SAP-Aktie: Jetzt muss geliefert werden!
Salesforce liefert den entscheidenden Gegenbeweis
Salesforce steigerte den Quartalsumsatz um +11% auf 11,35 Milliarden US$ und erhöhte seine Jahresprognose auf 46,1 bis 46,4 Milliarden US$. Besonders wichtig: Die jährlich wiederkehrenden Erlöse von Agentforce erreichten bereits 1,5 Milliarden US$. Gleichzeitig wuchsen die vertraglich abgesicherten Umsätze um +14%.
Auch CrowdStrike meldete mit einem Umsatzplus von +26% auf 1,47 Milliarden US$ eine weiterhin hohe Nachfrage und hob die Jahresprognose an. Unternehmen stellen ihre Softwareausgaben somit keineswegs grundsätzlich infrage. Sie investieren bevorzugt bei etablierten Anbietern, die KI mit vorhandenen Daten, Berechtigungen und Arbeitsabläufen verbinden können.
Genau darin liegt auch SAPs größter Vorteil. Ein KI-Agent kann zwar eine neue Benutzeroberfläche erstellen oder einzelne Aufgaben automatisieren. Er kann jedoch nicht ohne Weiteres jahrzehntelang aufgebaute Finanzdaten, Lieferketten, Zugriffsrechte und regulatorisch geprüfte Geschäftsprozesse ersetzen. Für verlässliche Entscheidungen benötigt die KI weiterhin ein sogenanntes System of Record – und diese Rolle übernimmt bei zahlreichen Großkonzernen SAP.
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KI könnte SAP wichtiger statt überflüssig machen
Mit Joule Work arbeitet SAP bereits an einer Oberfläche, über die Beschäftigte künftig nicht mehr mehrere Anwendungen einzeln bedienen müssen. Nutzer beschreiben lediglich das gewünschte Ergebnis, während Joule die benötigten Daten, Abläufe und spezialisierten Agenten zusammenführt.
Die klassische Benutzeroberfläche könnte damit tatsächlich an Bedeutung verlieren. Das zugrunde liegende SAP-System wird jedoch umso wichtiger, weil es der KI geprüfte Unternehmensdaten und klare Prozessregeln liefert.
Erste Kundenbeispiele zeigen den möglichen wirtschaftlichen Nutzen. Bei Bosch Digital erhöhte Joule die Produktivität von Entwicklern um rund +20% und beschleunigte die Erstellung von Testfällen um +15 bis +20%. Ein von SAP unterstützter Agent des argentinischen Flughafenbetreibers Aeropuertos Argentina senkte die direkten Kosten im Winterbetrieb um -16% und den Verwaltungsaufwand sogar um -90%.
Auch im Vertrieb gewinnt die Technologie an Bedeutung. SAP zufolge waren Business AI und die Business Data Cloud im zweiten Quartal Bestandteil von mehr als 90% der 50 größten Vertragsabschlüsse. Das ist ein starkes Indiz für Nachfrage – allerdings noch kein Beweis dafür, dass KI bereits einen erheblichen eigenständigen Umsatzbeitrag liefert.
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UBS sieht eine gefährliche Umsetzungslücke
Genau hier setzt die jüngste Kritik der UBS an. Die Bank stufte SAP von „Kaufen“ auf „Neutral“ ab, erhöhte ihr Kursziel aber gleichzeitig von 164 auf 201 €. Nach Einschätzung der Analysten waren zuletzt lediglich 17 sofort einsetzbare KI-Agenten verfügbar, weitere 15 befanden sich in der Anlaufphase. Das Ziel von mehr als 200 Agenten bis zum Jahresende erscheint deshalb ambitioniert.
Die SAP-Aktie verlor nach der Abstufung zunächst -4%, bevor der Salesforce-Turbo einen großen Teil des Rückgangs wieder ausglich. Bei einem Kurs von knapp 189 € bietet das UBS-Ziel von 201 € allerdings nur noch rund +6% Potenzial.
Zudem erwartet die Bank, dass sich das währungsbereinigte Wachstum des Cloud-Auftragsbestands von zuletzt +26% bis zum Jahresende auf ungefähr +24% abschwächt. SAP muss daher nicht nur neue Agenten ankündigen, sondern sie schnell ausliefern und messbar monetarisieren.
ℹ️ SAP in Kürze
- Die SAP SE (WKN: 716460) gehört weltweit zu den führenden Softwareunternehmen im Bereich Unternehmenssoftware. Der Konzern bietet Lösungen für Geschäftsprozesse, Datenmanagement und Cloud-Anwendungen für Unternehmen jeder Größe.
- Der Hauptsitz befindet sich in Walldorf (Deutschland). SAP ist weltweit tätig und verfügt über zahlreiche Standorte und Kunden in nahezu allen Branchen.
- Die Aktie ist im DAX und Euro Stoxx 50 gelistet und zählt mit einer Marktkapitalisierung von rund 210,44 Milliarden € zu den wertvollsten börsennotierten Unternehmen Europas.
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Fazit
Die „SaaSpocalypse“ war übertrieben. KI dürfte SAPs zentrale Daten- und Prozessplattform nicht ersetzen, sondern langfristig sogar aufwerten. Salesforce zeigt zudem, dass Unternehmen für produktive KI-Lösungen weiterhin hohe Summen an etablierte Softwareanbieter zahlen. Nach der kräftigen Erholung ist ein Teil dieser Erkenntnis jedoch wieder eingepreist. Deshalb würde ich bestehende SAP-Positionen halten und für einen Neueinstieg eher den nächsten Rücksetzer abwarten. Jetzt gilt es vor allem darum, dass SAP den Anschluss im sich wandelnden Software-Markt behält.