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Energiekontor-Aktie: Jetzt im Crash einsteigen?

-25% in 2 Tagen
Es sind dramatische Tage für die Energiekontor-Aktie. Nachdem der Kurs des Solar- und Windparkbetreibers bereits am gestrigen Donnerstag um -15% eingebrochen ist, geht es am Freitagmorgen um weitere -10% in den Kurskeller. Damit fällt der Energietitel auf ein neues 5-Jahrestief. Was steckt hinter dem Crash von Energiekontor und sollten Anleger ihn für einen Einstieg nutzen?

Eine drastische Gewinnwarnung

Ursache für den Kurs-Crash der Energiekontor-Aktie ist eine drastische Gewinnwarnung, die das Unternehmen überraschend herausgegeben hat. Die Gewinnprognose für das Jahr 2026 wurde massiv gesenkt.

Bislang ging Energiekontor von einem Vorsteuergewinn zwischen 40 und 60 Millionen € aus. Die neue Prognosespanne liegt nur noch zwischen 5 und 10 Millionen €. Wir sprechen also über eine Senkung der Erwartungen um 85% im Mittel.

Ursache für diese katastrophale neue Guidance sind erhebliche Verzögerungen bei den Netzanschlüssen mehrerer schottischer Windparkprojekte. Ein Gerichtsverfahren blockiert den Bau einer dafür erforderlichen Überlandleitung. Dadurch verschieben sich die geplanten Netzanschlüsse für drei betroffene Windparks von ursprünglich 2029 auf voraussichtlich 2031.

Das hat zur Folge, dass geplante und bereits im Verkaufsprozess befindliche Projektverkäufe in Schottland nicht mehr ergebniswirksam im laufenden Jahr verbucht werden können. Die Erträge verschieben sich in die Folgejahre.

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Und eine weitere Hiobsbotschaft

Als wäre das schon nicht genug der Hiobsbotschaften, drückten gestiegene Bau- und Finanzierungskosten auch noch das Ergebnis von Energiekontor im ersten Halbjahr ins Minus. Das Vorsteuerergebnis betrug für die ersten sechs Monate des Jahres -4,7 Millionen €. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 28,3 Millionen €. Auch das operative Ergebnis ging deutlich gegenüber dem Vorjahr von 39,3 auf 10,1 Millionen € zurück.

Beim Konzernumsatz verbuchte Energiekontor hingegen ein dynamisches Wachstum. Die Erlöse stiegen im ersten Halbjahr im Jahresvergleich um 31,4% auf 99,9 Millionen €.

Die Stromproduktion der Projekte im Eigenbestand stieg auf rund 330 Gigawattstunden. Derzeit hat Energiekontor 20 Projekt mit einer Gesamtleistung von ca. 610 Megawatt im Bau, davon rund 230 Megawatt für den eigenen Bestand.

Ein desaströser Zustand

Das Chartbild der Energiekontor-Aktie befindet sich in einem desaströsen Zustand. Das bisherige 5-Jahrestief bei 31 € wurde im Zuge des Kurs-Crashs durchbrochen.

Bis zur Marke von 21 € gibt es keine nennenswerten historischen Unterstützungen. Es droht somit ein weiterer technischer Kurssturz.

Für diese Aktie braucht man starke Nerven

Bislang lagen die Kursziele der Analysten für die Energiekontor-Aktie in einer Spanne von 59 bis 77 €. Die Experten gingen also von einer mehr als Verdoppelung des Aktienkurses aus.

Damit ist nun nicht mehr zu rechnen. Ich gehe fest davon aus, dass die Experten in den kommenden Tagen ihre Kursziele drastisch zusammenstreichen werden.

Wie in meiner letzten Analyse der Energiekontor-Aktie im März kann ich an dieser Stelle nur wiederholen, dass der Erneuerbare Energie-Titel nur als Langfristinvestment für Anleger mit Nerven aus Stahl geeignet ist.

Kaum ein anderes Unternehmen aus Deutschland ist so bekannt dafür, seine Zielsetzungen zu revidieren, wie Energiekontor. Die aktuelle Gewinnwarnung ist einer heftiger Schlag ins Kontor, der einen massiven Vertrauensverlust darstellt. Was soll man denn dem Energiekontor-Management überhaupt noch glauben, wenn von heute auf morgen die Gewinnprognose um fast 90% korrigiert wird?

Grundsätzlich kann man langfristig optimistisch in Bezug auf die Energiekontor-Aktie sein. Die hohen Preise für fossile Energieträger erhöhen die Wettbewerbsfähigkeit von Solar- und Windenergie.

Aber Energiekontor ist ein Unternehmen mit keiner kontinuierlichen Umsatz- und Gewinnentwicklung. Anleger müssen bei der Geschäftsentwicklung mit einem gewaltigen Maß an Volatilität zurechtkommen.

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ℹ️ Energiekontor in Kürze

  • Die Bremer Energiekontor AG (WKN: 531350) zählt zu den führenden deutschen Projektentwicklern im Windkraft- und Solarsektor, der Schwerpunkt liegt bei der Windenergie.
  • Der größte Teil des Unternehmens beschäftigt sich mit der Projektierung und dem Verkauf von Wind- und Solarparks in Europa. Daneben werden 38 Windparks und 1 Solarpark in Eigenregie betrieben.
  • Die im SDAX gelistete Aktie wird aktuell mit ca. 370 Millionen € bewertet.

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Fazit

Mein Rat lautet deshalb: Für Anleger mit guten Nerven, die gerne eine spekulative Postion im Bereich der Grünen Energien eingehen wollen, könnte der aktuelle Crash ein guter Einstiegszeitpunkt in die Energiekontor-Aktie sein. Das Forward-KGV von 7 (2027) ist eine recht faire Bewertung.

Aber auf die Zahlen und Prognosen des Unternehmens ist einfach kein Verlass. Allen anderen Anlegern rate ich deshalb von einem Kauf der Energiekontor-Aktie ab. Sie liefert einfach zu häufig schlechte Nachrichten.