Disney-Aktie: 21,49 US$ – wie viele Kunden springen ab?
Disney darf fast 12% der Kunden verlieren
Rein rechnerisch besitzt Disney einen überraschend großen Spielraum. Bei unverändertem Nutzermix könnte der Konzern rund 11,6% der betroffenen Premium-Kunden verlieren, bevor der monatliche Abo-Umsatz unter das bisherige Niveau fällt.
Bezahlten bislang beispielsweise eine Million Kunden jeweils 18,99 US$, ergab das 18,99 Millionen US$ Monatsumsatz. Zum neuen Preis reichen bereits etwa 884.000 Abonnenten aus, um dieselbe Summe einzunehmen.
Für den Gewinn könnte die Rechnung sogar günstiger ausfallen. Viele Kosten für Filme, Serien und die technische Plattform verändern sich kaum, wenn einzelne Kunden kündigen. Jeder zusätzliche Dollar beim Abopreis besitzt daher eine hohe operative Hebelwirkung.
Die Gefahr liegt in einer Abwanderung, die deutlich über 12% hinausgeht. Streaming-Kunden können Angebote leichter kündigen und später zurückkehren als klassische Kabelfernseh-Abonnenten. Nach mehreren Preiserhöhungen in kurzer Folge könnte dieses sogenannte Tarif-Hopping weiter zunehmen.
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Der eigentliche Coup steckt in den Bundles
Disney lässt seinen Kunden allerdings attraktive Ausweichmöglichkeiten. Das werbefinanzierte Disney+-Abo kostet künftig 12,49 US$ monatlich. Noch auffälliger ist die Gestaltung der Pakete: Das werbefreie Bundle aus Disney+ und Hulu kostet regulär 21,99 US$ und damit lediglich 0,50 US$ mehr als Disney+ Premium allein.
Beim werbefinanzierten Paket beträgt der Unterschied ebenfalls nur 0,50 US$. Disney macht den Einzelbezug damit bewusst unattraktiv und lenkt Kunden in seine größeren Produktpakete.
Das kann die Abwanderung reduzieren und gleichzeitig die Nutzungsdauer erhöhen. Wer sowohl Disney+ als auch Hulu verwendet, findet häufiger passende Inhalte und dürfte sein Abonnement seltener pausieren. Wechseln preissensible Kunden lediglich in den Werbetarif, bleiben sie ebenfalls im System und können über Anzeigen monetarisiert werden.
Mal etwas anderes: Gerade in unsicheren Marktphasen können Dividenden-Aktien als Stabilisator dienen. Diese zehn Titel kombinieren defensiven Charakter mit interessanten Kurschancen – eine Kombination, die aktuell selten geworden ist.
Die Preissetzungsmacht zeigt bereits Wirkung
Im dritten Geschäftsquartal stiegen die Streaming-Erlöse um 11%. Die Einnahmen aus Abonnements verbesserten sich sogar um 15%, wobei Disney ausdrücklich sowohl höhere Preise als auch steigende Nutzerzahlen als Gründe nannte.
Der operative Streaming-Gewinn erreichte 712 Millionen US$, die Marge lag bei 13%. Disney erwartet auch für das Gesamtjahr eine zweistellige Streaming-Marge. Noch vor wenigen Jahren verursachte das Geschäft Milliardenverluste.
Damit ist die Strategie bislang aufgegangen: Disney monetarisiert seine bekannten Marken stärker, ohne das Kundenwachstum vollständig abzuwürgen. Allerdings stiegen die Werbeerlöse zuletzt nur um 3%. Ein Wechsel zahlreicher Premium-Kunden in günstigere Tarife wäre daher nicht automatisch gleichwertig.
Konzernweit legte der Umsatz im vergangenen Quartal um 7% auf 25,25 Milliarden US$ zu. Das operative Segmentergebnis wuchs um 21% auf 5,56 Milliarden US$, der bereinigte Gewinn je Aktie sogar um 28%. Für das Geschäftsjahr 2027 stellt Disney weiterhin ein prozentual zweistelliges Gewinnwachstum in Aussicht.
Analysten sehen deutliches Potenzial
Bei einem Aktienkurs von rund 103 US$ liegt das durchschnittliche Analystenziel bei 127,22 US$. Das entspricht einem möglichen Aufwärtspotenzial von ungefähr 23%. Die Schätzungen reichen allerdings von 88 bis 144 US$ und zeigen, wie unterschiedlich die weitere Entwicklung von Streaming, Freizeitparks und ESPN eingeschätzt wird.
ℹ️ Walt Disney in Kürze
- Die Walt Disney Company (WKN 855686) ist ein globales Unternehmen für Familienunterhaltung und Medien, bekannt für Filmproduktionen und die Disneyland-Erlebnisparks.
- Disney ist in fünf Hauptbereichen aktiv: Studio Entertainment, Media Networks, Parks & Resorts, Consumer Products und Interactive. Dazu hat man 2019 die Filmsparte von 21st Century Fox übernommen und den Streamingdienst Disney+ gestartet.
- Walt Disney ist Mitglied in den US-Leitindizes Dow Jones Industrial und S&P 500. Der Börsenwert liegt aktuell bei ca. 178 Milliarden US$.
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Fazit
Disney geht mit der Preiserhöhung ein kalkulierbares Risiko ein. Bleibt die Abwanderung überschaubar oder wechseln Kunden in Bundles und Werbetarife, dürfte das Streaming-Geschäft profitabler werden. Für mich überwiegt daher die Chance – die Aktie bleibt interessant.