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Deutsche Wirtschaft: Trotz Iran-Krieg noch kein totaler Einbruch

Krieg trifft Konjunktur
Redaktion | Wirtschaft

Deutschland wächst zum dritten Mal in Folge, und das trotz Iran-Krieg, schwachem Konsum und rückläufigen Investitionen. Das Bruttoinlandsprodukt legte laut Statistischem Bundesamt im zweiten Quartal 2026 um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu. Vorläufige Daten, wohlgemerkt. Aber auch das erste Quartal wurde nach oben korrigiert, von 0,3 auf 0,4 Prozent. Für viele Volkswirte ist das ein Zeichen, dass die Erholung ausgeprägter läuft als zunächst gedacht.

Außenhandel zieht, Konsum schwächelt

Positive Impulse kamen im zweiten Quartal vom Export. Die Unternehmen verkauften mehr ins Ausland, was das Mini-Wachstum überhaupt erst ermöglichte. Der private Konsum hingegen blieb schwach, weil die zwischenzeitlich stark gestiegene Inflation die Kaufkraft der Haushalte spürbar gedrückt hat. Investitionen gingen zurück, obwohl der Staat mit milliardenschweren Programmen in Straßen, Schienen und Verteidigung pumpt. Volker Treier vom Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) fasst es nüchtern zusammen: Das Wachstum von 0,2 Prozent sei ein erfreuliches Signal, aber kein Befreiungsschlag. Von einem selbsttragenden Aufschwung sei man weit entfernt.

Iran bleibt das große Fragezeichen

Der Konflikt am Persischen Golf hängt wie ein Damoklesschwert über der deutschen Konjunktur. Die Straße von Hormus ist seit Ende Februar faktisch blockiert, was die Öl- und Gaspreise in Bewegung hält. Für eine Volkswirtschaft, die so stark von Rohstoffimporten abhängt wie Deutschland, ist das ein dauerhafter Gegenwind. ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski warnt, eine Ausweitung des Konflikts auf andere Handelswege würde ein neues Risiko für den Aufschwung darstellen. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sieht es anders herum: Die zuletzt verbesserte Unternehmensstimmung zeige, welches Erholungspotenzial vorhanden wäre, falls sich die USA und der Iran einigten und die Meerenge dauerhaft geöffnet würde. Die Bundesbank rechnet damit, dass die kriegsbedingten Belastungen im dritten Quartal geringer ausfallen könnten, sofern sich die Lage nicht weiter zuspitzt. Allerdings würden dann auch stützende Faktoren aus dem zweiten Quartal wegfallen. Das BIP könnte dann etwas schwächer zulegen.

Hoffnungsschimmer bei Ifo und Aufträgen

Die Stimmung in den Unternehmen hat sich laut Ifo-Institut im Juli den dritten Monat in Folge verbessert. Die Industrieaufträge aus dem Ausland zogen an, und die deutschen Exporte legten im Mai bereits den vierten Monat in Folge zu. Die schwarz-rote Koalition einigte sich Anfang Juli auf ein Reformpaket mit Maßnahmen zum Bürokratieabbau, zur Stabilisierung der Sozialabgaben und zur Entlastung von Steuerzahlern. Die Wirtschaft wertet das als Schritt in die richtige Richtung, fordert aber Tempo bei der Umsetzung. Die Commerzbank hat ihre Wachstumsprognose für 2026 bereits von 0,6 auf 1,0 Prozent angehoben.

Was das für DAX-Aktien bedeuten könnte

Drei Wachstumsquartale in Folge, eine aufwärts korrigierte Vorperiode und eine anziehende Exportnachfrage sind solide Argumente für exportlastige DAX-Werte, also Unternehmen aus dem Automobil-, Chemie- und Maschinenbausektor. Gleichzeitig bliebe das Iran-Risiko ein echter Unsicherheitsfaktor. Sollte die Straße von Hormus dauerhaft geöffnet werden, könnte das einen deutlichen Kursschub für zyklische Titel auslösen. Bleibt der Konflikt ungelöst, dürfte der Aufschwung fragil bleiben und die Kurse unter Druck setzen. 2025 war Deutschland mit einem Mini-Plus von 0,2 Prozent gerade noch an einem dritten Nullwachstumsjahr in Folge vorbeigekommen. Der Markt preist derzeit einen vorsichtigen Optimismus ein, der bei einer Eskalation schnell kippen könnte.
Quelle: dpa-AFX

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