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Einzelhandel: Warum der Umsatz jetzt plötzlich boomt

Konsum im Aufschwung?
Redaktion | Wirtschaft

Der deutsche Einzelhandel ist mit einem Umsatzplus ins Jahr gestartet, doch der Schein trügt. Von Januar bis Juni legte der Umsatz nominal um 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu, real blieben nach Herausrechnung der Inflation gerade einmal 0,7 Prozent übrig. Das ist kein echter Wachstumsschub, sondern vor allem das Ergebnis gestiegener Preise.

Tankstellen legen zu, Lebensmittelhandel verliert

Im Mai sah es kurzzeitig besser aus. Das Umsatzplus fiel dort real mit 1,2 Prozent kräftiger aus als zunächst gemeldet. Im Juni drehte der Trend dann wieder ins Negative. Gegenüber dem Mai 2026 gingen die Erlöse real um 1,1 Prozent zurück, nominal um 1,2 Prozent. Besonders auffällig im Juni war die Entwicklung bei den Tankstellen: Die Umsätze stiegen real um 2,1 Prozent zum Vormonat, getrieben durch höhere Ölpreise infolge des Krieges im Nahen Osten. Der Lebensmittelhandel hingegen verlor 1,4 Prozent, der Nicht-Lebensmittelhandel 1,0 Prozent.

Konsumstimmung auf dem Niveau des zweiten Corona-Lockdowns

Der Grund für die anhaltende Schwäche ist die Kaufzurückhaltung der Verbraucher. Die Inflation verharrte hartnäckig über der Zwei-Prozent-Marke und zog im Juli auf 2,8 Prozent an. Für die Menschen bedeutet das: weniger Kaufkraft, mehr Vorsicht. Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), bringt es direkt auf den Punkt: "Die Lage im Einzelhandel ist alles andere als gut." Die Konsumstimmung bewegt sich dem HDE zufolge seit Langem auf dem Niveau des zweiten Corona-Lockdowns.

Für das Gesamtjahr 2026 rechnet der HDE mit einem nominalen Umsatzwachstum von zwei Prozent, real jedoch nur mit einem Plus von 0,5 Prozent. Getragen wäre dieses Wachstum vor allem vom Online-Handel.

Stimmung hellt sich auf, bleibt aber gedrückt

Ein kleiner Lichtblick kam im Juli vom ifo-Institut. Das Geschäftsklima im Einzelhandel stieg auf minus 28,7 Punkte, nach minus 32,4 Punkten im Juni. Drei Monate in Folge mit leichter Aufhellung, und trotzdem bleibt die Stimmung schlechter als vor der Eskalation des Iran-Konflikts Ende Februar. Im April und Mai war der Indikator auf die niedrigsten Werte seit 2023 gefallen. Ifo-Experte Patrick Höppner macht den Iran-Konflikt dafür mitverantwortlich, der die konjunkturelle Unsicherheit erhöht und die Verbraucherstimmung belastet habe. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs von April bis Juni zwar um 0,2 Prozent, das dritte Quartal in Folge, aber langsamer als zu Jahresbeginn mit 0,4 Prozent.

Was das für Aktien bedeuten könnte

Meiner Meinung nach ist das Bild für den stationären Einzelhandel und entsprechende Aktien kurzfristig wenig ermutigend. Solange die Kaufkraft durch Inflation gedrückt bleibt und geopolitische Unsicherheiten das Verbrauchervertrauen belasten, dürfte sich das auch in den Quartalszahlen der Handelstitel widerspiegeln. Wer in dem Sektor investiert ist, sollte die Margenentwicklung im zweiten Halbjahr 2026 genau im Blick behalten. Der einzige strukturelle Wachstumstreiber wäre laut HDE der Online-Handel, weshalb Aktien mit starkem E-Commerce-Anteil gegenüber klassischen Filialhändlern klar im Vorteil sein dürften.

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