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Dassault Aviation: Diese Aktie fliegt hierzulande unter dem Radar

Milliarden im Auftragsbuch
Redaktion
Die Aktie des französischen Geschäfts- und Kampfflugzeugherstellers Dassault Aviation liegt trotz eines starken operativen Geschäfts mehr als 20 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Der Kursrückgang spiegelt vor allem die Abkühlung europäischer Verteidigungswerte wider, während der Rafale-Hersteller weiterhin von einem außergewöhnlich hohen Auftragsbestand profitiert. Wir verraten, warum der Titel insgesamt klar kaufenswert ist.

Milliardenaufträge sorgen für hohe Visibilität

Dassault Aviation steigerte den Umsatz im ersten Halbjahr um 46 Prozent auf 4,157 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legte um 83 Prozent auf 330 Millionen Euro zu. Ausgeliefert wurden zwölf Rafale und 13 Falcon, während sich die Falcon-Bestellungen auf 23 Flugzeuge verdreifachten.

Ende Juni belief sich der Auftragsbestand auf 45,359 Milliarden Euro und umfasste 291 Flugzeuge, darunter 208 Rafale. Rund 80 Prozent des Wertes entfielen auf internationale Kunden. Besonders wichtig ist die Qualität des Auftragsbuchs: Es besteht ausschließlich aus unterzeichneten Verträgen und enthält weder Optionen noch Absichtserklärungen.

Beim Auftragseingang zeigt sich allerdings ein anderes Bild. Im ersten Halbjahr wurden Bestellungen über 2,878 Milliarden Euro verbucht, entsprechend einem Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz von 0,69. Nach 10,9 Milliarden Euro Auftragseingang im Jahr 2025 ist das ein Rückgang, der angesichts der schwankenden Großaufträge im Kampfflugzeuggeschäft jedoch zunächst noch kein strukturelles Problem darstellen muss.

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Hohe Liquidität muss genauer betrachtet werden

Auf den ersten Blick erscheint Dassault extrem günstig. Ende Juni verfügte das Unternehmen über mehr als 10 Milliarden Euro an verfügbaren Mitteln bei lediglich 201 Millionen Euro Finanzschulden. Hinzu kommt die 26,59-prozentige Beteiligung an Thales, die Anfang September rund 12,8 Milliarden Euro wert war.

Zusammen übersteigen Beteiligung und Liquidität damit die damalige Marktkapitalisierung von rund 21,5 Milliarden Euro. Die gesamte Luftfahrtaktivität scheint auf dieser Basis beinahe kostenlos bewertet.

Diese Rechnung berücksichtigt jedoch nicht die Herkunft eines großen Teils der Liquidität. Kunden hatten bereits 23,6 Milliarden Euro an Vorauszahlungen und Anzahlungen geleistet. Gleichzeitig hatte Dassault 8,7 Milliarden Euro an Lieferanten vorausbezahlt und weitere 8,2 Milliarden Euro in Vorräten gebunden.

Daraus ergibt sich eine deutlich realistischere Einschätzung der frei verfügbaren Liquidität. Rund 3,4 Milliarden Euro können als eigene Mittel betrachtet werden, während ein erheblicher Teil der Kasse wirtschaftlich mit bereits bestellten Flugzeugen verbunden ist.

Auf dieser Grundlage verbleiben nach Abzug der Thales-Beteiligung und der eigenen Liquidität rund 5,4 Milliarden Euro für das operative Luftfahrtgeschäft. Die Kerngewinne von 2025 lagen bei etwa 527 Millionen Euro, wobei nach Bereinigung der Zinserträge rund 422 Millionen Euro verbleiben. Damit wird das eigentliche Geschäft ungefähr mit dem 13-Fachen der bereinigten Gewinne bewertet.

Indien könnte den Rafale-Auftragsbestand deutlich erhöhen

Das größte mögliche Zusatzgeschäft ist derzeit nicht im Auftragsbestand enthalten. Indien hat die Beschaffung von 114 Rafale grundsätzlich freigegeben und die Verhandlungen eingeleitet. Dassault rechnet mit einem Vertragsabschluss bis Jahresende.

