Steyr-Motors-Aktie +21%: Was ist jetzt zu erwarten?
Übernahmeangebot vorgelegt
Bereits Ende Juli fanden Übernahmegespräche zwischen Steyr Motors und dem US-Unternehmen Red Cat statt. Diese wurden allerdings ohne Ergebnis beendet.
Am 19. Oktober wurde schließlich ein verbindliches Übernahmeangebot durch die SMO Acquisition GmbH vorgelegt. Dabei handelt es sich um eine hundertprozentige Tochtergesellschaft von Red Cat.
Der gebotene Übernahmepreis beträgt 39 € je Aktie in bar. Bezogen auf den Schlusskurs der Vorwoche entspricht das einem Aufschlag von rund +29%. Die Mindestannahmeschwelle liegt bei 50% plus einer Aktie. Das Übernahmeangebot gilt bis 18. Dezember.
Die SMO Acquisition GmbH teilte zudem mit, dass bereits eine Vereinbarung mit der Großaktionärin B&C Holding getroffen wurde. Diese will das Angebot annehmen und hält rund 15% der Anteile. Auch Vorstand und Aufsichtsrat von Steyr Motors befürworten die Übernahme. Mit Red Cat sei ein geeigneter strategischer Partner gefunden worden, von dem sich beide Seiten Vorteile für die weitere Entwicklung versprechen.
Julian Cassutti, CEO der Steyr Motors AG, erklärte dazu:
Vier Jahre nach Beginn der Transformation von Steyr Motors freue ich mich sehr darauf, gemeinsam mit Red Cat als strategischem Partner an unserer Seite das nächste Kapitel der Unternehmensentwicklung zu gestalten. Ich unterstütze diesen Schritt und beabsichtige, meine eigenen Steyr-Aktien ebenfalls im Rahmen des Angebots anzudienen.
Tipp: Bleibe mit unserem kostenlosen SD Insider Newsletter immer über die aktuellsten Börsen-Chancen informiert.
Prognose deutlich gesenkt
Bei Verteidigungsaufträgen müssen zunächst die erforderlichen behördlichen Freigaben und Abnahmegenehmigungen vorliegen. Dadurch können sich Aufträge und Auslieferungen verzögern.
Genau dieser Umstand belastete Steyr Motors zuletzt. Im Verteidigungsbereich konnten Umsätze von rund 10 Millionen € aufgrund verzögerter Freigaben nicht wie ursprünglich geplant realisiert werden.
In der Folge musste das Unternehmen seine Jahresprognose deutlich reduzieren. Statt eines bislang erwarteten Jahresumsatzes von 75 bis 95 Millionen € werden nun nur noch 55 bis 61 Millionen € in Aussicht gestellt.
Auch die Prognose für die EBIT-Marge wurde angepasst. Anstelle der bisherigen Spanne von 15 bis 25% erwartet das Unternehmen nun lediglich 8 bis 12%. Darüber hinaus wurde die bisherige mittelfristige Prognose vollständig zurückgezogen.
Die schwächeren Geschäftsaussichten dürften den Druck auf die Aktie zuletzt erhöht haben. Vor diesem Hintergrund bietet das Übernahmeangebot den Aktionären nun eine konkrete Ausstiegsmöglichkeit zu einem festgelegten Preis.
Bewertung
Das Übernahmeangebot kommt durchaus überraschend. Die bereits im Juli geführten Gespräche waren ohne Ergebnis beendet worden. Dies deutet darauf hin, dass sich die Parteien damals nicht einigen konnten. Über die konkreten Gründe für den Abbruch ist allerdings nichts bekannt.
Die Chancen, dass die Mindestannahmeschwelle erreicht wird, erscheinen angesichts der Unterstützung durch die B&C Holding (Aktienanteil von 15%) und das Management grundsätzlich gut. Eine Garantie dafür gibt es jedoch nicht.
Auf den ersten Blick scheinen die beiden Unternehmen unterschiedliche Geschäftsschwerpunkte zu haben. Red Cat ist vor allem im Drohnenbereich tätig, während Steyr Motors leistungsfähige Spezialmotoren herstellt, unter anderem für maritime Anwendungen.
Bei genauerer Betrachtung ergeben sich jedoch mögliche Synergien. Red Cat entwickelt neben unbemannten Luftfahrzeugen auch unbemannte Wasserfahrzeuge. Die Motorentechnologie von Steyr könnte daher für bestimmte Anwendungen interessant sein. Ob daraus tatsächlich ein wesentlicher wirtschaftlicher Vorteil entsteht, muss sich allerdings erst zeigen. Steyr übernahm im Februar mit der BUKH einen Spezialisten für unbemannte Schiffe.
Dass der aktuelle Kurs noch deutlich unter dem Übernahmepreis liegt, könnte darauf hindeuten, dass die Anleger noch nicht überzeugt sind. Einige könnten auf einen höheren Übernahmepreis spekulieren.
ℹ️ Steyr Motors in Kürze
- Die Steyr Motors AG (WKN: A40TC4) ist ein weltweit führendes Unternehmen in der Entwicklung und Produktion von Hochleistungs-Motoren. Diese werden vorwiegend in militärischen Spezialfahrzeugen, Booten (sowohl militärisch als auch zivil) sowie als Hilfsaggregate für Kampfpanzer und Lokomotiven eingesetzt werden.
- Der Hauptsitz ist im österreichischen Steyr, das Unternehmen agiert weltweit.
- Größte Aktionärin bleibt die Beteiligungsgesellschaft Mutares.
- Die Börsennotierung im Scale-Segment erfolgt im Oktober 2024, die Börsenbewertung liegt aktuell bei 193 Millionen €.
Steyr Motors kaufen, halten oder verkaufen? Unsere Experten-Redaktion berichtet regelmäßig über Steyr Motors und informiert Dich in Echtzeit, wenn Handlungsbedarf besteht. Aktiviere dafür einfach unseren kostenlosen Aktien-Alarm und sichere Dir Deinen persönlichen Informationsvorsprung.
Steyr Motors weiterverfolgen – jetzt kostenlosen Aktien-Alarm aktivieren »
Fazit
Aus meiner Sicht spricht einiges dafür, dass die erforderliche Annahmeschwelle erreicht werden könnte. Ein Neueinstieg nach dem heutigen Kurssprung erscheint mir wenig attraktiv. Wer bereits investiert ist, kann das Angebot annehmen oder zunächst abwarten. Ob es tatsächlich zu einer vollständigen Übernahme kommt, bleibt jedoch offen.
Der Aktienkurs dürfte sich zunehmend am Angebotspreis von 39 € orientieren. Ein erhöhter Übernahmepreis dürfte unwahrscheinlich sein. Im Hinblick auf die bisherige Kursentwicklung halte ich den genannten Übernahmepreis für gerechtfertigt.
Am Rande erwähnt: Die globale Aufrüstung treibt die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen – unser exklusiver Report „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ identifiziert zwei Unternehmen, die von dieser Entwicklung maximal profitieren werden.