Salesforce-Aktie +22%: Ist die SaaSpocalypse Geschichte?!
Der Auftragsbestand liefert das stärkere Signal
Der Quartalsumsatz stieg um +11% auf 11,35 Milliarden US$. Darin steckten allerdings 456 Millionen US$ aus der Übernahme von Informatica. Ohne diesen Beitrag hätte Salesforce organisch nur um gut +6% zugelegt. Von einer plötzlichen Wachstumsbeschleunigung im Kerngeschäft kann daher noch keine Rede sein.
Wichtiger war der kurzfristige Auftragsbestand. Die sogenannten Current Remaining Performance Obligations erhöhten sich währungsbereinigt um +14% auf 33,5 Milliarden US$ und übertrafen die eigene Prognose um einen Prozentpunkt. Der gesamte noch nicht realisierte Auftragsbestand erreichte 66,3 Milliarden US$.
Nach Angaben des Managements wuchs das neu abgeschlossene jährliche Auftragsvolumen so kräftig wie seit vier Jahren nicht mehr. Gleichzeitig blieb die Kundenabwanderung auf einem historisch niedrigen Niveau. Wären Unternehmen tatsächlich dabei, Salesforce durch selbst entwickelte KI-Agenten zu ersetzen, müssten sich diese Effekte zuerst bei Vertragsverlängerungen und Neuaufträgen zeigen. Das Gegenteil ist derzeit der Fall.
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Agentforce wird zu einem echten Geschäft
Agentforce und Data 360 erreichten gemeinsam einen wiederkehrenden Jahresumsatz von knapp 3,9 Milliarden US$. Das entspricht einem Wachstum von mehr als +210%. Agentforce allein überschritt 1,5 Milliarden US$ und legte um mehr als +240% zu, wobei Salesforce die Definition der Kennzahl inzwischen um Slackbot und weitere KI-Angebote erweitert hat.
Auch die tatsächliche Nutzung steigt. Im zweiten Quartal verarbeiteten Agentforce und Slack 3,2 Milliarden sogenannte Agentic Work Units – +97% mehr als im Vorquartal. Salesforce beginnt damit, neben klassischen Nutzerlizenzen auch die Arbeit autonomer KI-Agenten verbrauchsabhängig abzurechnen.
Die erweiterte Kooperation mit Anthropic passt zu dieser Strategie. Über „Claudeforce“ sollen Claude-Modelle direkt auf Unternehmensdaten und Arbeitsabläufe innerhalb von Salesforce zugreifen. Salesforce muss folglich nicht das weltweit beste Sprachmodell entwickeln. Der Konzern kontrolliert vielmehr die Kundendaten, Berechtigungen und Geschäftsprozesse, die KI-Agenten für verlässliche Ergebnisse benötigen.
Die Bewertung bleibt vertretbar
Nach dem Kurssprung liegt der Börsenwert bei rund 220 Milliarden US$. Salesforce erwartet für das laufende Geschäftsjahr einen GAAP-Gewinn zwischen 10,21 und 10,25 US$ je Aktie. Daraus ergibt sich ein KGV von knapp 25. Auf Basis des bereinigten Gewinnziels von 16,67 bis 16,71 US$ beträgt der Faktor lediglich rund 15.
Die bereinigte Kennzahl ist allerdings mit Vorsicht zu betrachten. Sie blendet unter anderem aktienbasierte Vergütungen von voraussichtlich 4,96 US$ je Aktie aus. Auch der überraschend hohe Quartalsgewinn profitierte mit 2,53 US$ je Aktie von Wertsteigerungen strategischer Beteiligungen. Operativ lag der bereinigte Gewinn bei ungefähr 3,37 US$ und damit rund +16% über dem Vorjahreswert.
Überzeugender ist der Cashflow. In den vergangenen zwölf Monaten erwirtschaftete Salesforce etwa 15,2 Milliarden US$ freien Cashflow. Daraus ergibt sich trotz der Rallye eine Free-Cashflow-Rendite von knapp 7%. Das laufende Aktienrückkaufprogramm über 25 Milliarden US$ reduziert zusätzlich die Zahl der ausstehenden Aktien.
ℹ️ Salesforce in Kürze
- Salesforce (WKN: A0B87V) mit Sitz in San Francisco ist der weltweit führende Anbieter von Customer Relationship Management Software-Lösungen (Unternehmenssoftware für das Management von Kundenbeziehungen).
- Der Konzern bietet Unternehmen jeder Größe Cloud-basierte Lösungen in den Bereichen Kundenservice, Marketing und Vertrieb.
- Der im Dow Jones gelistete Software-Konzern ist an der Börse ca. 206 Milliarden US$ wert.
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Fazit
Die „SaaSpocalypse“ war übertrieben. Salesforce zeigt, dass etablierte SaaS-Plattformen mit ihren Daten und Kundenbeziehungen von KI profitieren können. Nach +22% würde ich der Aktie nicht hinterherlaufen. Mit einem bereinigten KGV von rund 15 und einer Free-Cashflow-Rendite von knapp 7% bleibt sie bei Rücksetzern definitiv interessant!