Vossloh-Aktie: Ist das der Beginn vom Turnaround?
Umsatz wächst, Gewinne geraten unter Druck
Auf den ersten Blick fallen die Neunmonatszahlen zwiespältig aus. Zwar steigerte Vossloh den Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 19,6% auf 1,09 Milliarden €. Haupttreiber war die Übernahme des französischen Betonschwellenherstellers Sateba. Ohne diesen Zukauf wären die Erlöse allerdings um rund 4% gesunken – ein Hinweis darauf, dass das organische Geschäft derzeit schwächelt.
Noch deutlicher zeigt sich der Druck auf der Ergebnisseite: Das EBIT fiel von 76,2 auf 56,6 Millionen €, der Nettogewinn brach von 51,7 auf 22,9 Millionen € ein. Im dritten Quartal sank das operative Ergebnis um mehr als ein Fünftel auf 24,2 Millionen €. Höhere Material- und Logistikkosten, verschobene Projekte sowie Übernahme- und Abschreibungseffekte belasten die Profitabilität.
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Auftragsbücher liefern Argumente für 2027
Der Lichtblick steckt in der Nachfrage. Der Auftragseingang legte in den ersten neun Monaten um 21,7% auf 1,15 Milliarden € zu. Daraus resultiert eine Book-to-Bill-Ratio von 1,06: Der Auftragseingang übersteigt somit den Umsatz, was eine solide Grundlage für die kommenden Quartale schafft. Der Auftragsbestand wuchs in den ersten drei Quartalen um 27,8% auf 1,09 Milliarden €.
Für 2026 hält Vossloh an seiner Prognose fest: Der Umsatz soll 1,51 bis 1,61 Milliarden € erreichen und damit voraussichtlich in der Mitte der ausgegebenen Spanne liegen. Bei EBITDA und EBIT rechnet das Management dagegen mit Werten am unteren Ende der Zielkorridore von 195 bis 210 Millionen € beziehungsweise 100 bis 110 Millionen €.
Nach drei Quartalen betrug das EBITDA 128,5 Millionen € und das EBIT 56,6 Millionen €, das Schlussquartal muss also liefern. Vorstandschef Oliver Schuster erwartet eine deutliche Belebung zum Jahresende, während Finanzvorstand Thomas Triska für 2027 mit spürbar nachlassenden Belastungen und deutlich besseren Ergebnissen rechnet.
Bewertung und Analysten: Blick nach vorn
Die Analysteneinschätzungen spiegeln diese Mischung aus kurzfristiger Schwäche und längerfristigem Potenzial wider. Die prall gefüllten Auftragsbücher und die Aussicht auf eine Ergebnisverbesserung in 2027 sprechen für den Konzern. Zugleich müssen Anleger im Auge behalten, ob die Übernahmen tatsächlich Synergien bringen und die Margen wieder steigen.
Auf Basis der vorliegenden Schätzungen liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2026 bei etwa 24. Für 2027 wird ein Rückgang auf rund 15 erwartet – allerdings nur, wenn die prognostizierte Erholung tatsächlich eintritt. Konsensschätzungen sehen Kursziele von etwa 70 € vor und signalisieren damit erhebliches Potenzial. Ein Freifahrtschein für steigende Kurse ist dies aber nicht.
Charttechnik: 50 € als mögliche Wendemarke
Seit September 2025 dominiert ein Abwärtstrend das Chartbild. Zuletzt beschleunigte sich der Verkaufsdruck sogar so stark, dass die Aktie zeitweise unter ihren Abwärtskanal rutschte. Im Bereich von 50 € könnte sich nun eine Bodenbildung abzeichnen. Die positive Reaktion auf die Zahlen und eine mögliche Hammer-Kerze im Monatschart liefern erste Hoffnungssignale. Bestätigt ist die Trendwende damit aber noch nicht. Auf der Oberseite warten Widerstände bei 55,18 € – hier verläuft die 50-Tage-Linie – und anschließend im Bereich von 60 €.
ℹ️ Vossloh in Kürze
- Vossloh ist ein international agierender Konzern rund um die Bahninfrastruktur. Auf dem chinesischen Markt ist der Konzern sogar als einziger ausländischer Anbieter tätig. Dies zeigt, wie leistungsstark die Produkte und Dienstleistungen des Konzerns sind.
- Neben dem Hauptsitz im nordrhein-westfälischen Werdohl ist der Konzern mit Niederlassungen auf allen Kontinenten vertreten.
- Das im SDAX gelistet Unternehmen wird an der Börse aktuell mit 1,02 Milliarden € bewertet.
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Fazit
Für mich überwiegen langfristig die Chancen. Der Ausbau und die Sanierung der Schieneninfrastruktur bleiben wichtige strukturelle Wachstumstreiber, und Vossloh verfügt über einen kräftigen Auftragsbestand. Kurzfristig müssen sich die erwartete Geschäftsbelebung und der positive Cashflow jedoch erst materialisieren. Gelingt 2027 die angekündigte Ergebniswende, könnte die Aktie vom gedrückten Niveau aus deutlich aufholen. Die Marke von 50 € verdient dabei besondere Aufmerksamkeit – als mögliche Basis für eine Bodenbildung.
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