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Münchener-Rück-Aktie: KGV 10 – sind 625 € sogar zu wenig?

Kursziele & Aktienrückkäufe
Vincent Uhr
Die Münchener Rück treibt ihr Wachstum im margenstarken Spezialversicherungsgeschäft voran und startet Anfang 2027 in Italien. Gleichzeitig wurden im laufenden Rückkaufprogramm bereits eigene Aktien für rund 1,4 Milliarden € erworben. Bei einem Kurs von 511,40 €, einem erwarteten KGV von gut 10 und einer Dividendenrendite von 4,7% halte ich die Aktie weiterhin für zu günstig.

Italien soll die Abhängigkeit vom Rückversicherungszyklus senken

Munich Re Specialty will künftig italienische Unternehmen direkt versichern. Der neue Standort in Mailand konzentriert sich zunächst auf Bau- und Ingenieursrisiken, Sachversicherungen sowie Kautionsversicherungen. Angesprochen werden kleinere und mittlere Unternehmen sowie größere Mittelständler.

Die Policen werden über die italienische Niederlassung der vollständig zur Münchener Rück gehörenden Great Lakes Insurance angeboten. Italien wird damit zum fünften europäischen Markt der Specialty-Sparte. Zuvor wurde das Geschäft unter anderem in Deutschland und Spanien aufgebaut.

Strategisch kommt die Expansion zum richtigen Zeitpunkt. Bei der Juli-Erneuerungsrunde in der klassischen Schaden- und Unfallrückversicherung gingen die risikoadjustierten Preise um 5,5% zurück. Die Münchener Rück reduzierte ihr gezeichnetes Volumen deshalb bewusst um 9,1%.

Das stärker diversifizierte Erst- und Spezialversicherungsgeschäft eröffnet zusätzliche Wachstumsquellen, ohne schlechtere Preise im Rückversicherungsgeschäft akzeptieren zu müssen. Der Italien-Start wird den Konzerngewinn zunächst kaum bewegen, zeigt aber die Richtung.

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Die Specialty-Sparte verdient bereits gutes Geld

Global Specialty Insurance erzielte im ersten Halbjahr einen Gewinn von 351 Millionen €. Das waren 15,1% mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Schaden-Kosten-Quote verbesserte sich von 87,3 auf 86,3%.

Eine Quote unter 100% bedeutet, dass das Versicherungsgeschäft bereits vor Kapitalanlageerträgen profitabel arbeitet. Für das Gesamtjahr kalkuliert die Münchener Rück konservativer mit etwa 90%. Die Italien-Expansion soll somit kein unkontrolliertes Volumenwachstum liefern, sondern die profitable Specialty-Plattform verbreitern.

Konzernweit erwirtschaftete die Münchener Rück im ersten Halbjahr einen Rekordgewinn von 3,9 Milliarden €. Das Jahresziel von 6,3 Milliarden € wurde trotz der schwächeren Preise im Rückversicherungsgeschäft bestätigt.

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Bereits 1,4 Milliarden € zurückgekauft

Parallel zur Expansion läuft das Aktienrückkaufprogramm weiter. Bis zum 23. September erwarb die Münchener Rück 2,84 Millionen eigene Aktien für insgesamt rund 1,41 Milliarden €. Der durchschnittliche Kaufpreis lag bei knapp 495 € und damit unter dem aktuellen Börsenkurs.

Insgesamt dürfen bis zur Hauptversammlung im April 2027 Aktien für 2,25 Milliarden € zurückgekauft werden. Rund 845 Millionen € stehen damit noch zur Verfügung. Die erworbenen Papiere sollen eingezogen werden. Bislang entspricht der Rückkauf etwa 2,2% des Grundkapitals.

Der Rückkauf ist insbesondere deshalb sinnvoll, weil die Bewertung niedrig ist. Je günstiger eigene Aktien erworben werden, desto stärker steigt der anteilige Gewinn der verbleibenden Aktionäre.

Münchener Rück: Knapp 10% Gewinnrendite

Beim aktuellen Börsenwert von rund 65 Milliarden € und einem erwarteten Jahresgewinn von 6,3 Milliarden € liegt das KGV bei gut 10. Die umgekehrte Gewinnrendite erreicht damit fast 10%.

Hinzu kommt die zuletzt gezahlte Dividende von 24 € je Aktie. Daraus ergibt sich eine Rendite von etwa 4,7%. Gemeinsam mit dem Rückkauf fließen innerhalb eines Jahres rechnerisch mehr als 5 Milliarden € an die Anteilseigner zurück.

Jefferies sieht den fairen Wert bei 600 €, während die DZ Bank sogar 625 € nennt. Das entspricht einem Potenzial von rund 17 beziehungsweise 22%. Selbst bei 625 € läge das KGV auf Basis des aktuellen Gewinnziels nur bei ungefähr 12,5.

ℹ️ Münchener Rück in Kürze

  • Die Münchener Rück (WKN: 843002) ist eine der größten Rückversicherungsgesellschaften weltweit. Neben dem Hauptgeschäft der Rückversicherung betreibt sie über ihre Tochter ERGO auch das Erstversicherungsgeschäft. Außerdem ist das Unternehmen im Asset Management tätig.
  • Der Konzern agiert weltweit, der Hauptsitz befindet sich in München.
  • Die im DAX gelistete Aktie wird an der Börse mit rund 64,7 Milliarden € bewertet.

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Vincent Uhr

Fazit

Sinkende Rückversicherungspreise bleiben ein Risiko. Die Münchener Rück reagiert jedoch richtig: Sie verzichtet auf unrentables Volumen, erweitert das profitable Specialty-Geschäft und kauft gleichzeitig günstig eigene Aktien zurück. Bei einem KGV von gut 10 und fast 5% Dividendenrendite ist die Aktie für mich ein Kauf.