Der Zeitplan sollte jedoch mit Vorsicht betrachtet werden. Ein früheres indisches Programm über 126 Kampfflugzeuge scheiterte nach jahrelangen Verhandlungen. Am Ende kaufte Indien lediglich 36 Rafale.

Auch die Ukraine hat Interesse. Frankreich und die Ukraine vereinbarten im Juli eine mögliche Beschaffung von 16 Rafale. Ein verbindlicher Vertrag und eine gesicherte Finanzierung liegen bislang jedoch nicht vor.

Frankreich bleibt ein wichtiger Faktor

Auch in Frankreich stehen für Dassault wichtige Entscheidungen an. Das gemeinsame europäische FCAS-Kampfflugzeugprojekt mit Deutschland geriet ins Stocken, während Dassault parallel an einer nationalen Alternative arbeitet.

Unabhängig vom Ausgang dieser Diskussion investiert Frankreich weiter in die Rafale-Version F5. Der französische Verteidigungshaushalt sieht für 2026 Zahlungsermächtigungen von 66,5 Milliarden Euro vor. Damit bleibt der Heimatmarkt ein wichtiger Bestandteil der langfristigen Perspektive.

Risiken liegen beim Auftragseingang und Produktion

Die größte Gefahr für die Investmentthese wäre eine länger anhaltende Schwäche beim Auftragseingang. Wenn das Verhältnis von neuen Aufträgen zu Auslieferungen dauerhaft unter eins bleibt, könnten die hohen Vorauszahlungen schrittweise abgebaut werden und die Liquidität sinken.

Auch die Produktion selbst bleibt ein Risiko. Für das Gesamtjahr erwartet Dassault 28 Rafale und 40 Falcon. Nach zwölf Rafale und 13 Falcon im ersten Halbjahr müssen in der zweiten Jahreshälfte entsprechend 16 Rafale und 27 Falcon ausgeliefert werden. Gleichzeitig hat das Management Verzögerungen bei einigen Zulieferern eingeräumt.

Weitere Unsicherheiten ergeben sich aus der französischen Haushaltspolitik, vertraglichen Risiken und möglichen US-Zöllen auf das Falcon-Geschäft. Der Halbjahresbericht weist zudem Rückstellungen von 723 Millionen Euro für weitere vertragliche Risiken aus.

Faire Bewertung mit deutlichem Upside

Auf Basis eines Thales-Werts von 12,8 Milliarden Euro und rund 3,4 Milliarden Euro eigener Liquidität wird das operative Geschäft mit etwa 5,4 Milliarden Euro bewertet. Bei bereinigten Kernerträgen von rund 422 Millionen Euro entspricht dies einer Bewertung von ungefähr dem 13-Fachen des Gewinns.

Bei einer angenommenen Gewinnrendite von sechs Prozent ergibt sich für das operative Geschäft ein Wert von rund sieben Milliarden Euro. Zusammen mit Thales und der bereinigten Liquidität ergibt sich ein Gesamtwert von etwa 23,2 Milliarden Euro beziehungsweise knapp 300 Euro je Aktie, also etwas oberhalb der gegenwärtigen Kurse.

Nicht berücksichtigt in der Bewertung sind mögliche aus zum Beispiel Indien und der Ukraine. Zusätzlich bietet die Aktie eine Dividendenrendite von etwa 1,7 Prozent.

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Redaktion

Fazit

Die hierzulande wenig bekannte Dassault Aviation verfügt über einen außergewöhnlich gut gefüllten und vertraglich abgesicherten Auftragsbestand, während die Aktie trotz der starken operativen Entwicklung deutlich unter ihrem Jahreshoch notiert. Entscheidend bleiben nun der weitere Rafale-Auftragseingang, die Auslieferungen und die Frage, wie nachhaltig die hohe Liquidität tatsächlich zur Verfügung steht und wie sie eingesetzt wird. Insgesamt halten wir die Dassault-Aktie zu Kursen unter 300 Euro für attraktiv.

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