Siemens Healthineers-Aktie: Umsatzwarnung wegen schwacher Diagnostik
Siemens Healthineers hat seine Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr gekappt. Schuld daran ist vor allem die angeschlagene Labordiagnostik-Sparte, die der Konzern ohnehin nicht mehr zum Kerngeschäft zählt. Schwaches China-Geschäft und das Auslaufen älterer Analyse-Systeme belasten dort weiter, und eine Trendwende ist nicht in Sicht.
Weniger Umsatz, aber mehr Gewinn
Das Management um Konzernchef Bernd Montag erwartet beim vergleichbaren Umsatz für das Geschäftsjahr 2025/26 nur noch ein Plus von 3,5 bis 4,0 Prozent. Zuvor waren jeweils ein Prozentpunkt mehr eingeplant. Analysten hatten zuletzt 4,5 Prozent auf dem Zettel. Beim bereinigten Ergebnis je Aktie zeigt sich dagegen ein anderes Bild. Dank der Rückerstattung unrechtmäßig erhobener US-Zölle hob das Unternehmen die Prognose auf 2,35 bis 2,45 € an, das sind 15 Cent mehr als bisher in Aussicht gestellt. Der Gewinn nach Steuern stieg in diesem Zuge um gut ein Fünftel auf 676 Mio. €.
Bildgebung schwächelt, Varian glänzt
Im Kerngeschäft Bildgebung, der mit Abstand größten und ertragreichsten Sparte, war das Wachstum mit 2,3 Prozent eher mau. Montag erklärte das mit Umsatzverschiebungen in das vierte Quartal. Finanzchef Jochen Schmitz rechnet dort mit einem vergleichbaren Wachstum im hohen einstelligen Prozentbereich. Erfreulicher lief es im Bereich Precision Therapy mit dem US-Krebsspezialisten Varian, der um 9,2 Prozent zulegte. Varian bleibt der klare Wachstumsmotor des Konzerns. Der Gesamtumsatz stieg auf vergleichbarer Basis um 2,8 Prozent auf 5,76 Mrd. €, womit Healthineers die Erwartungen der Analysten verfehlte.
Labordiagnostik bleibt das Sorgenkind
Die Labordiagnostik rutschte mit einem vergleichbaren Umsatzrückgang von 5,5 Prozent weiter ab. Eine Entscheidung über die geplante Ausgliederung steht noch immer aus. Schmitz nannte einen Zeitrahmen von rund 24 Monaten nach einem etwaigen Beschluss. Das Thema wird den Konzern also noch eine Weile begleiten. Positiv fiel das Neugeschäft auf. Das Book-to-Bill-Verhältnis lag im dritten Quartal bei 1,27, was auf eine gut gefüllte Auftragspipeline hindeutet.
Was bedeutet das für die Aktie
Nach einem schwachen Handelsstart arbeitete sich die Aktie bis auf ihr Tageshoch vor, pendelte dann längere Zeit um den Vortagesschluss und schloss schließlich rund 1 Prozent im Minus. Meiner Meinung nach spiegelt das die Verunsicherung der Anleger gut wider. Die gesenkten Umsatzziele dürften kurzfristig belasten, während der starke Auftragsbestand, den auch Bernstein-Analystin Susannah Ludwig lobend hervorhob, zumindest mittelfristig für Zuversicht sorgen könnte. Sollte die Bildgebung im Schlussquartal tatsächlich wieder anziehen und die Labordiagnostik-Ausgliederung Klarheit bringen, wäre die Aktie neu zu bewerten. Bis dahin bleibt das Papier für geduldige Anleger eine Halteposition, für alle anderen vorerst wenig attraktiv.
Quelle: dpa-AFX
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