Die Wall Street hat sich am Donnerstag merklich erholt. Nach dem schwachen Vortag, an dem die Fed ihre erste Zinserhöhung seit drei Jahren verkündet hatte, kehrte die Kauflaune zurück. Der Dow Jones Industrial stieg gut eine halbe Stunde nach Handelsbeginn um 0,30 Prozent auf 51.615 Punkte, der S&P 500 kletterte um 0,84 Prozent auf 7.615 Punkte. Besonders stark zeigte sich der Nasdaq 100, der 1,46 Prozent auf 29.367 Punkte zulegte.
Fallende Ölpreise als Rückenwind
Ein wichtiger Treiber war die Beruhigung am Ölmarkt. Die Anleger setzen darauf, dass eine beschädigte Pipeline in Saudi-Arabien bald wieder in Betrieb gehen könnte. Anlagestratege Haris Khurshid vom Hedgefonds Karobaar Capital bremste diese Hoffnung allerdings: Auch wenn die Kapazität zurückgewönne, gebe es kaum Puffer für unvorhergesehene Ausfälle. Ein echtes Entspannungssignal ist das also noch nicht.
Fed-Chef Warsh punktet mit Entschlossenheit
Der eigentliche Sinneswandel vollzog sich in der Nachbetrachtung des Zinsentscheids. Die Botschaft von Fed-Chef Kevin Warsh, die Inflation entschlossen zu bekämpfen und dabei politisch unabhängig zu bleiben, kam gut an. Chefökonom Michael Heise von HQ Trust brachte es auf den Punkt: Die Fed verteidige ihre Glaubwürdigkeit. Meiner Meinung nach ist genau das der Punkt, auf den es ankommt. Märkte brauchen keine perfekten Bedingungen, sie brauchen Verlässlichkeit.
Die Strategen der UBS sehen keine Gefahr, dass die Märkte durch weitere Zinsschritte aus dem Tritt geraten. Mindestens eine weitere Erhöhung gelte zwar als wahrscheinlich, doch sei davon schon viel eingepreist. Wirtschaftliche Stärke und solide Unternehmensgewinne machten steigende Zinsen leichter verkraftbar.
KI-Halbleiter und ein 8-Milliarden-Deal
Gefragt waren einmal mehr die Halbleiterwerte. Arm, Intel und Micron Technology führten die Gewinnerliste im Nasdaq 100 an, mit Kursgewinnen von bis zu 7,4 Prozent. Nvidia legte 2,4 Prozent zu, On Semiconductor erholte sich um 3,1 Prozent von den Verlusten des Vortags.
Das Highlight des Tages lieferte Generac. Die Aktie sprang um mehr als 20 Prozent nach oben, nachdem bekannt wurde, dass der Energietechnologie-Spezialist Generatoren im Wert von 8 Milliarden US$ an Amazon liefert. Die Generatoren sind für Rechenzentren des Onlineriesen vorgesehen. Amazon hält sich zudem eine Beteiligungsoption an Generac offen. Amazon-Titel stiegen im Zuge dessen um 1,6 Prozent.
Was bedeutet das für Anleger
Der heutige Handelstag dürfte ein Zeichen dafür sein, dass der Markt die Fed-Entscheidung verdaut hat und den Blick wieder nach vorne richtet. Gewinnerwartungen würden nun zum wichtigsten Kurstreiber werden, so die einhellige Einschätzung der Experten. Halbleiterwerte mit KI-Bezug blieben dabei besonders gefragt und könnten ihren Aufwärtstrend weiter fortsetzen. Der Generac-Deal mit Amazon zeige, wie stark der Kapitalbedarf rund um Rechenzentren und KI-Infrastruktur inzwischen geworden sei. Aktien aus diesem Umfeld dürften strukturell weiter Rückenwind bekommen.
Quelle: dpa-AFX
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