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Drägerwerk-Aktie -15%: Ist der Kurssturz jetzt eine Chance?

Medizintechnik unter Druck
Redaktion | Börse

Die Drägerwerk-Vorzüge stehen am heutigen Donnerstag massiv unter Druck. Gegen Mittag verlieren sie fast 15% auf knapp unter 100 € und sind damit das Schlusslicht im SDax. Ausgelöst hat den Rutsch die Vorlage vorläufiger Quartalszahlen. Damit stellt sich die Frage: Ist das der Beginn einer größeren Korrektur oder nur eine Verschnaufpause nach einem starken Börsenjahr?

Zollrückerstattung schönt das Ergebnis

Der Lübecker Anbieter von Medizin- und Sicherheitstechnik verdiente im dritten Quartal weniger, obwohl hohe Zollrückerstattungen in die Bücher flossen. Das Umsatzwachstum fiel geringer aus, während die Kosten überdurchschnittlich stiegen. Ein Händler kritisierte, der Einmaleffekt aus der Zollrückerstattung lasse das Ergebnis besser erscheinen, als es tatsächlich ausfalle. Bereinigt um diesen Posten habe das operative Ergebnis deutlich unter den Erwartungen gelegen.

Für die Beurteilung der operativen Qualität ist genau dieser Punkt entscheidend. Ein Zollrückfluss ist ein einmaliger Posten, der die laufende Ertragskraft unberührt lässt. Dass das Ergebnis trotz dieser Hilfe rückläufig war, verweist auf eine Kostenbasis, die schneller wächst als der Umsatz. Darauf reagiert der Markt mit einem Abschlag.

MWB Research bleibt zuversichtlich

An der Jahresprognose hält Drägerwerk fest, was den Kurs allerdings nicht stützen konnte. Analyst Harald Hof von MWB Research stellte klar, dass die Jahresziele weiterhin in Reichweite seien, auch wenn das operative Ergebnis im dritten Quartal enttäuscht habe und das Unternehmen nun wohl eine strengere Kostenkontrolle brauche. Seine Gewinnschätzungen für 2026 senkte Hof, die mittelfristigen Annahmen beließ er unverändert.

Zur Begründung verweist Hof darauf, dass Drägerwerk in der Vergangenheit bis zu 60% des jährlichen operativen Gewinns im Schlussquartal erwirtschaftet hat. Das gewinnseitig schwache dritte Quartal wertet er eher als kurzfristigen Rücksetzer denn als Hinweis auf fundamental veränderte mittelfristige Perspektiven. Für Aktionäre verlagert sich damit das Gewicht des Geschäftsjahres auf die kommenden Monate.

Charttechnik fängt den Kurs

Trotz des Einbruchs steht seit Jahresanfang noch ein Plus von +44% zu Buche. Die Aktie ist in diesem Jahr bereits gut gelaufen, sodass die Verluste am Donnerstag teils mit Gewinnmitnahmen zu erklären sein dürften. Die seit Anfang Juli aufgelaufenen Kursgewinne sind inzwischen um rund 62% korrigiert, ein in der Chart-Analyse als Fibonacci-Retracement bezeichnetes Niveau. Dort scheint sich der Kurs nun etwas zu fangen, zurück auf dem Stand von Ende Juli.

Fazit

Wir werten die Reaktion weniger als Signal für einen fundamentalen Bruch, eher als Quittung für eine hoch gelaufene Aktie, die operativ enttäuscht hat. Entscheidend wird, ob das traditionell starke Schlussquartal liefert, denn daran hängt die bestätigte Prognose. Misslingt das, dürfte der Markt die Jahresziele schnell infrage stellen, zumal die Kostenseite schon im abgelaufenen Quartal aus dem Ruder lief. Solange sich der Kurs im Bereich um 100 € stabilisiert, könnte es für bestehende Anleger sinnvoll sein, die Position zu halten und die Zahlen zum Gesamtjahr abzuwarten. Für einen Neueinstieg würden wir dagegen Zurückhaltung bevorzugen, denn nach der starken Jahresentwicklung ist die Aktie trotz des Rückschlags kein Nachzügler, und ein zweites schwaches Quartal in Folge wäre nur schwer zu verdauen.

Quelle: dpa-AFX

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