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Volkswagen-Aktie: Schwache Phase wird zum Härtetest

Weiter festgefahren
Bei Volkswagen will die Aktie einfach nicht richtig vom Fleck kommen. Gestern ging es wieder -3,76% nach unten, heute bewegt sich der Kurs um 74 €. Damit steckt die Aktie weiter in der engen Seitwärtsphase der vergangenen Wochen. Gleichzeitig wird es hinter den Kulissen unruhiger, bei Volkswagen steht ein großer Umbau zur Diskussion.

Raus aus dem Euro Stoxx 50 – und neuer Ärger im Konzern

Für den gestrigen Rücksetzer gab es erst einmal einen ziemlich handfesten Grund. Volkswagen fliegt aus dem Euro Stoxx 50 und wird dort durch Nokia ersetzt. Die Aktie verlor daraufhin -3,76% und schloss bei 73,70 €. Solche Indexänderungen können zusätzlichen Verkaufsdruck bringen, weil Fonds und ETFs ihre Positionen entsprechend anpassen müssen.

Dazu kommt allerdings ein deutlich größeres Thema. Volkswagen arbeitet weiter an einem tiefgreifenden Konzernumbau. Am Freitag soll der Aufsichtsrat über neue Sparmaßnahmen beraten. Im Raum stehen deutlich mehr Stellenstreichungen, mögliche Werksschließungen und eine stärkere Trennung einzelner Geschäftsbereiche. Arbeitnehmervertreter und das Land Niedersachsen stellen sich bislang gegen Teile der Pläne.

Der Druck ist nachvollziehbar. Volkswagen verliert in China seit Jahren Boden und kämpft gleichzeitig mit hohen Kosten in Deutschland. Laut Reuters könnte die Zahl der geplanten Stellenstreichungen sogar deutlich über die bisher vereinbarten 35.000 Jobs hinausgehen. Ganz untätig ist Volkswagen in China aber nicht. Audi hat heute gemeinsam mit SAIC ein neues Innovationszentrum für die China-exklusive AUDI-Marke angekündigt. Damit sollen neue Modelle stärker direkt für den chinesischen Markt entwickelt werden.

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Die Zahlen erklären die schwache Stimmung

Auch fundamental ist die Lage momentan eher durchwachsen. Im ersten Halbjahr setzte Volkswagen 158,1 Milliarden € um und damit praktisch genauso viel wie im Vorjahr. Beim operativen Ergebnis ging es dagegen um 11,6% auf 5,9 Milliarden € nach unten. Der Fahrzeugabsatz fiel sogar um 8,4% auf knapp 4 Millionen Autos.

Immerhin läuft nicht alles schlecht. Die Volumenmarken rund um Volkswagen, Škoda, Seat und Cupra steigerten ihren operativen Gewinn im ersten Halbjahr um 4,5% auf 3,61 Milliarden €. Auch die Marge verbesserte sich leicht auf 4,9%.

Trotzdem musste Volkswagen seine Umsatzprognose für 2026 bereits zurücknehmen. Statt eines Wachstums von bis zu 3% erwartet der Konzern inzwischen eine Entwicklung zwischen -3% und 0%. Die operative Marge soll weiterhin zwischen 4,0 und 5,5% liegen.

Im Chart hängt Volkswagen weiter fest

Auch im Chart hat sich in den vergangenen Wochen wenig getan. Seit dem heftigen Absturz Ende Juni steckt die Aktie in einer schwachen Konsolidierung fest. Auf kleinere Erholungen folgen immer wieder Rücksetzer, gestern mit den -3,76% wieder ziemlich deutlich.

Die Handelsspanne bleibt dabei eng. Solange Volkswagen hier nicht nach oben rauskommt und wieder eine Folge höherer Hochs und höherer Tiefs aufbaut, gibt es charttechnisch wenig Grund, bereits von einer größeren Wende zu sprechen.

Der erste wirklich große Widerstandsbereich liegt im gezeigten Chart bei rund 88 €. Das klingt vom aktuellen Kurs bei etwa 74 Euro erst einmal weit weg. Gleichzeitig wären es bis dorthin bereits knapp +20% Kurspotenzial.

Volkswagen muss diesen Weg aber erst einmal Stück für Stück zurücklegen. Ein paar gute Handelstage reichen dafür nicht. Erst wenn die Aktie ihre aktuelle Seitwärtsphase verlässt und sich wieder dauerhaft nach oben arbeitet, wird auch die 88-€-Zone wieder realistisch.

Volkswagen-Aktie

Volkswagen-Aktie

Bei den Analysten sieht das Bild interessanter aus. Das durchschnittliche Zwölfmonats-Kursziel liegt aktuell bei rund 105 €. Vom derzeitigen Kurs wären das gut +42% Potenzial. Die Einschätzungen gehen allerdings weit auseinander.

Goldman Sachs bleibt neutral und sieht Volkswagen bei 88 €, damit ziemlich genau an der großen Widerstandszone aus dem Chart. RBC ist mit einem Kursziel von 120 € wesentlich optimistischer. Vom aktuellen Niveau wären das mehr als +60% Luft nach oben. Berenberg liegt bei 100 € und empfiehlt die Aktie zum Kauf, während UBS mit einem neutralen Rating und 80 € deutlich vorsichtiger bleibt.

ℹ️ Volkswagen in Kürze

  • Die Volkswagen AG (WKN: 766403) mit Sitz in Wolfsburg ist der nach Umsatz größte und nach Absatz zweitgrößte Fahrzeughersteller der Welt. Zusätzlich zur Kernmarke Volkswagen ist die VW AG auch Muttergesellschaft zahlreicher weiterer Autohersteller, darunter Audi, Lamborghini, Porsche, Seat und Skoda.
  • Neben dem Pkw-Bereich gehört auch der Geschäftsbereich Nutzfahrzeuge mit den Unternehmen MAN und Scania zum VW-Konzern. Zudem bietet der Konzern zahlreiche Finanzdienstleistungen an, darunter Finanzierungen und Versicherungen.
  • Volkswagen ist Mitglied im deutschen Leitindex DAX und aktuell ca. 38,56 Milliarden € wert.

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Fazit

Volkswagen ist günstig bewertet und viele Analysten sehen deutlich höhere Kurse. Im Moment reicht das aber nicht, um die Aktie aus ihrer schwachen Seitwärtsphase zu holen. Jetzt muss sich das Bild erst Schritt für Schritt verbessern. Gelingt irgendwann der Weg zurück Richtung 88 €, wären vom aktuellen Niveau bereits rund +20% drin. Bis dahin muss Volkswagen aber sowohl beim Konzernumbau als auch an der Börse erst einmal wieder Vertrauen zurückgewinnen.