BASF-Aktie: Was könnte eine Übernahme bedeuten?
Mögliche Motive von BASF
BASF ist bereits der größte Chemiekonzern weltweit. Eine Übernahme von Evonik würde die Marktposition weiter ausbauen.
Entscheidend dürfte jedoch weniger die reine Größe sein. Interessanter ist die Frage, welche Geschäfte tatsächlich strategisch zu BASF passen.
Beide Unternehmen befinden sich derzeit in einer tiefgreifenden Transformation und konzentrieren sich zunehmend auf ihre jeweiligen Kerngeschäfte. BASF treibt unter anderem die Trennung von eigenständigen Geschäftsfeldern voran und bereitet den Börsengang von Agricultural Solutions vor.
Bei einer Übernahme müsste BASF deshalb genau prüfen, welche Evonik-Geschäfte das eigene Portfolio sinnvoll ergänzen und welche Bereiche anschließend möglicherweise ebenfalls verkauft oder abgespalten würden.
Ein möglicher strategischer Vorteil könnte in einer stärkeren Positionierung gegenüber Wettbewerbern liegen. Gleichzeitig könnten gemeinsame Strukturen Einsparungen ermöglichen.
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Für BASF wäre die Finanzierung entscheidend
Evonik wird an der Börse derzeit mit etwas etwa 9 Milliarden € bewertet. Für eine vollständige Übernahme müsste BASF allerdings voraussichtlich eine Prämie auf den Börsenwert bezahlen. Damit könnte der Kaufpreis schnell deutlich über 10 Milliarden € steigen.
Das wäre auch für BASF eine große Transaktion. Eine reine Barzahlung würde die finanzielle Belastung deutlich erhöhen. Deshalb wäre auch eine Finanzierung über Aktien denkbar. In einem solchen Szenario könnte beispielsweise die RAG-Stiftung neue BASF-Aktien erhalten und damit selbst zu einem größeren BASF-Aktionär werden.
Ob eine solche Konstruktion überhaupt zur Diskussion steht, ist derzeit offen. Sie zeigt aber, dass neben dem Kaufpreis vor allem die Finanzierung für die BASF-Aktionäre entscheidend sein wird.
Evonik selbst baut weiter um
Parallel zu den Übernahmegesprächen verfolgt Evonik weiterhin seine eigene Restrukturierung.
Das Unternehmen will 3.200 Stellen abbauen, davon rund 2.150 in Deutschland. Zudem sollen Geschäftsbereiche veräußert werden. Für 2027 ist eine zweite Phase des umfangreichen Konzernumbaus vorgesehen.
Das könnte eine mögliche Übernahme für BASF sowohl attraktiver als auch komplizierter machen. Einerseits wird das Unternehmen bereits stärker auf profitable Kernbereiche ausgerichtet. Andererseits muss BASF genau analysieren, welche Geschäftsteile langfristig tatsächlich einen strategischen Mehrwert bieten.
Bewertung
Der Spruch „Wo Rauch ist, ist auch Feuer“ passt inzwischen nur noch teilweise. Es gibt tatsächlich Gespräche – BASF hat diese offiziell bestätigt. Von einer beschlossenen Übernahme ist man aber noch weit entfernt.
Für BASF stellt sich jetzt vor allem die Frage, ob ein Zusammenschluss strategisch und finanziell sinnvoll umgesetzt werden kann.
Aus meiner Sicht passt eine milliardenschwere Übernahme in der jetzigen Phase nur schwer zur aktuellen BASF-Strategie. Der Konzern versucht gerade, sein Portfolio zu fokussieren, Kosten zu senken und die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Eine große Akquisition würde zunächst zusätzliches Kapital binden und könnte erhebliche Integrationskosten verursachen.
Andererseits könnte ein Zusammenschluss bei einem passenden Kaufpreis langfristig Synergien schaffen. Entscheidend wären deshalb der tatsächliche Übernahmepreis, die Finanzierung und die Frage, welche Evonik-Geschäfte BASF dauerhaft übernehmen möchte.
Hinzu kämen regulatorische Prüfungen. Ein Zusammenschluss dieser Größenordnung müsste voraussichtlich wettbewerbsrechtlich in Deutschland und weiteren Ländern geprüft werden.
Ob eine Übernahme stattfindet, hängt wesentlich von der RAG-Stiftung ab. Mit 43% ist sie der größte Anteilseigner bei Evonik.
ℹ️ BASF in Kürze
- BASF (WKN: BASF11) ist der nach Umsatz größte Chemiekonzern der Welt. Er ist in den sechs Segmenten Chemicals, Materials, Industrial Solutions, Surface Technologies, Nutrition & Care und Agricultural Solutions tätig.
- Neben dem Hauptwerk in Ludwigshafen am Rhein betreibt der Konzern weltweit über 230 Produktionsstandorte in mehr als 90 Ländern.
- Der 1865 gegründete Traditionskonzern ist Mitglied im DAX und aktuell an der Börse mit etwa 43,6 Milliarden € bewertet.
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Fazit
Die Bestätigung von Gesprächen bedeutet noch keine beschlossene Übernahme. Die Zukunft wird zeigen, wie die Gespräche weitergehen.
Eine Übernahme könnte Vorteile bringen, aber auch erhebliche Risiken beinhalten. Die Transformation von BASF würde dadurch nicht einfacher.
Aus meiner Sicht macht ein Neueinstieg in die BASF-Aktie unter den jetzigen Bedingungen wenig Sinn. Eine erste Reaktion war am vergangenen Freitag zu sehen. Während die Evonik-Aktie deutlich zulegte, verlor die BASF-Aktie.
Für langfristig orientierte Anleger bleibt die Dividende ein wichtiger Pluspunkt. Die aktuelle Dividendenrendite liegt bei rund 4,4%.
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