ThyssenKrupp-Aktie: Nach Abspaltung wieder Potenzial?
Abspaltung von TK Accelis steht bevor
Der nächste Schritt hin zu einer Holdingstruktur steht unmittelbar bevor. Am 28. Oktober 2026 soll die neue Gesellschaft erstmals im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse notiert werden. Die BaFin hat den Wertpapierprospekt bereits gebilligt.
Die Strategie des Konzerns besteht darin, einzelne Geschäftsbereiche stärker zu verselbstständigen und ihnen mehr unternehmerische Freiheit zu geben. Teilweise werden diese Einheiten anschließend an die Börse gebracht.
Bei TK Accelis erfolgt die Abspaltung im Rahmen eines Spin-offs. Dabei erhalten die bestehenden Aktionäre von ThyssenKrupp für jeweils 20 Aktien eine Aktie der neuen Gesellschaft. Maßgeblich ist grundsätzlich der Aktienbestand am Tag der geplanten Wirksamkeit der Abspaltung, dem 27. Oktober.
Insgesamt werden 49% der Anteile der neuen Gesellschaft an die Thyssenkrupp-Aktionäre übertragen. Der Mutterkonzern behält mit 51% die Mehrheit und bleibt damit strategischer Mehrheitsgesellschafter.
Thyssenkrupp-Chef Miguel López erklärte:
Mit der geplanten Börsennotierung von TK Accelis schaffen wir direkte Beteiligungsmöglichkeiten für unsere Aktionärinnen und Aktionäre an der Entwicklung von TK Accelis und eröffnen dem Geschäft zusätzliche unternehmerische Spielräume.
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Eckdaten von TK Accelis
Hinter der neuen Gesellschaft steht die bisherige Sparte Materials Services. Sie zählt zu den weltweit führenden Werkstoffhändlern und Lieferkettendienstleistern.
Im Geschäftsjahr 2024/25 erzielte der Bereich mit rund 15.400 Mitarbeitern einen Umsatz von 11,4 Milliarden €. Das bereinigte EBIT lag bei 132 Millionen €, entsprechend einer Marge von rund 1,2%.
In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres lag der Umsatz bei rund 9,1 Milliarden € und das bereinigte EBIT bei 178 Millionen €. Damit zeigt sich eine Verbesserung der operativen Entwicklung. Für das laufende Geschäftsjahr wird ein bereinigtes EBIT zwischen 125 und 225 Millionen € erwartet.
Strategisch soll das Geschäft über den klassischen Werkstoffhandel hinaus weiterentwickeln. Im Mittelpunkt steht das Konzept „Materials-as-a-Service“, das neben der Materialversorgung auch Verarbeitung, Logistik sowie datengetriebene und digitale Lieferkettenlösungen umfasst.
Bewertung
Mit der Verselbstständigung der Materialsparte setzt ThyssenKrupp seine Strategie konsequent fort. Der Konzern will aus den bisherigen Geschäftsbereichen eigenständigere Einheiten entwickeln, die ihre Investitionen und ihre Marktstrategie flexibler gestalten können.
Die Abspaltung schafft für Anleger mehr Transparenz. Künftig können sie sowohl die ThyssenKrupp-Aktie als auch die neue TK Accelis-Aktie separat bewerten.
Allerdings sollte man nicht davon ausgehen, dass die Abspaltung allein automatisch einen höheren Gesamtwert erzeugt. Die Aktionäre erhalten zwar zusätzliche Aktien, gleichzeitig wird das Vermögen der Muttergesellschaft durch die Übertragung der Minderheitsbeteiligung entsprechend verändert. Entscheidend ist daher, welchen Wert der Markt beiden Unternehmen nach der Börsennotierung beimisst.
Auch die finanzielle Entwicklung der verbleibenden ThyssenKrupp-Geschäfte bleibt von großer Bedeutung. Der Konzern wird weiterhin maßgeblich von der Stahlsparte und deren Wettbewerbsfähigkeit beeinflusst. Hinzu kommen die Entwicklung der Automotive-Aktivitäten sowie der übrigen industriellen Geschäftsbereiche.
Der Kursverlauf der neuen Gesellschaft selbst bleibt abzuwarten. Im Vergleich zur Abspaltung von TKMS war die öffentliche Aufmerksamkeit bislang geringer. Das bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass die neue Gesellschaft weniger Potenzial besitzt. Ihre vergleichsweise niedrige operative Marge und die konjunkturelle Abhängigkeit des Werkstoffhandels müssen Anleger jedoch berücksichtigen.
ℹ️ Thyssenkrupp in Kürze
- Thyssenkrupp mit Hauptsitz in Essen ist ein diversifizierter Industrie- und Technologiekonzern mit Schwerpunkt in der Stahlherstellung.
- Der Konzern ging 1999 aus der Fusion der beiden Traditionsunternehmen Friedrich Krupp AG und Thyssen AG hervor.
- Thyssenkrupp ist im Nebenwerteindex MDAX notiert und ist aktuell etwa 8,5 Milliarden € wert.
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Fazit
Mit der Börsennotierung verändert sich die Struktur von ThyssenKrupp weiter. Für Aktionäre entsteht dadurch die Möglichkeit, künftig an zwei unterschiedlich ausgerichteten Unternehmen beteiligt zu sein.
Für den Kurs der Muttergesellschaft erwarte ich kurzfristig keine Veränderungen nach oben. Vorerst gehe ich deshalb weiterhin von einer Seitwärtsbewegung in einer breiteren Spanne zwischen 13 und 15 € aus.
Der wichtigste Einflussfaktor bleibt aus meiner Sicht die Stahlsparte. Die ergriffenen EU-Maßnahmen, insbesondere die Zollregelungen, sind in dem Kurs eingepreist.
In diesem Zusammenhang: Regierungen stocken strategische Rohstoffreserven massiv auf – unser Report „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ analysiert zwei Aktien, die Profiteur zu großen Profiteuren werden dürften.