Thyssenkrupp-Aktie: Kommt jetzt die große Neubewertung?
Ende Oktober wird das nächste Stück herausgelöst
Am 28. Oktober soll nach Informationen von Reuters tk accelis an die Börse kommen. Dahinter steckt das bisherige Materialhandelsgeschäft von Thyssenkrupp, das künftig wesentlich eigenständiger auftreten soll. 49 % der Anteile werden den bisherigen Thyssenkrupp-Aktionären zugeteilt, während der Konzern selbst 51 % behält. Für jeweils 20 Thyssenkrupp-Aktien gibt es eine Aktie von tk accelis.
Für Thyssenkrupp ist das mehr als nur ein weiterer Börsengang. Der Konzern versucht seit Jahren, den Abschlag loszuwerden, den Anleger einem schwer durchschaubaren Mischkonzern geben. Bei einem separat gelisteten Unternehmen lässt sich wesentlich leichter erkennen, welchen Wert der einzelne Bereich an der Börse bekommt.
TKMS hat vorgemacht, wie das funktionieren kann. Die Marinesparte ist seit Oktober 2025 eigenständig gelistet, Thyssenkrupp hält aber weiterhin 51 %. Mit tk accelis wird dieses Modell nun praktisch ein zweites Mal angewendet. Am Ende soll von Thyssenkrupp weniger ein klassischer Industriekonzern und mehr eine Holding übrig bleiben, die größere Beteiligungen an selbstständigen Unternehmen hält.
Dass diese Idee bei Analysten ankommt, sieht man schon an der jüngsten Jefferies-Studie. Analyst Tommaso Castello hat sein Kursziel diese Woche von 13 € auf 16,50 € angehoben und bleibt bei „Buy“. Ein Punkt seiner Rechnung ist die Abspaltung von tk accelis, weil dadurch der bisherige Konglomeratsabschlag kleiner werden könnte.
Sicher auch interessant: Du interessierst Dich für Rohstoffanlagen? Dann wirf mal einen Blick in unseren Rohstoff Anleger Club!
Ausgerechnet Stahl soll wieder richtig Geld verdienen
Der dickste Brocken bleibt allerdings die Stahlsparte. Thyssenkrupp Steel war über Jahre ein Geschäft, das enorme Mengen Kapital gebunden hat und unter billigen Importen, hohen Energiekosten und Überkapazitäten litt. Ende September hat das Management nun vorgerechnet, wohin man mit dem laufenden Umbau kommen will.
Mittelfristig sollen mindestens 1,2 Milliarden € bereinigtes EBITDA drin sein, dazu eine Marge von mindestens 11 % und ein positiver Free Cashflow. Zum Vergleich: Im Geschäftsjahr 2024/25 waren es lediglich 384 Millionen €. Der Gewinn soll sich damit grob verdreifachen. Mehr als 800 Millionen € Ergebnisverbesserung sollen aus Maßnahmen kommen, die Thyssenkrupp selbst in der Hand hat.
Das ist keine kleine Effizienzrunde, denn von rund 26.000 Stellen sollen bis zu 11.000 wegfallen oder ausgelagert werden, rund 4.000 davon sind bereits umgesetzt. Parallel wird die Produktionskapazität von bislang rund 11 Millionen Tonnen auf 8,7 bis 9 Millionen Tonnen heruntergefahren. Thyssenkrupp versucht also nicht mehr, möglichst viel Stahl zu produzieren, sondern verkleinert das Geschäft so lange, bis es mit der vorhandenen Nachfrage wieder vernünftig Geld verdienen kann.
Wenn dieser Plan aufgeht, wäre auch der nächste Schritt vorbereitet. Thyssenkrupp will Steel Europe ebenfalls aus dem Konzern herauslösen, eine Abspaltung wird für 2027 angepeilt. Dann wäre ein weiterer großer Teil des früheren Mischkonzerns auf eigenen Beinen.
Analysten rechnen den Konzern inzwischen neu
Jefferies ist mit den 16,50 € nicht allein. Die Deutsche Bank bleibt nach dem Kapitalmarkttag der Stahlsparte bei „Buy“ und einem Kursziel von 18 €. AlphaValue/Baader Europe hat Thyssenkrupp am 8. Oktober von „Reduce“ auf „Add“ hochgestuft und das Ziel von 14,10 auf 15,50 € erhöht. Die Aktie selbst stand zuletzt bei rund 13,36 €.
Die Kursziele sagen ziemlich viel darüber aus, wie Thyssenkrupp mittlerweile betrachtet wird. Es geht immer weniger darum, für das nächste Jahr ein paar Prozent mehr Stahlabsatz vorherzusagen. Die größere Rechnung lautet inzwischen, was TKMS, tk accelis, Steel Europe und die übrigen Geschäfte einzeln wert sein könnten und wie viel davon irgendwann beim Aktionär ankommt.
Schön rechnen lässt sich so eine Aufspaltung relativ leicht. Schwieriger wird der Teil, bei dem Thyssenkrupp liefern muss. Steel Europe muss seine Kosten tatsächlich so weit runterbekommen wie angekündigt, der Stellenabbau muss umgesetzt werden und auch das schwache europäische Industrieumfeld verschwindet nicht einfach, nur weil ein Geschäftsbereich separat an der Börse steht.
ℹ️ ThyssenKrupp in Kürze
- ThyssenKrupp mit Hauptsitz in Essen ist ein diversifizierter Industrie- und Technologiekonzern mit Schwerpunkt in der Stahlherstellung.
- Der Konzern ging 1999 aus der Fusion der beiden Traditionsunternehmen Friedrich Krupp AG und Thyssen AG hervor.
- ThyssenKrupp ist im Nebenwerteindex MDAX notiert und ist aktuell etwa 9,9 Milliarden € wert.
ThyssenKrupp kaufen, halten oder verkaufen? Unsere Experten-Redaktion berichtet regelmäßig über ThyssenKrupp und informiert Dich in Echtzeit, wenn Handlungsbedarf besteht. Aktiviere dafür einfach unseren kostenlosen Aktien-Alarm und sichere Dir Deinen persönlichen Informationsvorsprung.
ThyssenKrupp weiterverfolgen – jetzt kostenlosen Aktien-Alarm aktivieren »
Fazit
Thyssenkrupp zieht den Umbau inzwischen deutlich konsequenter durch. TKMS ist bereits eigenständig, tk accelis soll Ende Oktober folgen und auch bei Steel Europe wird weiter auf eine spätere Abspaltung hingearbeitet. Wenn dazu die Sparmaßnahmen im Stahlgeschäft greifen und das Ergebnis tatsächlich spürbar steigt, könnten die Analystenziele von 16,50 bis 18 € wieder realistischer werden.
Andere Chance(n) rund um Energie und Rohstoffe gesucht? Schau Dir unsere drei Werte in unserem neuen exklusiven Report rund um Energie, Rohstoffe und Infrastruktur an. Wer wissen will, welche Aktien von der Energiekrise als Börsenchance besonders profitieren könnten, sollte hier genauer hinschauen.