Novo Nordisk sichert sich für bis zu 1,165 Milliarden € den Zugriff auf die PharmaShell-Technologie des schwedischen Biotech-Unternehmens Nanexa. Damit könnten Medikamente gegen Adipositas und Diabetes künftig möglicherweise nur noch monatlich oder sogar vierteljährlich gespritzt werden. Die Nanexa-Aktie hat sich infolge der Meldung zeitweise mehr als verdoppelt, während die Novo-Nordisk-Aktie kaum reagiert. Für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der Dänen könnte der Deal dennoch wichtig werden.
Bis zu fünf neue Programme
PharmaShell versieht einzelne Wirkstoffpartikel mit einer extrem dünnen anorganischen Beschichtung. Über deren Stärke und Zusammensetzung lässt sich steuern, wie schnell ein Medikament im Körper freigesetzt wird.
Novo Nordisk will die Technologie bei bestimmten Peptidwirkstoffen gegen Adipositas, Typ-2-Diabetes und weitere Stoffwechselerkrankungen einsetzen. Die Vereinbarung umfasst bis zu fünf Entwicklungsprogramme. Der Pharmakonzern übernimmt die weltweite Entwicklung und eine mögliche Vermarktung.
Die Schlagzeile von 1,165 Milliarden € sollte allerdings richtig eingeordnet werden. Dabei handelt es sich nicht um eine sofortige Zahlung. Ein großer Teil wird erst bei erfolgreichen Entwicklungs-, Zulassungs- und Verkaufsmeilensteinen fällig. Zusätzlich könnte Nanexa niedrige einstellige Lizenzgebühren auf spätere Nettoumsätze erhalten.
Novo kauft sich somit vor allem eine Option: Scheitern die Wirkstoffe frühzeitig, bleibt der finanzielle Schaden begrenzt. Funktioniert die Technologie, könnte der Konzern daraus mehrere lang wirkende Medikamente entwickeln.
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Bequemlichkeit wird zum Wettbewerbsvorteil
Wegovy wird derzeit einmal pro Woche gespritzt. Eine monatliche oder vierteljährliche Verabreichung könnte die Behandlung erheblich vereinfachen. Das wäre besonders bei chronischen Erkrankungen relevant, bei denen Patienten ihre Medikamente über Jahre einnehmen müssen.
Zugleich steigt der Wettbewerbsdruck. Eli Lilly hat Novo Nordisk mit Zepbound bereits Marktanteile abgenommen. Pfizer entwickelt mit PF-3944 ebenfalls eine monatliche Abnehmspritze und strebt seine erste Zulassung im Adipositasmarkt für 2028 an. Der gesamte Markt könnte innerhalb des kommenden Jahrzehnts ein jährliches Volumen von rund 100 Milliarden US$ erreichen.
Die Nanexa-Technologie garantiert Novo allerdings noch keinen Erfolg. Der Wirkstoff muss über den gesamten Zeitraum zuverlässig freigesetzt werden, gut verträglich bleiben und sich industriell in großen Mengen herstellen lassen. Bis zu einer möglichen Zulassung dürften daher noch mehrere Jahre vergehen.
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Novo verfolgt eine Doppelstrategie
Der Nanexa-Deal ergänzt eine weitere Vereinbarung: Nur wenige Tage zuvor hatte Novo Nordisk mit Orbis Medicines eine Kooperation über bis zu 1,4 Milliarden US$ für oral einzunehmende Medikamente gegen Stoffwechselerkrankungen geschlossen.
Die Strategie dahinter ist schlüssig. Einige Patienten bevorzugen Tabletten, andere eine möglichst seltene Injektion. Novo versucht, beide Enden des Marktes abzudecken und seine Abhängigkeit von der wöchentlichen Wegovy-Spritze zu reduzieren.
Das wird mit Blick auf den auslaufenden Patentschutz von Semaglutid immer wichtiger. Bis 2030 will der Konzern mehr als fünf neue Blockbuster auf den Markt bringen. Für 2035 peilt das Management mit neuen Medikamenten einen Umsatz von mehr als 150 Milliarden DKK an.
ℹ️ Novo Nordisk in Kürze
- Novo Nordisk (WKN: A3EU6F) mit Sitz in Bagsværd bei Kopenhagen produziert und vermarktet pharmazeutische Produkte und Dienstleistungen.
- Der Konzern ist der weltweit führende Hersteller von Insulin. Fast jedes dritte Diabetes-Präparat weltweit stammt vom dänischen Pharmakonzern. Außerdem ist Novo Nordisk in den Bereichen Blutgerinnungsmedikamente und Hormonersatztherapien aktiv.
- Darüber hinaus ist Novo Nordisk eines der weltweit führenden Unternehmen in der Herstellung von Adipositas-Medikamenten (Mittel zur Gewichtsabnahme).
- Das Unternehmen wird aktuell mit rund 153 Milliarden € bewertet – inklusive der nicht handelbaren A-Aktien.
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Fazit
Der Nanexa-Deal löst die kurzfristigen Probleme von Novo Nordisk nicht, stärkt aber die langfristige Pipeline. Monatliche oder vierteljährliche Spritzen könnten gegenüber konkurrierenden Präparaten einen echten Vorteil bieten. Angesichts der günstigen Bewertung bleibt die Aktie für mich ein langfristiger Kauf mit erheblichem Turnaround-Potenzial.