Quelle: ChatGPT

SAP-Aktie: 17 statt 200 – die Downgrades treffen den wunden Punkt!

Erste Analysten pessimistisch
Vincent Uhr
Nach einer 11%-Rallye innerhalb eines Monats erhält die SAP-Aktie gleich zwei Dämpfer. UBS stufte das Papier von „Buy“ auf „Neutral“ zurück, Santander äußerte ebenfalls größere Zweifel. Bei einem Kurs von rund 182 € reagiert die Aktie bislang vergleichsweise gelassen. Dabei zielen die Analysten auf einen wichtigen Punkt: SAP besitzt zwar einen gewaltigen Datenschatz, bringt seine angekündigten KI-Agenten bislang aber deutlich langsamer zu den Kunden als erhofft.

Die Lücke zwischen Ankündigung und Produkt

UBS zufolge hat SAP bislang lediglich 17 sofort einsetzbare KI-Agenten veröffentlicht. Weitere 15 befinden sich in der Anlaufphase. Das Ziel, bis zum Jahresende rund 200 Agenten bereitzustellen, erscheint damit zunehmend ambitioniert.

Diese Programme sollen nicht nur Fragen beantworten, sondern vollständige Arbeitsschritte übernehmen. Denkbar sind beispielsweise das Bearbeiten von Rechnungen, die Bewertung von Lieferantenrisiken oder das Erstellen von Personalplanungen. Je tiefer die Agenten in die betrieblichen Abläufe eingebunden sind, desto größer wäre auch SAPs Möglichkeit, höhere Preise zu verlangen.

Genau diese Monetarisierung verschiebt sich bei einem langsamen Rollout nach hinten. UBS warnt zudem davor, dass Kunden in der Zwischenzeit eigene KI-Lösungen entwickeln könnten. SAP würde dann zwar weiterhin die zugrunde liegenden Unternehmensdaten verwalten, bei der besonders lukrativen Anwendungsebene aber Marktanteile an Microsoft, Salesforce oder spezialisierte Anbieter verlieren.

Damit treffen die Analysten einen wunden Punkt. SAP muss nicht das beste Sprachmodell entwickeln. Der Konzern muss seine einzigartige Position in den Geschäftsprozessen nutzen, bevor andere Anbieter ihre Agenten darüberlegen.

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Ein Downgrade mit höherem Kursziel

Gegen einen grundlegenden Vertrauensverlust spricht allerdings die übrige UBS-Analyse. Die Schweizer Bank erhöhte ihr Kursziel trotz der Abstufung deutlich von 164 auf 201 €. Außerdem rechnen die Analysten bis 2028 mit einem durchschnittlichen jährlichen Ergebniswachstum von rund 19%.

Auch eine verlangsamte Entwicklung des Cloud-Auftragsbestands wäre noch kein Einbruch. UBS erwartet, dass dessen organisches Wachstum von zuletzt 26 auf etwa 24% zum Jahresende zurückgeht. Das bliebe ein ausgesprochen hohes Niveau.

Die Abstufung beruht daher vor allem auf dem Verhältnis zwischen Chancen und Bewertung. Nach der kräftigen Erholung bietet das UBS-Ziel nur noch rund 10% Potenzial. Santander sieht ebenfalls die Gefahr, dass der Markt bereits mehr KI-Erfolg einpreist, als SAP kurzfristig liefern kann.

Für Aktionäre ist diese Unterscheidung wichtig: Die Analysten stellen nicht das ERP-Geschäft oder die langfristigen Kundenbeziehungen infrage. Sie verlangen lediglich sichtbare Belege dafür, dass aus den KI-Ankündigungen zusätzliche Umsätze werden.

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Der Vorstand setzt eigenes Geld ein

Bemerkenswert ist, dass mehrere Führungskräfte während der jüngsten Unsicherheit SAP-Aktien kauften. Vorstandschef Christian Klein investierte rund 325.000 €, Personalchefin Gina Vargiu-Breuer etwa 305.000 € und Kundenchef Thomas Saueressig weitere 267.000 €. Insgesamt flossen damit fast 900.000 € aus dem Management in die Aktie.

Insiderkäufe garantieren keine steigenden Kurse. Sie zeigen aber, dass diejenigen, die den Fortschritt bei den KI-Produkten am besten beurteilen können, die aktuelle Bewertung offenbar nicht für überzogen halten.

Nun muss SAP operativ nachlegen. Entscheidend wird weniger die bloße Anzahl neuer Agenten sein als deren Nutzung bei zahlenden Kunden. Erst wenn Unternehmen ihre Arbeitsabläufe tatsächlich mit Joule und den neuen Anwendungen automatisieren, entsteht der erhoffte zusätzliche Wachstumstreiber.

ℹ️ SAP in Kürze

  • Die SAP SE (WKN: 716460) gehört weltweit zu den führenden Softwareunternehmen im Bereich Unternehmenssoftware. Der Konzern bietet Lösungen für Geschäftsprozesse, Datenmanagement und Cloud-Anwendungen für Unternehmen jeder Größe.
  • Der Hauptsitz befindet sich in Walldorf (Deutschland). SAP ist weltweit tätig und verfügt über zahlreiche Standorte und Kunden in nahezu allen Branchen.
  • Die Aktie ist im DAX und Euro Stoxx 50 gelistet und zählt mit einer Marktkapitalisierung von rund 223 Milliarden € zu den wertvollsten börsennotierten Unternehmen Europas.

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Vincent Uhr

Fazit

Die beiden Downgrades sind nachvollziehbar. Nach der Rallye braucht die SAP-Aktie neue operative Belege, während der langsame KI-Rollout eine echte Schwachstelle darstellt. Für einen Verkauf reicht mir das angesichts der starken Marktposition und der Insiderkäufe jedoch nicht. Bei rund 182 € ist die Aktie für mich eine Halteposition – für einen Neueinstieg würde ich entweder niedrigere Kurse oder deutlich sichtbare Fortschritte bei der KI-Monetarisierung abwarten.