Volkswagen-Aktie erholt sich – gelingt jetzt der Befreiungsschlag?
Volkswagen will beim Umbau deutlich härter durchgreifen
Bei Volkswagen wird schon länger gespart, offenbar reicht dem Management das bisherige Tempo aber nicht mehr aus. Konzernchef Oliver Blume möchte dem Aufsichtsrat am 4. September einen deutlich umfangreicheren Umbau vorlegen. Hintergrund sind die schwachen Geschäfte in China, Belastungen durch US-Zölle und Kosten, die im Vergleich zur Konkurrenz weiterhin zu hoch sind.
Im Raum steht dabei unter anderem, die bisher geplanten Stellenstreichungen deutlich auszuweiten. Laut Reuters könnten insgesamt bis zu 50.000 Arbeitsplätze betroffen sein, dazu stehen mögliche Werksschließungen und der Verkauf beziehungsweise die Abspaltung einzelner Geschäftsbereiche zur Diskussion. Blume bekommt dafür Rückendeckung von den Eigentümerfamilien Porsche und Piëch, bei Arbeitnehmervertretern sieht das allerdings ganz anders aus.
Und hier liegt momentan das Problem. Arbeitnehmervertreter und das Land Niedersachsen haben im Aufsichtsrat ordentlich Gewicht und wehren sich gegen einen zu harten Sparkurs. Bereits im Juli konnte sich Blume mit seinen Plänen nicht durchsetzen und auch diesmal zeichnet sich wieder ein ziemlich schwieriger Kampf ab. Einen Tag vor der entscheidenden Sitzung soll deshalb nochmal im kleineren Kreis nach einer Lösung gesucht werden.
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China macht Volkswagen weiterhin Probleme
Dass Volkswagen überhaupt so stark auf die Kosten schauen muss, hat viel mit der Entwicklung der vergangenen Jahre zu tun. Besonders China bleibt eine Baustelle. Im zweiten Quartal gingen die Auslieferungen dort um mehr als 33% zurück, während chinesische Hersteller wie BYD immer stärker werden und längst nicht mehr nur über den Preis konkurrieren.
Das sieht man mittlerweile auch in den Zahlen. Im zweiten Quartal brach der Konzerngewinn um rund ein Drittel ein und bereits im Juli musste Volkswagen seine Prognose für das Gesamtjahr nach unten nehmen. Statt eines Umsatzwachstums von bis zu 3% rechnet der Konzern mittlerweile nur noch mit einer Entwicklung zwischen minus 2 und plus 1%.
Ganz schlecht läuft es aber auch nicht. In Westeuropa konnten die Auslieferungen zuletzt zulegen und gerade bei Elektroautos entwickelt sich Volkswagen in Europa deutlich besser. Das reicht bisher allerdings nicht aus, um die Probleme in China und die hohen Kosten vollständig auszugleichen.
Jetzt wird der 4. September ziemlich wichtig
Für die Volkswagen-Aktie könnte deshalb vor allem interessant werden, wie viel von Blumes Umbau tatsächlich durchkommt. Anleger dürften grundsätzlich wenig dagegen haben, wenn Volkswagen seine Kosten stärker senkt und damit wieder höhere Margen schafft. Die entscheidende Frage ist eher, ob das Management dafür überhaupt die notwendige Unterstützung bekommt.
Sollte der Aufsichtsrat die Pläne erneut blockieren, könnte es diesmal sogar noch ungemütlicher werden. Laut Reuters wird intern darüber nachgedacht, notfalls eine außerordentliche Hauptversammlung einzuberufen und die Aktionäre direkt über Teile des Umbaus entscheiden zu lassen. Einfach wäre aber auch dieser Weg nicht, unter anderem weil das Volkswagen-Gesetz bei wichtigen Entscheidungen besonders hohe Mehrheiten verlangt.
Für die Aktie ist die Ausgangslage damit ziemlich interessant. Nach dem Jahrestief bei 69,20 € hat sich der Kurs wieder bis auf gut 77 € erholt, liegt aber weiterhin rund -25% unter dem 52-Wochen-Hoch.
ℹ️ Volkswagen in Kürze
- Die Volkswagen AG (WKN: 766403) mit Sitz in Wolfsburg ist der nach Umsatz größte und nach Absatz zweitgrößte Fahrzeughersteller der Welt. Zusätzlich zur Kernmarke Volkswagen ist die VW AG auch Muttergesellschaft zahlreicher weiterer Autohersteller, darunter Audi, Lamborghini, Porsche, Seat und Skoda.
- Neben dem Pkw-Bereich gehört auch der Geschäftsbereich Nutzfahrzeuge mit den Unternehmen MAN und Scania zum VW-Konzern. Zudem bietet der Konzern zahlreiche Finanzdienstleistungen an, darunter Finanzierungen und Versicherungen.
- Volkswagen ist Mitglied im deutschen Leitindex DAX und im europäischen Leitindex EuroStoxx 50 und aktuell ca. 38 Milliarden € wert.
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Fazit
Die Volkswagen-Aktie hat zuletzt wieder etwas Boden gutgemacht, während beim Unternehmen selbst der nächste große Streit bereits bevorsteht. Blume möchte deutlich stärker sparen, Arbeitnehmervertreter stellen sich dagegen und am 4. September soll der Aufsichtsrat entscheiden. Kommt ein größerer Teil des Umbaus durch, könnte das zumindest bei den Kosten endlich mehr Bewegung reinbringen. Scheitert Blume dagegen erneut, dürfte die Frage ziemlich schnell wieder aufkommen, wie Volkswagen seine Margen nachhaltig verbessern will.