SAP-Aktie: 4 kritische Lücken – kippt jetzt die Cloud-Story?
Angreifer könnten ganze Systeme übernehmen
Besonders gefährlich ist eine Speicherlücke in der Verarbeitung sogenannter Extended Passports. Ein nicht authentifizierter Angreifer könnte manipulierte Netzwerkanfragen senden und dadurch im schlimmsten Fall Betriebssystembefehle mit SAP-Administratorrechten ausführen.
Die Schwachstelle betrifft verschiedene SAP-Kernel-Versionen und den Web Dispatcher. Sicherheitsexperten warnen deshalb vor einer möglichen vollständigen Kompromittierung der zugrunde liegenden Geschäftsdaten und Prozesse. SAP fordert seine Kunden auf, die bereitgestellten Aktualisierungen mit hoher Priorität einzuspielen.
Eine zweite Lücke mit einem Risikowert von 9,8 betrifft den Message Server von SAP NetWeaver. Angreifer könnten sich ohne ausreichende Authentifizierung als interne Anwendungskomponente registrieren. Betroffen sind laut Onapsis sämtliche S/4HANA-2025-Systeme sowie frühere Installationen, die bereits auf einen modernen Kernel umgestellt wurden.
Auch die Cloud bleibt nicht verschont. Eine Schwachstelle in mehrmandantenfähigen Anwendungen des SAP Cloud Application Programming Model kann Anmeldedaten offenlegen. Diese könnten anschließend genutzt werden, um Daten einzelner Kunden zu verändern oder zu löschen.
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Die Cloud ist Risiko und Lösung zugleich
Die Sicherheitsprobleme zeigen, dass eine Verlagerung in die Cloud Cyberrisiken nicht automatisch beseitigt. SAP verwaltet zwar die grundlegende Infrastruktur, doch Kunden und Entwicklungspartner bleiben teilweise für individuelle Erweiterungen, Bibliotheken und Anwendungscode verantwortlich.
Gleichzeitig besitzt das Cloud-Modell einen wichtigen Vorteil: SAP kann Aktualisierungen auf standardisierten Plattformen wesentlich schneller und zentraler verteilen als bei Tausenden individuell betriebenen On-Premise-Systemen. Gerade stark angepasste lokale Installationen werden häufig verspätet aktualisiert, weil Unternehmen zunächst mögliche Auswirkungen auf ihre Geschäftsprozesse prüfen müssen.
Bislang gibt es keine Hinweise darauf, dass die aktuellen Schwachstellen zu einem größeren Datenabfluss bei SAP-Kunden geführt haben. Die Veröffentlichung der Lücken ist daher noch kein finanzieller Schadensfall. Entscheidend wird sein, wie schnell SAP und seine Kunden die bereitgestellten Korrekturen tatsächlich umsetzen.
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Die operative Cloud-Story bleibt intakt
SAP steigerte seinen aktuellen Cloud-Auftragsbestand im zweiten Quartal um 27% auf 22,93 Milliarden €. Die Cloud-Erlöse legten um 22% auf 6,28 Milliarden € zu, während die Umsätze der besonders wichtigen Cloud ERP Suite um 25% wuchsen.
Auch der freie Cashflow erhöhte sich um 27% auf 3 Milliarden €. Für das Gesamtjahr erwartet SAP weiterhin ein Cloud-Wachstum von 23 bis 25% und einen freien Cashflow von rund 10 Milliarden €. Eine erkennbare Abwanderung von Kunden oder eine Anpassung der Prognose aufgrund der Sicherheitslücken gibt es bislang nicht.
Dennoch berührt das Thema den Kern der Investmentthese. SAP verlangt von seinen Kunden, geschäftskritische Daten und Prozesse in die Cloud zu verlagern. Häufen sich schwere Sicherheitsvorfälle oder reagiert der Konzern zu langsam, könnte dies Migrationen verzögern und das Vertrauen in die Plattform schwächen.
ℹ️ SAP in Kürze
- Die SAP SE (WKN: 716460) gehört weltweit zu den führenden Softwareunternehmen im Bereich Unternehmenssoftware. Der Konzern bietet Lösungen für Geschäftsprozesse, Datenmanagement und Cloud-Anwendungen für Unternehmen jeder Größe.
- Der Hauptsitz befindet sich in Walldorf (Deutschland). SAP ist weltweit tätig und verfügt über zahlreiche Standorte und Kunden in nahezu allen Branchen.
- Die Aktie ist im DAX und Euro Stoxx 50 gelistet und zählt mit einer Marktkapitalisierung von rund 228 Milliarden € zu den wertvollsten börsennotierten Unternehmen Europas.
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Fazit
Die Schwachstellen sind ernst, aber angesichts der schnellen Veröffentlichung von Patches noch kein Grund, die SAP-Aktie zu verkaufen. Solange keine größeren Kundenschäden bekannt werden und das Cloud-Wachstum stabil bleibt, sehe ich die operative Wachstumsstory nicht gefährdet – Neueinsteiger sollten die Aktie dennoch eher gestaffelt kaufen.