Deutsche Telekom

Deutsche Telekom-Aktie -4%: Jetzt bis 40 €?

Konkurrent patzt
Vincent Uhr
Die Deutsche Telekom-Aktie verlor am Freitag -4,2% und schloss bei 27,11 €. Auslöser war allerdings keine schlechte Nachricht aus Bonn, sondern eine Abstufung des französischen Konkurrenten Orange. Der Kursrutsch erscheint deshalb zunächst überzogen: Die Telekom steigert Umsatz, Ergebnis und Cashflow, kauft eigene Aktien für bis zu 5 Milliarden € zurück und erhält von Goldman Sachs ein Kursziel von 40 €.

Die Kritik betrifft vor allem Orange

Morgan Stanley stufte Orange auf „Underweight“ ab und setzte mit 15 € das derzeit niedrigste Kursziel unter den Analysten. Begründet wurde die vorsichtige Einschätzung mit politischer Unsicherheit in Frankreich, einem möglicherweise nachlassenden Gewinnwachstum, zunehmendem Wettbewerb in Spanien und einer steigenden Verschuldung.

Diese Risiken lassen sich nicht ohne Weiteres auf die Deutsche Telekom übertragen. Dennoch gingen Anleger im gesamten europäischen Telekomsektor zu Gewinnmitnahmen über, nachdem der Branchenindex am Vortag den höchsten Stand seit Ende Juni erreicht hatte. Neben der Telekom verloren auch BT und Vodafone zeitweise jeweils rund 3%.

Für die Deutsche Telekom gab es weder eine Abstufung noch eine Gewinnwarnung. Der Rückgang ist daher vor allem eine Branchenreaktion. Der Markt erinnerte sich allerdings daran, dass Telekomkonzerne trotz relativ stabiler Einnahmen kapitalintensiv, hoch verschuldet und empfindlich gegenüber steigenden Zinsen bleiben.

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Cashflow und Rückkäufe sprechen dagegen

Operativ befindet sich die Deutsche Telekom weiterhin auf Wachstumskurs. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal von 28,67 auf 29,93 Milliarden €, während die besonders wichtigen Service-Erlöse um 4,8% auf 25,41 Milliarden € zulegten.

Das bereinigte EBITDA nach Leasingkosten erhöhte sich von 11 auf 11,82 Milliarden € und übertraf damit die Erwartungen. Der freie Cashflow nach Leasingkosten stieg im ersten Halbjahr um rund 200 Millionen auf 10,7 Milliarden €. Lediglich der Nettogewinn ging leicht von 2,62 auf 2,45 Milliarden € zurück.

Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern weiterhin ein bereinigtes EBITDA nach Leasingkosten von rund 47,5 Milliarden € und ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von etwa 2,20 €. Die Prognose für den freien Cashflow wurde zuletzt von mehr als 19,8 auf rund 20 Milliarden € angehoben.

Besonders überzeugend ist die Kapitalrückgabe. Die Telekom erhöhte das Aktienrückkaufprogramm für 2026 überraschend von 2 auf bis zu 5 Milliarden €. Zusätzlich wurden zuletzt 1 € je Aktie als Dividende ausgeschüttet. Beim aktuellen Kurs entspricht das einer Dividendenrendite von ungefähr 3,7%.

Goldman Sachs sieht 40 €

Goldman Sachs zählt die Deutsche Telekom weiterhin zu den bevorzugten europäischen Telekomwerten und nennt ein Kursziel von 40 €. Ausgehend von 27,11 € verspricht das fast +48% Potenzial. Die Analysten erwarten, dass T-Mobile US im kommenden Jahr rund 80% des freien Cashflows des Gesamtkonzerns erwirtschaftet.

Damit bleibt die US-Tochter zugleich größte Stärke und wichtigstes Risiko. Ihre Marktposition, wachsenden Service-Erlöse und hohen Mittelzuflüsse finanzieren Rückkäufe, Dividenden sowie Investitionen in deutsche Glasfasernetze. Ein stärkerer Wettbewerb in den USA, ein fallender Dollar oder eine schwächere T-Mobile-US-Aktie würden jedoch auch die Bewertung der Muttergesellschaft belasten.

Goldman Sachs erwartet für europäische Telekomkonzerne zwischen 2026 und 2030 durchschnittlich 14% Cashflow-Wachstum pro Jahr. Für die Deutsche Telekom erscheint diese Prognose nur erreichbar, wenn T-Mobile US weiter liefert und die kostspieligen Investitionen in Glasfaser, Cloud und KI zunehmend Erträge abwerfen.

ℹ️ Deutsche Telekom in Kürze

  • Die Deutsche Telekom (WKN: 555750) gehört zu den weltweit führenden Konzernen für Telekommunikations- und Informationstechnologie. Die Leistungen sind sehr breit gefächert, von der Breitbanktelefonie, Mobilfunk sowie TV oder komplexe ICT-Lösungen bietet der Konzern alles aus einer Hand an.
  • Das Unternehmen mit Hauptsitz in Bonn ist weltweit in 50 Ländern tätig. Mit der Tochter T-Mobile US gehört es zu den führenden Telekommunikationsanbietern in den USA.
  • Die Marktkapitalisierung der im DAX gelisteten Aktie beträgt rund 132 Milliarden €.

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Vincent Uhr

Fazit

Die Orange-Abstufung liefert keinen fundamentalen Grund, auch die Deutsche Telekom neu zu bewerten. Nach dem Rückgang auf rund 27 € erscheinen Bewertung, Dividendenrendite und das aufgestockte Rückkaufprogramm attraktiv. Das Kursziel von 40 € ist ambitioniert, aber bei anhaltendem Wachstum von T-Mobile US keineswegs unrealistisch – den Rücksetzer halte ich daher eher für eine Kaufchance.