Ryanair: Mehr Passagiere - weniger Gewinn

Kosten bremsen
Carsten Kaletta
Der irische Billigflieger Ryanair ist mit einem deutlichen Gewinneinbruch in das neue Geschäftsjahr gestartet. Zwar stiegen Passagierzahl und Umsatz weiter an, doch höhere Treibstoffkosten und sinkende Ticketpreise setzen die Margen unter Druck. Anleger reagieren enttäuscht: Die Aktie verliert satt, und zwar rund 7 %.

Wachstum bleibt intakt – der Gewinn bricht dennoch ein

Auf den ersten Blick wirken die Quartalszahlen durchaus solide. Ryanair beförderte im ersten Quartal 61,3 Millionen Passagiere und damit 6 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Auch der Umsatz legte leicht um 1 % auf 4,4 Milliarden € zu.

Unter dem Strich fällt die Bilanz jedoch deutlich schwächer aus. Der Überschuss sackte um 34 % auf 538 Millionen € ab. Damit zeigt sich, dass steigende Passagierzahlen allein nicht ausreichen, wenn gleichzeitig die Kosten kräftig steigen und die Erlöse je Ticket unter Druck geraten.

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Kerosin wird zum Margenkiller

Größter Belastungsfaktor waren erneut die gestiegenen Treibstoffkosten. Zwar hatte Ryanair einen Großteil seines Kerosinbedarfs über Absicherungsgeschäfte abgesichert, die Preissteigerungen infolge der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten ließen sich jedoch nicht vollständig auffangen.
Hinzu kommt, dass die Airline ihre Tickets im Durchschnitt rund 6 % günstiger verkaufte als noch vor einem Jahr. Mit niedrigeren Preisen versucht Ryanair, die hohe Auslastung zu sichern und Marktanteile zu verteidigen. Kurzfristig funktioniert diese Strategie – sie geht allerdings zulasten der Profitabilität.

Europas Airlines liefern sich Preiskampf

Auch das Marktumfeld bleibt anspruchsvoll. In Europa unterscheiden sich die Ticketpreise je nach Strecke und Anbieter erheblich, gleichzeitig passen viele Fluggesellschaften ihre Kapazitäten und Streckennetze an die schwankende Nachfrage an. Der Wettbewerb bleibt intensiv und dürfte den Preisdruck in den kommenden Monaten hoch halten.

Für Ryanair wird es deshalb entscheidend sein, die Balance zwischen hoher Auslastung und ausreichender Marge zu finden. Denn dauerhaft lassen sich steigende Treibstoff- und Betriebskosten nicht allein über höhere Passagierzahlen kompensieren.

Wachstum ja – Gewinnprognose nein

Für das Gesamtjahr bleibt das Management grundsätzlich optimistisch und erwartet weiterhin steigende Passagierzahlen. Eine konkrete Gewinnprognose für das bis Ende März 2027 laufende Geschäftsjahr liefert Ryanair allerdings nicht.
Das deutet darauf hin, dass das Unternehmen den weiteren Verlauf der Treibstoffpreise und der operativen Kosten derzeit nur schwer einschätzen kann. Entsprechend dürften die kommenden Quartale vor allem zeigen müssen, ob Ryanair die Margenlücke durch konsequentes Kostenmanagement und eine disziplinierte Hedging-Strategie wieder schließen kann.

Anleger schauen jetzt auf die Margen

An der Börse kommen die Zahlen entsprechend nicht gut an. Die Aktie verliert rund 7 % und fällt auf 24,44 €.

Für Investoren rückt nun eine zentrale Frage in den Mittelpunkt: Gelingt es Ryanair, das kräftige Passagierwachstum wieder in steigende Gewinne umzuwandeln? Solange die Ticketpreise unter Druck stehen und die Kosten erhöht bleiben, dürfte genau diese Frage den Kurs bestimmen.

ℹ️ Ryanair in Kürze

  • Ryanair (WKN: A1401Z) mit Hauptsitz in Swords bei Dublin ist Europas größter Billigflieger und gemessen an den Passagierzahlen die größte Airline des Kontinents.
  • Die Fluggesellschaft bedient mit ihrer Flotte mehr als 230 Ziele in über 40 Ländern und setzt konsequent auf ein kostenoptimiertes Low-Cost-Geschäftsmodell.
  • Die Aktie ist an der Euronext Dublin notiert. An der Börse wird Ryanair derzeit mit rund 27,2 Milliarden € bewertet.

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Carsten Kaletta

Fazit

Ryanair bleibt Europas effizientester Billigflieger und verfügt über eine hervorragende Marktposition. Die aktuellen Quartalszahlen zeigen jedoch, dass selbst der Kostenführer steigenden Kerosinpreisen und sinkenden Durchschnittserlösen nicht vollständig entkommen kann.

Kurzfristig dürften deshalb vor allem die Entwicklung der Treibstoffkosten, die Preisentwicklung im europäischen Flugmarkt und die operative Marge über den weiteren Kursverlauf entscheiden. Langfristig bleibt Ryanair ein Qualitätsunternehmen mit guten Wachstumsperspektiven. Nach den aktuellen Zahlen fehlt der Aktie jedoch zunächst der entscheidende Kurstreiber, sodass sich Anleger vorerst in Geduld üben sollten.

Passend dazu: Während viele nur auf die Dividendenrendite schauen, bieten einige Titel derzeit beides – regelmäßige Ausschüttungen und deutliches Aufwärtspotenzial. Hier findest Du zehn konkrete Kandidaten für das kommende Jahr.