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VW-Aktie: 100.000 Jobs auf der Kippe – trotzdem ein Kauf?

Einsparungen im Fokus
Vincent Uhr
Volkswagens Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo fordert von den deutschen Autoherstellern verbindliche Beschäftigungsgarantien. Die Unternehmen könnten nicht bessere politische Rahmenbedingungen verlangen und gleichzeitig offenlassen, ob Arbeitsplätze anschließend tatsächlich in Deutschland erhalten bleiben. Für die VW-Aktie entsteht daraus ein schwieriger Zielkonflikt: Der Konzern braucht Planungssicherheit, darf seine ohnehin niedrige Profitabilität aber nicht durch zu starre Zusagen belasten.

Der Jobabbau erreicht eine neue Dimension

Nach den aktuellen Umbauplänen stehen bei Volkswagen weltweit bis zu 100.000 Arbeitsplätze zur Diskussion. Rund 50.000 Stellen sollen in Deutschland entfallen, weitere 50.000 im übrigen Konzern. Ein erheblicher Teil könnte über Altersteilzeit, natürliche Fluktuation und freiwillige Programme abgebaut werden.

Besonders unsicher ist die Zukunft der Werke in Emden, Hannover und Zwickau sowie des Audi-Standorts Neckarsulm. Volkswagen besitzt in Europa weiterhin Kapazitäten für ungefähr 500.000 Fahrzeuge mehr, als der Konzern derzeit verkaufen kann. Eine pauschale Beschäftigungsgarantie würde dieses strukturelle Problem nicht lösen.

Die Arbeitnehmerseite hat Volkswagen bereits weitreichende Zugeständnisse gemacht. Beschäftigte verzichteten unter anderem auf Lohnbestandteile, während frühere Vereinbarungen Investitionen und Arbeitsplätze absichern sollten. Dass nun deutlich weitergehende Kürzungen diskutiert werden, erklärt den wachsenden Widerstand des Betriebsrats.

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Die Gewinne lassen wenig Spielraum

Die wirtschaftlichen Zahlen stützen den Sanierungsdruck. Volkswagen verkaufte im ersten Halbjahr knapp 4 Millionen Fahrzeuge und damit -8,4% weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stagnierte bei 158,1 Milliarden €, während der operative Gewinn um -11,6% auf 5,93 Milliarden € zurückging.

Die operative Marge sank von 4,2 auf 3,8%. Nach Steuern verdiente Volkswagen nur noch 3,1 Milliarden € und damit fast -31% weniger als ein Jahr zuvor. Vor allem das schwache China-Geschäft, US-Zölle und hohe Kosten an den europäischen Standorten belasten.

Ein Lichtblick ist der Mittelzufluss. Der Netto-Cashflow der Autosparte verbesserte sich von -1,35 auf +3,17 Milliarden €. Auch die Kernmarkengruppe erhöhte ihre operative Marge leicht auf 4,9%. Das reicht jedoch nicht aus, um auf weitere Einsparungen verzichten zu können.

Handelsbarrieren lösen das Grundproblem nicht

Cavallo fordert zusätzliche Zölle auf chinesische Plug-in-Hybride sowie strengere Vorgaben für einen europäischen Produktionsanteil. Vizekanzler Lars Klingbeil signalisiert dafür Unterstützung. Solche Maßnahmen könnten den Preisdruck kurzfristig verringern und die Auslastung europäischer Werke verbessern.

Sie ersetzen jedoch keine wettbewerbsfähigen Produkte und Kostenstrukturen. Höhere Zölle könnten zudem Gegenmaßnahmen Chinas provozieren und damit ausgerechnet Volkswagen treffen, das weiterhin stark vom chinesischen Markt abhängt. Auch verpflichtende lokale Produktion verteuert Fahrzeuge möglicherweise zusätzlich.

An der Börse wird Volkswagen bei rund 80 € inzwischen ausgesprochen vorsichtig bewertet. Berenberg bestätigt die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 100 €, während Bernstein bei „Market Perform“ bleibt. Die niedrige Bewertung bietet Potenzial, spiegelt aber die politischen Konflikte, den Kapitalbedarf und die geringe Marge wider.

ℹ️ Volkswagen in Kürze

  • Die Volkswagen AG (WKN: 766403) mit Sitz in Wolfsburg ist der nach Umsatz größte und nach Absatz zweitgrößte Fahrzeughersteller der Welt. Zusätzlich zur Kernmarke Volkswagen ist die VW AG auch Muttergesellschaft zahlreicher weiterer Autohersteller, darunter Audi, Lamborghini, Porsche, Seat und Skoda.
  • Neben dem Pkw-Bereich gehört auch der Geschäftsbereich Nutzfahrzeuge mit den Unternehmen MAN und Scania zum VW-Konzern. Zudem bietet der Konzern zahlreiche Finanzdienstleistungen an, darunter Finanzierungen und Versicherungen.
  • Volkswagen ist Mitglied im deutschen Leitindex DAX und im europäischen Leitindex EuroStoxx 50 und aktuell ca. 44,6 Milliarden € wert.

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Vincent Uhr

Fazit

Beschäftigungsgarantien wären nur dann sinnvoll, wenn sie an klare Produktivitäts- und Investitionsziele gekoppelt werden. Volkswagen muss deutsche Standorte sichern, darf dafür aber nicht dauerhaft unrentable Kapazitäten konservieren. Die VW-Aktie bleibt eine günstige Turnaround-Wette – für einen überzeugenden Kauf müssten sich zunächst die Margen sichtbar erholen.