Zalando-Aktie: Hat der Markt hier völlig überreagiert?
Die Quartalszahlen hatten einen Haken
Auf den ersten Blick sah das zweite Quartal eigentlich ziemlich stark aus. Das Bruttowarenvolumen stieg um 20,7% auf 4,9 Milliarden €, der Umsatz erreichte 3,4 Milliarden € und beim bereinigten EBIT ging es um 10% auf knapp 205 Millionen € nach oben. Auch die Zahl der aktiven Kunden wuchs kräftig und liegt mittlerweile bei 62,5 Millionen.
Das Problem liegt etwas tiefer in den Zahlen. Durch die Übernahme von ABOUT YOU sehen die ausgewiesenen Wachstumsraten natürlich deutlich stärker aus. Im eigentlichen Zalando-Geschäft entwickelte sich das Wachstum schwächer und auch Umsatz, GMV und bereinigtes EBIT blieben leicht hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Beim GMV waren beispielsweise 4,94 Milliarden € erwartet worden, tatsächlich kamen 4,92 Milliarden € zusammen. Beim Umsatz standen 3,42 statt erwarteter 3,50 Milliarden €.
Dazu kommt, dass die Verbraucher beim Modekauf weiterhin ziemlich genau aufs Geld schauen. Zalando selbst spricht von vorsichtigen und preissensiblen Kunden und ausgerechnet bei Sneakers, einer normalerweise ziemlich wichtigen Kategorie, lief es zuletzt schwächer. Nach den Erwartungen, die vor den Zahlen bereits in der Aktie steckten, hat das gereicht, um den Kurs ziemlich deutlich nach unten zu schicken.
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Beim Ausblick wurde Zalando vorsichtiger
Noch mehr gestört hat Anleger wahrscheinlich der Blick auf das Gesamtjahr. Zalando hatte für 2026 bislang ein Wachstum von Umsatz und GMV zwischen 12 und 17% in Aussicht gestellt. Diese Spanne steht zwar weiterhin, mittlerweile rechnet das Unternehmen aber nur noch mit einem Ergebnis in der unteren Hälfte davon. Beim bereinigten EBIT wurde die bisher ziemlich breite Prognose von 660 bis 740 Millionen € auf 680 bis 720 Millionen € eingeengt.
Ganz so schlecht, wie es der Kurssturz zunächst vermuten lässt, ist das allerdings nicht. Zalando hat die Erwartungen für das zweite Halbjahr nach eigenen Angaben nicht nach unten geschraubt. Die vorsichtigere Jahresprognose ist vielmehr eine Folge des schwächeren ersten Halbjahres. Beim bereinigten EBIT zeigt sich das Management sogar zuversichtlicher, ungefähr die Mitte der neuen Spanne zu erreichen. Damit muss man bei der Reaktion der Aktie schon etwas unterscheiden. Das Wachstum läuft nicht so schnell wie erhofft, von einem Einbruch im operativen Geschäft kann aber ebenfalls keine Rede sein.
KI spart bei Zalando plötzlich richtig viel Zeit und Geld
Ein Bereich, der bei den Zahlen etwas untergehen könnte, ist die Entwicklung rund um künstliche Intelligenz. Zalando versucht KI mittlerweile nicht mehr nur für Produktempfehlungen einzusetzen, sondern direkt bei der Erstellung von Mode-Content.
Die Plattform SCAYLE STUDIOS wurde erst vor wenigen Monaten gestartet und wird inzwischen bereits von mehr als 100 Marken genutzt. Laut Zalando lässt sich damit die Produktionszeit für digitalen Fashion-Content um mehr als 95% reduzieren, während die Kosten um rund 90% sinken können.
Das klingt erstmal nach einer netten Zusatzfunktion, kann für Zalando aber ziemlich spannend werden. Wenn Marken Produktbilder und andere Inhalte deutlich günstiger erstellen können und dafür die Technologie von Zalando beziehungsweise SCAYLE nutzen, entsteht daraus ein Geschäft, das mit dem klassischen Onlinehandel nur noch teilweise etwas zu tun hat. Diese Entwicklung dürfte man in den kommenden Quartalen weiter beobachten müssen. Das B2B-Geschäft wächst bereits deutlich schneller als der klassische Handel und bringt gleichzeitig höhere Margen mit.
Analysten sehen deutlich höhere Kurse
Nach dem heftigen Kursrutsch haben viele Analysten ihre positive Einschätzung erstaunlicherweise nicht über Bord geworfen. Bei einem aktuellen Kurs von rund 23 € liegt das durchschnittliche Kursziel von 21 erfassten Analysten bei etwa 35,60 €.
Die Unterschiede zwischen den einzelnen Häusern sind allerdings ziemlich groß. Berenberg sieht die Zalando-Aktie bei 53 €, Goldman Sachs bei 44 €. Deutsche Bank, UBS und Jefferies kommen jeweils auf 35 €, während JPMorgan 32 € und RBC 28 € ansetzen. Bernstein ist mit 25 € deutlich vorsichtiger.
Diese große Spanne zeigt ziemlich gut, worüber der Markt momentan streitet. Wenn Zalando die ABOUT-YOU-Synergien hebt, das margenstärkere B2B-Geschäft weiter wächst und der Konsum irgendwann wieder anzieht, könnte der aktuelle Kurs ziemlich günstig aussehen. Bleibt das Wachstum im Kerngeschäft dagegen länger schwach, waren die enttäuschten Reaktionen nach den Quartalszahlen vielleicht doch nicht so übertrieben.
ℹ️ Zalando in Kürze
- Der E-Commerce-Konzern mit Sitz in Berlin beliefert rund 62 Millionen aktive Kunden in 25 europäischen Märkten.
- Zalando bietet seine Logistikinfrastruktur unter der Marke ZEOS auch anderen Händlern für den Versand von Produkten an.
- Das Unternehmen ist Mitglied im deutschen Leitindex DAX und wird aktuell mit rund 5,76 Milliarden € an der Börse bewertet.
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Fazit
Bei Zalando läuft momentan nicht alles rund und nach den Erwartungen vor den Quartalszahlen war die Enttäuschung durchaus nachvollziehbar. Ein Kursverlust von zeitweise 18% ist trotzdem eine Hausnummer. Das B2B-Geschäft wächst kräftig, ABOUT YOU bringt erste Synergien und beim Gewinn sieht das Management weiterhin keinen Grund für größere Sorgen. Nun muss Zalando in den nächsten Quartalen zeigen, dass aus diesen Punkten auch wieder mehr Wachstum im Gesamtkonzern entsteht. Die Analysten trauen der Aktie jedenfalls weiterhin deutlich höhere Kurse zu.