BASF-Aktie: 30 Milliarden € – steckt hier der wahre Wert?
Vier Großbanken bereiten den Börsengang vor
BASF hat Citi, Deutsche Bank, Goldman Sachs und JPMorgan als globale Koordinatoren mandatiert. Agricultural Solutions soll bis Mitte 2027 börsenreif sein und anschließend in Frankfurt notiert werden. Vorgesehen ist zunächst lediglich die Platzierung einer Minderheitsbeteiligung.
Die Größenordnung wäre dennoch beträchtlich. Finanzkreise halten eine Bewertung zwischen 20 und 30 Milliarden € für möglich. BASF könnte durch den Verkauf eines Anteils mehrere Milliarden einnehmen, ohne die Kontrolle über das Geschäft vollständig abzugeben.
Am 24. November will der Konzern auf einem eigenen Kapitalmarkttag weitere strategische und operative Details vorstellen. Anleger dürften dann besonders auf die geplante Beteiligungsquote, mögliche Finanzziele und die Verwendung der IPO-Erlöse achten.
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Die Agrarsparte liefert hohe Margen
Agricultural Solutions ist deutlich profitabler als zahlreiche klassische Chemieaktivitäten von BASF. Im ersten Halbjahr erwirtschaftete die Sparte mit einem Umsatz von 5,32 Milliarden € ein bereinigtes EBITDA von 1,55 Milliarden €. Daraus ergibt sich eine Marge von 29,2%.
Für das Gesamtjahr erwarten Analysten Erlöse von rund 9,55 Milliarden € und ein bereinigtes EBITDA von gut 2 Milliarden €. Eine Bewertung von 20 bis 30 Milliarden € entspräche damit ungefähr dem Zehn- bis 15-Fachen des operativen Ergebnisses vor Abschreibungen.
Das obere Ende der Spanne wäre ambitioniert, angesichts der Marktstellung aber nicht völlig unrealistisch. BASF gehört gemeinsam mit Bayer, Corteva und Syngenta zu den weltweit größten Anbietern von Agrarlösungen. Neben Pflanzenschutzmitteln umfasst das Portfolio Saatgut, biologische Lösungen und digitale Anwendungen.
Langfristig soll vor allem der Umsatzanteil von Saatgut steigen. Zudem will das Unternehmen in Asien Marktanteile gewinnen. Die eigenständigere Struktur könnte Investitionen und kleinere Übernahmen erleichtern, ohne bei jeder Entscheidung auf die Interessen des gesamten Chemiekonzerns Rücksicht nehmen zu müssen.
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Der Bewertungsabschlag könnte sinken
BASF leidet seit Jahren unter dem typischen Konglomeratsabschlag. Anleger bewerten zyklische Basischemikalien, Spezialchemie, Batteriematerialien und das stabilere Agrargeschäft gemeinsam. Die hohe Qualität einzelner Bereiche geht dadurch teilweise im schwankungsanfälligen Gesamtkonzern unter.
Eine eigenständige Börsennotierung würde erstmals einen sichtbaren Marktpreis für Agricultural Solutions schaffen. Erreicht die Sparte tatsächlich einen Wert von 25 Milliarden €, blieben vom aktuellen Börsenwert rechnerisch nur rund 20 Milliarden € für die übrigen Geschäfte.
Ganz so einfach ist die Rechnung allerdings nicht. Schulden, zentrale Konzernkosten und die genaue Kapitalausstattung der Agrartochter müssen berücksichtigt werden. Zudem verkauft BASF nur eine Minderheit und erhält daher nicht den gesamten ermittelten Unternehmenswert in bar.
Analysten sehen bis zu 64 €
Die DZ Bank bewertet BASF bereits nach dem Sum-of-the-Parts-Ansatz und sieht den fairen Wert bei 64 €. Deutsche Bank nennt 60 €, während das durchschnittliche Analystenziel mit 53,45 € nur leicht über dem Aktienkurs von rund 50 € liegt. JPMorgan bleibt mit 40 € ausgesprochen skeptisch.
Unterstützung liefert die Mindestdividende von 2,25 € je Aktie. Daraus ergibt sich derzeit eine Rendite von rund 4,5%. Der geplante Agrar-IPO könnte BASF zudem Mittel für den Schuldenabbau, Investitionen oder weitere Kapitalrückgaben verschaffen.
ℹ️ BASF in Kürze
- BASF (WKN: BASF11) ist der nach Umsatz größte Chemiekonzern der Welt. Er ist in den sechs Segmenten Chemicals, Materials, Industrial Solutions, Surface Technologies, Nutrition & Care und Agricultural Solutions tätig.
- Neben dem Hauptwerk in Ludwigshafen am Rhein betreibt der Konzern weltweit über 230 Produktionsstandorte in mehr als 90 Ländern.
- Der 1865 gegründete Traditionskonzern ist Mitglied im DAX und aktuell an der Börse mit rund 45,4 Milliarden € bewertet.
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Fazit
Der Agrar-Börsengang besitzt das Potenzial, verborgene Werte bei BASF sichtbar zu machen. Erreicht Agricultural Solutions tatsächlich eine Bewertung von 20 bis 30 Milliarden €, erscheinen Kurse um 60 € realistisch. Bei rund 50 € überwiegt für mich daher die Chance – entscheidend werden nun der Kapitalmarkttag im November und der konkrete Aufbau des IPOs.