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Commerzbank-Aktie: 500 Millionen € KI-Chance – doch hier lauert die Falle!

Operatives Geschäft im Blick
Vincent Uhr
Die Commerzbank will von 2030 an jährlich rund 500 Millionen € zusätzlichen Wertbeitrag durch künstliche Intelligenz erzielen. Dafür plant sie bis zum Ende des Jahrzehnts Investitionen von insgesamt etwa 600 Millionen €. Für die bei rund 39 € notierende Commerzbank-Aktie wäre das ein weiterer Gewinnhebel. Allerdings könnte dieselbe Technologie zugleich eine der wichtigsten Ertragsquellen der Bank unter Druck setzen.

600 Millionen € für 500 Millionen € pro Jahr

Die Größenordnung lässt aufhorchen: Gelingt der Plan, würde der jährliche KI-Beitrag ab 2030 fast an die gesamten Investitionen der fünf vorangegangenen Jahre heranreichen. Dabei setzt die Commerzbank nicht nur auf einen allgemeinen Produktivitätsschub.

KI-Agenten sollen unter anderem Kontowechsel vorbereiten, Kundendokumente prüfen und Teile der Legitimationsprozesse übernehmen. In der Kreditvergabe kann die Technologie Geschäftsberichte und weitere Unterlagen schneller auswerten. Hinzu kommen Anwendungen zur Betrugserkennung, Geldwäscheprävention und Erstellung von Verträgen.

Mit Microsoft Copilot und Google Gemini Enterprise stehen den Mitarbeitern bereits zwei KI-Plattformen zur Verfügung. Im ersten Halbjahr legte die Bank zudem rund 10% ihrer bisherigen IT-Systeme still und verlagerte Kapazitäten in die Kundenberatung. Die geplanten Einsparungen sind damit mehr als ein langfristiges Versprechen.

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Das Wachstum finanziert den Umbau

Operativ besitzt die Commerzbank ausreichend Spielraum für die Investitionen. Die Erträge erhöhten sich im ersten Halbjahr um 7% auf 6,5 Milliarden €. Der Nettogewinn sprang um 40% auf 1,81 Milliarden €, während die Kosten lediglich um knapp 2% auf 3,45 Milliarden € zulegten.

Die Aufwand-Ertrags-Quote verbesserte sich einschließlich der verpflichtenden Abgaben von 56 auf 53%. Ohne diese Belastungen lag sie sogar bei 50%. Der Netto-Provisionsüberschuss wuchs um 8%, wodurch die Bank ihre Abhängigkeit vom Zinsgeschäft langsam reduziert.

Für das Gesamtjahr erwartet das Management Erträge von rund 13,2 Milliarden €, Kosten von etwa 7 Milliarden € und einen Nettogewinn von mindestens 3,4 Milliarden €. Der Nettozinsüberschuss soll ungefähr 8,6 Milliarden € erreichen.

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KI bedroht ausgerechnet das Zinsgeschäft

Genau darin liegt jedoch die Kehrseite. Der Nettozinsüberschuss dürfte 2026 rund 65% der gesamten Erträge ausmachen. Die Commerzbank verdient erheblich daran, dass Kunden große Beträge auf niedrig verzinsten Giro- und Tagesgeldkonten liegen lassen.

Künftige KI-Assistenten könnten solche Guthaben automatisch analysieren und zu höher verzinsten Konten, Geldmarktfonds oder konkurrierenden Banken verschieben. Einlagen würden damit deutlich preissensibler. Banken müssten ihren Kunden höhere Zinsen zahlen, wodurch die Marge zwischen Kredit- und Einlagenzins sinkt.

Dieses Risiko betrifft die gesamte Branche, für ein stark vom Zinsgeschäft abhängiges Institut wie die Commerzbank aber besonders. Immerhin zeigt die Bank bislang eine gute Steuerung ihrer Einlagen: Im deutschen Privat- und Unternehmerkundengeschäft stieg der Zinsüberschuss im zweiten Quartal um 10% auf 650 Millionen €.

ℹ️ Commerzbank in Kürze

  • Die Commerzbank (WKN: CBK100) ist eine Universalbank mit Sitz in Frankfurt am Main. Gemessen an der Bilanzsumme ist sie das viertgrößte Geldhaus Deutschlands.
  • Das Bankinstitut betreut rund elf Millionen Privat- und Firmenkunden in Deutschland und Europa und besitzt mit rund 400 Filialen eines der dichtesten Filialnetze aller deutschen Privatbanken.
  • Die Aktie ist im DAX gelistet, an der Börse ist die Commerzbank derzeit aktuell mit 42,5 Milliarden € bewertet.

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Vincent Uhr

Fazit

Die geplanten 500 Millionen € jährlicher KI-Beitrag sind ein attraktiver zusätzlicher Gewinnhebel. Gleichzeitig darf die Commerzbank die möglichen Belastungen für ihre Einlagenmargen nicht unterschätzen. Angesichts des kräftigen Gewinnwachstums, steigender Provisionserträge und sinkender Kostenquoten überwiegen für mich bei rund 39 € weiterhin die Chancen – die Aktie bleibt haltenswert. Einen Neueinstieg strebe ich aufgrund des möglichen Unicredit-Deals nicht an.