Amazon-Aktie: 2 Millionen Nvidia-Chips – kapituliert Trainium?
Ohne Nvidia verliert AWS wichtige Kunden
Die zusätzlichen Prozessoren sollen 2027 und 2028 in Betrieb gehen. Bestellt werden unter anderem Blackwell Ultra, Rubin und Rubin Ultra. Erst im März hatte AWS angekündigt, mehr als 1 Million Nvidia-GPUs bereitzustellen. Nach Unternehmensangaben übertraf die Nachfrage anschließend sämtliche Erwartungen.
Für Amazon besteht kaum eine Alternative zu dem Ausbau. Zahlreiche KI-Modelle und Anwendungen wurden für Nvidias CUDA-Plattform entwickelt. Ein Cloudanbieter, der diese Umgebung nicht in ausreichender Menge anbietet, riskiert, dass Kunden zu Microsoft, Google oder spezialisierten KI-Rechenzentren wechseln.
AWS und Nvidia planen zudem besonders leistungsfähige KI-Rechenzentren für die US-Regierung. Allein 100.000 GPUs sollen für Behörden und sicherheitsrelevante Anwendungen bereitgestellt werden. Hinzu kommen Nvidia-CPUs, Netzwerktechnik sowie gemeinsame Angebote für Robotik und sogenannte Physical AI.
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Trainium wird trotzdem nicht überflüssig
Amazon versucht nicht, Nvidia vollständig zu ersetzen. Der Konzern will seinen Kunden vielmehr unterschiedliche Preis- und Leistungsstufen anbieten. Nvidia liefert das ausgereifte Software-Ökosystem und die derzeit leistungsfähigsten Systeme. Trainium ermöglicht AWS dagegen mehr Kontrolle über Kosten, Verfügbarkeit und technische Weiterentwicklung.
Für besonders rechenintensive, wiederkehrende Aufgaben können eigene Prozessoren wirtschaftlich attraktiver sein. Große Kunden wie Anthropic verwenden Trainium bereits zum Training und Betrieb ihrer Modelle. Gleichzeitig müssen junge KI-Unternehmen oder bestehende Nvidia-Kunden ihre Software nicht erst auf eine neue Chiparchitektur umstellen.
Diese Wahlfreiheit ist wichtig, weil AWS zwar weiterhin Marktführer ist, aber Marktanteile abgeben musste. Im zweiten Quartal lag der weltweite Anteil nach Daten von Synergy Research bei 28%, nach 30% im Vorjahreszeitraum. Microsoft erreichte 20%, während Google seinen Anteil von 13 auf 15% ausbaute. Der Nvidia-Auftrag ist daher auch eine Verteidigungsmaßnahme gegen stärker wachsende Konkurrenten.
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Jetzt entscheidet die Auslastung
Operativ spricht vieles für den Ausbau. Der AWS-Umsatz sprang im zweiten Quartal um +37% auf 42,2 Milliarden US$. Das operative Ergebnis erhöhte sich von 10,2 auf 16,6 Milliarden US$, die Marge erreichte starke 39,4%. Der vertraglich abgesicherte Auftragsbestand stieg auf 496 Milliarden US$.
Allerdings erhöht Amazon seine Investitionen 2026 auf rund 220 Milliarden US$. Dadurch rutschte der freie Cashflow auf Sicht von zwölf Monaten mit -7,6 Milliarden US$ ins Minus. Der genaue Wert des Nvidia-Auftrags wurde nicht veröffentlicht, dürfte angesichts der Stückzahl aber bei mehreren Zehnmilliarden US$ liegen.
Die entscheidende Kennzahl ist deshalb nicht die Zahl der installierten Chips, sondern deren spätere Auslastung. Nur wenn AWS die zusätzliche Kapazität dauerhaft vermietet, entstehen aus den gewaltigen Investitionen attraktive Renditen.
ℹ️ Amazon in Kürze
- Amazon (WKN: 906866) mit Hauptsitz in Seattle im US-Bundesstaat Washington ist ein global agierender Online-Versandhändler mit einer breit gefächerten Produktpalette.
- In vielen Produktkategorien ist Amazon der weltweit führende Einzelhändler. Über die Verkaufs- und Logistikplattform des Konzerns können auch Privatpersonen und andere Händler ihre Produkte anbieten.
- Neben seiner marktführenden Position im E-Commerce ist Amazon über seine Sparte Web Services auch der weltweit größte Anbieter von Cloud Computing-Diensten.
- Amazon notiert im Nasdaq 100 sowie im S&P 500 Index und ist mit einem aktuellen Börsenwert von ca. 2,87 Billionen US$ eines der wertvollsten Unternehmen der Welt.
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Fazit
Der Nvidia-Auftrag ist keine Kapitulation von Trainium, sondern eine sinnvolle Doppelstrategie. AWS bietet maximale Kompatibilität und behält zugleich eine günstigere Eigenentwicklung als Alternative. Das starke Cloud-Wachstum rechtfertigt den Ausbau bislang. Nach dem Kurssprung würde ich die Amazon-Aktie halten und bei Rücksetzern kaufen – die steigenden Investitionsrisiken sollten Anleger jedoch nicht unterschätzen.