Commerzbank-Aktie über 40 €: Der Zinsjoker ist weg!
Gebühren ersetzen das Zinswachstum
Der Nettozinsüberschuss war lange der wichtigste Ergebnistreiber. Im zweiten Quartal stagnierte er jedoch bei 2,06 Milliarden €, obwohl das Kreditvolumen im Firmenkundengeschäft um 16% auf durchschnittlich 123 Milliarden € zunahm. Vor allem die deutlich gesunkenen Zinsen in Polen belasteten.
Trotzdem steigerte die Commerzbank ihre Quartalserträge um 9% auf 3,3 Milliarden €. Der Provisionsüberschuss wuchs um 7% auf 1,08 Milliarden €. Besonders stark entwickelten sich das Wertpapiergeschäft, Anleiheemissionen, Zahlungsdienstleistungen und Garantien.
Auch im Privatkundengeschäft zeigt sich die neue Qualität. Das betreute Wertpapiervolumen erhöhte sich binnen eines Jahres um 39 Milliarden auf 285 Milliarden €. Die Kunden handelten mehr Wertpapiere und zahlten höhere Gebühren, während das neue Preismodell für Girokonten zusätzliche Erlöse lieferte.
Damit wird die Bank weniger abhängig vom Zinsumfeld. Provisionen schwanken zwar ebenfalls, besitzen aber langfristig ein größeres Wachstumspotenzial als der klassische Zinsüberschuss.
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Die operative Marge steigt weiter
Gleichzeitig wachsen die Kosten deutlich langsamer als die Erträge. Im ersten Halbjahr erhöhten sich die Aufwendungen um weniger als 2% auf 3,45 Milliarden €. Die Erträge legten dagegen um 7% auf 6,5 Milliarden € zu.
Dadurch verbesserte sich die Kosten-Ertrags-Quote einschließlich der Pflichtbeiträge von 56 auf 53%. Ohne diese Belastungen benötigte die Commerzbank nur noch 50 Cent Aufwand, um einen Euro Ertrag zu erwirtschaften.
Das operative Halbjahresergebnis erreichte mit 2,73 Milliarden € einen neuen Rekord. Unter dem Strich verdiente die Bank 1,81 Milliarden € und damit 40% mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Rendite auf das materielle Eigenkapital stieg auf 12,6%.
Auch die Risiken bleiben beherrschbar. Die Quote notleidender Kredite verharrte bei niedrigen 1,1%, während die harte Kernkapitalquote von 14,4% einen komfortablen Abstand zu den regulatorischen Anforderungen bietet. Für das Gesamtjahr erwartet das Management weiterhin einen Gewinn von mindestens 3,4 Milliarden €.
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Analysten sehen kaum noch Spielraum
Mit dem Anstieg über 40 € hat die Aktie allerdings die meisten Analystenziele erreicht. Das durchschnittliche Kursziel der im August veröffentlichten Studien liegt exakt bei 40 €. JPMorgan sieht den fairen Wert bei 38 €, die Deutsche Bank bei 42 € und RBC bei 43 €.
Lediglich die DZ Bank bleibt mit 46 € deutlich optimistischer. Dieses Ziel basiert jedoch bereits auf einer Übernahme durch UniCredit als wahrscheinlichstem Szenario. Ohne zusätzliches Angebot oder höhere Synergien erscheint das kurzfristige Kurspotenzial daher begrenzt.
Attraktiv bleibt die Kapitalrückgabe. Für 2026 sollen rund 3,2 Milliarden € beziehungsweise nahezu der gesamte bereinigte Jahresgewinn an die Aktionäre fließen. Mindestens die Hälfte davon ist für die Dividende vorgesehen. Marktbeobachter rechnen mit etwa 1,62 € je Aktie, woraus bei 40 € noch eine Rendite von rund 4% entstünde.
ℹ️ Commerzbank in Kürze
- Die Commerzbank (WKN: CBK100) ist eine Universalbank mit Sitz in Frankfurt am Main. Gemessen an der Bilanzsumme ist sie das viertgrößte Geldhaus Deutschlands.
- Das Bankinstitut betreut rund elf Millionen Privat- und Firmenkunden in Deutschland und Europa und besitzt mit rund 400 Filialen eines der dichtesten Filialnetze aller deutschen Privatbanken.
- Die Aktie ist im DAX gelistet, an der Börse ist die Commerzbank derzeit aktuell mit 44,1 Milliarden € bewertet.
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Fazit
Der Sprung über 40 € ist durch Rekordgewinne, steigende Provisionserlöse und eine bessere Effizienz fundamental unterlegt. Die Commerzbank beweist erstmals überzeugend, dass sie auch ohne zusätzlichen Zinsrückenwind wachsen kann. Für einen Neueinstieg ist mir die Bewertung aber zu hoch, zumal der Übernahme-Poker sowieso die Richtung vorgibt. Hier heißt es eher: An der Seitenlinie verweilen und abwarten.