D-Wave Quantum-Aktie – ist die Sorge berechtigt?
Bei NTT DOCOMO läuft bereits die zweite Anwendung
Ein gutes Beispiel dafür kommt aus Japan. D-Wave Quantum und NTT DOCOMO haben am 18. August bekannt gegeben, dass mittlerweile die zweite mit D-Wave entwickelte Quantenanwendung im laufenden Netzbetrieb eingesetzt wird. Und hier geht es nicht einfach nur um einen Test, sondern um die Optimierung des Mobilfunknetzes eines Anbieters mit mehr als 93 Millionen Kunden.
Die Ergebnisse können sich dabei durchaus sehen lassen. Mit der neuen Anwendung konnten die sogenannten Location-Registration-Signale zu Spitzenzeiten um 65,3% reduziert werden, gleichzeitig gingen die Paging-Signale um 7% zurück. Vereinfacht gesagt versucht DOCOMO damit, bestimmte Abläufe im Mobilfunknetz effizienter zu steuern und die Belastung des Netzes zu reduzieren.
Für D-Wave ist dabei weniger die einzelne Prozentzahl entscheidend, sondern dass die eigene Technologie bereits zum zweiten Mal bei DOCOMO im Produktivbetrieb landet. Solche Anwendungen braucht das Unternehmen, um zu zeigen, dass Quantum Annealing eben nicht nur im Labor funktioniert, sondern Unternehmen damit heute schon reale Probleme lösen können.
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Auch bei den Aufträgen geht deutlich mehr
Dass sich langsam mehr kommerzielles Interesse entwickelt, hat man auch bei den Zahlen Anfang August gesehen. Im ersten Halbjahr kamen die Bookings auf 35,5 Millionen US$ und lagen damit mehr als 1.120% über dem Vorjahr. Die noch ausstehenden vertraglichen Leistungsverpflichtungen erreichten 40,7 Millionen US$ und haben sich gegenüber dem Vorjahr damit ebenfalls vervielfacht.
Bei den Einnahmen aus dem Quantum-Computing-as-a-Service-Geschäft kamen im ersten Halbjahr bereits 37,3% aus Anwendungen im Produktivbetrieb. D-Wave verdient also zunehmend Geld damit, dass Kunden die Technologie tatsächlich für laufende Aufgaben einsetzen und nicht nur damit experimentieren.
Dazu kommen immer größere Namen. AT&T hat die Zusammenarbeit Ende Juli ausgeweitet, nachdem bei einem Optimierungsproblem die Rechenzeit von ungefähr einer Stunde auf weniger als 15 Sekunden reduziert werden konnte. Anfang August kam außerdem eine Zusammenarbeit mit Nasdaq Verafin dazu, bei der untersucht wird, ob Quantum-Hybrid-Technologie bei der Erkennung von Betrug, Geldwäsche und anderen Finanzdelikten helfen kann. Bei Verafin handelt es sich allerdings zunächst um einen Proof of Concept und noch nicht um einen produktiven Einsatz.
Eine ganz frische Meldung gibt es ebenfalls
Nicht jede aktuelle Nachricht kommt bei den Anlegern allerdings gut an. CFO John Markovich wird D-Wave zum 2. September verlassen und in den Ruhestand gehen. Greg Golkov, bisher Senior Vice President of Finance, übernimmt zunächst als Acting CFO. Markovich war fünf Jahre im Unternehmen und begleitete unter anderem den Börsengang sowie Kapitalaufnahmen von insgesamt mehr als 900 Millionen US$. D-Wave betonte dabei auch, dass der Rücktritt nicht auf Unstimmigkeiten mit dem Unternehmen zurückzuführen sei.
An der Börse sorgte die Nachricht trotzdem erstmal für ordentlich Druck und die D-Wave-Aktie verlor am Mittwoch rund -8 %. Ganz überraschend ist die Reaktion nicht, denn ein Wechsel auf dem CFO-Posten sorgt erstmal für Unsicherheit und bei D-Wave kommt noch dazu, dass das Unternehmen für den weiteren Ausbau viel Kapital benötigt. An der grundsätzlichen Story ändert der Wechsel zwar erstmal wenig, die Reaktion der Aktie zeigt aber ziemlich gut, dass Anleger bei solchen Meldungen momentan durchaus nervös werden.
ℹ️ D-Wave Quantum in Kürze
- D-Wave Quantum (WKN: A3DSV9), kurz D-Wave, ist ein Hardwareunternehmen, das sich mit der Entwicklung von Quantencomputern beschäftigt.
- Das Unternehmen mit dem Hauptsitz in Burnabay, Kanada, wurde 1999 gegründet. Bekannt wurde es durch den Verkauf des ersten Quantencomputers 2011 an Lockheed Martin.
- Neben der Hauptbörse NYSE kann die Aktie auch über Tradegate gehandelt werden. Die Marktkapitalisierung beträgt aktuell etwa 6,67 Milliarden US$.
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Fazit
Bei D-Wave ist in den letzten Wochen einiges zusammengekommen. Während immer mehr Anwendungen tatsächlich bei großen Unternehmen zum Einsatz kommen, hat der Rücktritt des Finanzchefs erstmal wieder für etwas Unsicherheit gesorgt. Am Ende wird es darauf ankommen, ob aus den vielen Partnerschaften auch immer mehr Umsatz entsteht.