,80 Milliarden € im Vorjahr. Konzernchefin Belén Garijo ist seit dem Frühjahr im Amt und war früher Chefin von Merck. Sie führt den kräftigen Gewinnanstieg vor allem auf Kostendisziplin zurück.
Für 2026 erwartet Sanofi nun ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum im niedrigen Zehner-Prozent-Bereich. Bisher waren rund 10% geplant. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll im mittleren Zehner-Prozent-Bereich zulegen. Garijo sagt allerdings selbst, dass sich das ganze Unternehmen auf die Zeit nach Dupixent im kommenden Jahrzehnt ausrichtet. Ihr Ziel ist, die Erträge auch nach dem Ende des Patentschutzes zu sichern. Die Patente laufen nach 2030 aus. Im Sommer hatte Sanofi das Umsatzziel für Dupixent bis 2030 auf etwa 25 Milliarden € erhöht. Gleichzeitig stoppte der Konzern mehr als acht Entwicklungsprojekte, darunter Amlitelimab, das als möglicher Nachfolger galt.
Ein Muster für Pharma
Sanofi zeigt, wie stark ein einzelnes Erfolgsmedikament das Ergebnis eines großen Pharmakonzerns tragen kann. Diese Abhängigkeit hat aber eine Kehrseite. Nach den Zahlen zum zweiten Quartal am 30. Juli fiel die Aktie bis zum Mittag um rund 4,5% auf 76,29 €, obwohl die Erwartungen übertroffen wurden. Ich sehe darin ein Muster, das auch andere Pharmakonzerne mit einem dominanten Medikament treffen dürfte. In solchen Fällen achtet die Börse aus meiner Sicht vor allem auf eine überzeugende Pipeline.
Bewertung bleibt niedrig
Analysten erwarten im Schnitt einen bereinigten Gewinn je Aktie von 8,60 € für 2026 und 9,11 € für 2027. Beim Kurs von 76,95 € ergibt sich daraus ein Forward-KGV von rund 9 für 2026 und knapp 8,5 für 2027. Für 2025 zahlt Sanofi eine Dividende von 4,12 € je Aktie. Auf dem aktuellen Kurs entspricht das einer Rendite von rund 5,4%. Für einen Konzern mit zweistelligem Gewinnwachstum ist das günstig. Aus meiner Sicht spiegelt der Abschlag vor allem die Unsicherheit wider, wie es mit den Erträgen nach 2030 weitergeht.
Ihr Jahrestief erreichte die Aktie am 2. Oktober bei 69,75 €, seitdem hat sie gut 10% zugelegt. Vom Hoch bei 91,15 € im Oktober 2025 ist sie aber noch weit entfernt. JPMorgan bestätigte am 21. Oktober die Einstufung "Neutral" mit einem Kursziel von 85 €. RBC senkte am 15. Oktober das Kursziel von 80 € auf 75 € und bleibt bei "Sector Perform". Die Bank sieht Gegenwind in den Geschäften außerhalb von Dupixent.
Fazit
Aus meiner Sicht hat Sanofi ein überzeugendes Quartal vorgelegt. Die angehobene Prognose wirkt solide, weil auch die neuen Medikamente deutlich wachsen. Die Sorgen um die Zeit nach dem Patentablauf zerstreut das Quartal allerdings noch nicht. Bei der niedrigen Bewertung steckt schon viel Skepsis im Kurs. Die Risiken sind aber klar: Sanofi hängt stark von Dupixent ab, die Impfstoffe schwächeln, und ein Nachfolger für Dupixent ist bisher nicht in Sicht. Entscheidend wird nun sein, ob Garijo über Zukäufe und die eigene Forschung neue Wachstumsquellen findet, bevor die Patente auslaufen.
Für bestehende Anleger könnte es sinnvoll sein, die Aktie zu halten und die hohe Dividende mitzunehmen. Für Neueinsteiger mit langem Atem könnte ein Kauf schon auf diesem Niveau interessant sein, solange Dupixent so stark wächst wie jetzt. Einen größeren Kurssprung erwarte ich erst, wenn Sanofi glaubhaft zeigt, wie das Geschäft nach Dupixent aussehen soll.
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