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Novo-Nordisk-Aktie: KGV 11 – jetzt muss der große Kehraus kommen!

Turnaround in Vorbereitung?
Vincent Uhr
Novo Nordisk beendet nach enttäuschenden Studiendaten zwei weitere Phase-3-Programme mit dem Herzmedikament Ziltivekimab. Der Rückschlag beschädigt die Hoffnung, das Geschäft schneller über Diabetes und Adipositas hinaus auszubauen. Für mich folgt daraus jedoch nicht, die Novo-Nordisk-Aktie abzuschreiben. Das neue Management sollte jetzt konsequent aufräumen, schwache Projekte aussortieren und das Kapital auf die aussichtsreichsten Wirkstoffe konzentrieren. Bei einem KGV von rund 11 bietet die Aktie erhebliches Turnaround-Potenzial.

Ein teurer Zukauf wird zum Fehlschlag

Novo Nordisk übernahm Corvidia Therapeutics 2020 für eine Vorauszahlung von 725 Millionen US$. Einschließlich möglicher Meilensteine hätte der Kaufpreis auf bis zu 2,1 Milliarden US$ steigen können. Wichtigster Vermögenswert war Ziltivekimab, ein Wirkstoff gegen entzündungsbedingte Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Nachdem die große ZEUS-Studie ihr primäres Ziel verfehlte, zieht Novo Nordisk nun auch bei ARTEMIS und HERMES die Reißleine. Ein unabhängiges Kontrollgremium sah nur geringe Chancen, dass die beiden Untersuchungen zu einem anderen Ergebnis kommen. Lediglich eine weitere Studie mit Patienten nach einem Herzinfarkt läuft vorerst weiter.

Das ist schmerzhaft, aber folgerichtig. Bereits im zweiten Quartal schrieb Novo Nordisk immaterielle Pipelinewerte um 6,3 Milliarden DKK ab, davon 4 Milliarden DKK auf den Adipositas-Wirkstoff Monlunabant. Weitere Altlasten könnten folgen. Einen schwachen Kandidaten nur wegen bereits investierter Millionen weiterzuentwickeln, wäre jedoch die teurere Entscheidung.

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Novo Nordisk muss sich kleiner und schneller machen

Der seit 2025 amtierende Vorstandschef Mike Doustdar hat bereits einen Umbau eingeleitet. Rund 9.000 Stellen sollen entfallen und ab Ende 2026 jährlich etwa 8 Milliarden DKK eingespart werden. Gleichzeitig will das Management Entscheidungen beschleunigen und Forschungsausgaben stärker auf Diabetes, Adipositas und ausgewählte angrenzende Krankheiten konzentrieren.

Der Kapitalmarkttag am 21. September bietet die Gelegenheit, diesen Kurs zu konkretisieren. Novo Nordisk sollte die Pipeline bereinigen, klare Prioritäten setzen und offenlegen, welche Projekte künftig tatsächlich relevante Umsätze erzielen können. Weitere Übernahmen um jeden Preis wären dagegen das falsche Signal.

Das Kerngeschäft benötigt keine Rettung. Im zweiten Quartal stiegen die bereinigten Erlöse währungsbereinigt um +7% auf 78,5 Milliarden DKK. Der bereinigte operative Gewinn verbesserte sich um +11% auf 33,4 Milliarden DKK. Novo Nordisk erhöhte daraufhin seine Prognose und erwartet für 2026 nun bei Umsatz und operativem Gewinn einen Rückgang zwischen 0 und -6%.

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KGV 11 signalisiert kaum noch Wachstum

Besonders interessant ist die Bewertung. Die Novo-Nordisk-Aktie wird derzeit lediglich mit dem rund 11-Fachen des erwarteten Gewinns gehandelt. Hinzu kommt eine Dividendenrendite von etwa 3,9%. Für ein Unternehmen mit führenden Positionen im wachsenden Diabetes- und Adipositasmarkt ist das ausgesprochen günstig.

Der Markt preist damit einen länger anhaltenden Ergebnisrückgang ein. Dabei verzeichnet die Wegovy-Pille in den USA inzwischen mehr als 265.000 wöchentliche Verschreibungen. Seit der Einführung wurden bereits über 5 Millionen Rezepte ausgestellt. Auch die höher dosierte Wegovy-Spritze und die europäischen Produkteinführungen können neue Wachstumsimpulse liefern.

ℹ️ Novo Nordisk in Kürze

  • Novo Nordisk (WKN: A3EU6F) mit Sitz in Bagsværd bei Kopenhagen produziert und vermarktet pharmazeutische Produkte und Dienstleistungen.
  • Der Konzern ist der weltweit führende Hersteller von Insulin. Fast jedes dritte Diabetes-Präparat weltweit stammt vom dänischen Pharmakonzern. Außerdem ist Novo Nordisk in den Bereichen Blutgerinnungsmedikamente und Hormonersatztherapien aktiv.
  • Darüber hinaus ist Novo Nordisk eines der weltweit führenden Unternehmen in der Herstellung von Adipositas-Medikamenten (Mittel zur Gewichtsabnahme).
  • Das Unternehmen wird aktuell mit rund 171 Milliarden € bewertet – inklusive der nicht handelbaren A-Aktien.

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Vincent Uhr

Fazit

Der Ziltivekimab-Rückschlag bestätigt, dass Novo Nordisk einen konsequenten Neuanfang benötigt. Genau jetzt sollte das Management groß Reine machen. Bei einem KGV von 11 und fast 4% Dividendenrendite ist viel Pessimismus eingepreist. Für mich ist die Novo-Nordisk-Aktie deshalb trotz der Risiken ein langfristiger Kauf mit erheblichem Turnaround-Potenzial.