Stellantis-Aktie: Ist es das lang ersehnte Comeback?
Endlich wieder schwarze Zahlen
Stellantismeldete für das zweite Quartal 2026 einen Umsatzanstieg um 13% auf 43,5 Milliarden € und einen Nettogewinn von 293 Millionen €, nach einem Verlust von fast 1,9 Milliarden € im Vorjahresquartal. Seit der Einleitung der E-Auto-Ära 2025 hatte Stellantis seinen Glanz verloren. Es folgte ein extremer Einbruch mit einem Nettoverlust von 22,3 Milliarden €, weil der Konzern seine Elektrostrategie und Lagerbestände radikal neu ausrichten musste. Das schickte den Kurs in den Sinkflug bis zum Allzeit-Tief Anfang Juli 2026 von 4,72 € die Aktie.
Heute notiert die Aktie bei rund 5 € nach Meldung der Quartalszahlen, doch der Sinkflug scheint noch nicht vorbei zu sein, denn einen wunden Punkt gibt es noch neben den positiven Zahlen: Der Margen-Rückgang. Gegenüber Q1 schrumpfte die Marge von 2,5% auf mickrige 1,8%. Das operative Ergebnis wuchs zwar absolut, aber langsamer als der Umsatz – ein erster Hinweis darauf, dass ein Teil des Wachstums über Volumen und günstigere Vergleichsbasis kam, nicht über höhere Profitabilität. Und das mögen die Anleger natürlich nicht, weswegen der Kurs heute ein weiteres Mal um rund -4% einbrach.
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Europa bleibt in der Verlustzone
Getragen wurde die Gewinnerholung fast ausschließlich von Nordamerika, während das Europa-Geschäft nach wie vor operativ Verluste schreibt. Das ist bemerkenswert, denn der europäische Automarkt selbst zeigt Rückenwind: Laut Branchenverband Acea steigerten Stellantis-Marken ihre EU-Neuzulassungen im Juni um 7% und behaupteten Platz zwei im Markt, mit besonders starkem Wachstum bei Elektro- und Hybridfahrzeugen.
Absatzerfolg und Ertragskraft klaffen in Europa also auseinander. Das spricht von einem Kostenproblem, das durch Preisdruck, hohe Werksauslastungskosten und die teure Elektrifizierung entsteht. Genau hier zeigt sich, warum Stellantis-CEO Filosa parallel den Verkauf der Carsharing-Sparte Free2move an Mutares eingefädelt hat. Kapital soll konsequent aus randständigen, margenschwachen Aktivitäten abgezogen und auf ertragsstärkere Marken, Regionen und Technologien konzentriert werden – ein klares Bekenntnis zur Fokussierung statt Breite. Das kennen wir ja bereits von anderen Automarken wie Porsche.
Günstig, aber der Markt bleibt vorsichtig
Bei einem erwarteten KGV von 5,7 ist Stellantis weiterhin einer der günstigsten Large-Cap-Autowerte Europas – nach den heutigen Zahlen dürfte sich das KGV sogar noch etwas verbilligen, da die Gewinnschätzungen für das Gesamtjahr durch das bestätigte Management-Ziel eher steigen als fallen.
Chartbild: Bodenbildung ja, Trendwende nein
Charttechnisch bleibt das Bild gespalten: Die Aktie befindet sich seit dem 15. Januar 2026 in einem intakten langfristigen Abwärtstrend, der bislang rund -43% Kursverlust gebracht hat, und notiert weiterhin etwa -30% unter ihrer 200-Tage-Linie. Der große Trend scheint damit noch nicht gebrochen. Positiv: Der Kurs hat sich zuletzt bei rund 5 € stabilisiert, deutlich über dem 52-Wochen-Tief.
Meine Einschätzung: Ein erneuter Test der Tiefs im Bereich von 5 € ist möglich, sollte sich das Europa-Problem nicht bessern oder neue Rückrufkosten anfallen. Ein Bruch dieser Marke nach unten wäre ein ernstes Warnsignal. Für eine nachhaltige Trendwende müsste die Aktie dagegen über die 200-Tage-Linie zurückerobern, was aktuell noch ein gutes Stück entfernt liegt.
ℹ️ Stellantis in Kürze
- Die niederländische Stellantis N.V. (WKN: A2QL01) ist der Dachkonzern von 14 Automarken. Zu den bekanntesten gehören Chrysler, Fiat, Opel und Peugeot.
- Stellantis entstand 2021 durch die Fusion des italienisch-amerikanischen Konzerns Fiat/Chrysler mit dem französischen Autobauer Peugeot.
- Die Dachgesellschaft hat ihren Sitz im niederländischen Hoofddorp, die Zentralen der Autokonzerne befinden sich in den jeweiligen Ländern. Hauptabsatzmärkte von Stellantis sind Europa und die USA.
- Stellantis ist Mitglied im europäischen Leitindex EuroStoxx 50 und aktuell ca. 19,9 Milliarden € wert.
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Fazit
Die Zahlen sind ein handfester Beweis, dass der Turnaround real ist. Für mich bleibt die Aktie bei ihrem niedrigen erwarteten KGV ein Kauf für geduldige Value-Anleger – vorausgesetzt, man akzeptiert, dass Europa noch eine offene Baustelle ist.
Hier sei erwähnt: Wer 2026 von den Mega-Trends Robotik, Quantencomputing und KI-Cloud profitieren möchte, findet in Jahresendspurt: 3 Trend-Aktien fürs Schlussquartal 2026 drei außergewöhnliche Investmentchancen für sein Portfolio.