Quelle: ChatGPT

Rheinmetall-Aktie über 1.000 €: 80 Milliarden Gründe für die Wende?

Runde Marke im Visier
Vincent Uhr
Die Rheinmetall-Aktie hat die Marke von 1.000 € zurückerobert, notiert aber weiterhin fast 50% unter ihrem Rekordhoch von 1.988 €. Für eine nachhaltige Erholung ist die psychologische Kursmarke weniger wichtig als die Frage, wie viel Gewinn und Cashflow Rheinmetall aus seinem gewaltigen Auftragsbestand herausholen kann. Operativ stehen die Chancen gut – risikolos ist die Aktie dennoch nicht.

Der neue Auftrag ist vor allem ein Signal

Ein internationaler Kunde hat eine fünfstellige Zahl von Artilleriegeschossen im Kaliber 155 Millimeter bestellt. Der Auftragswert liegt im niedrigen dreistelligen Millionenbereich, die Auslieferung soll 2027 abgeschlossen werden.

Gemessen am Rheinmetall-Backlog von 80,5 Milliarden € bewegt dieser Vertrag die Bewertung kaum. Er zeigt aber, dass die Nachfrage auch abseits deutscher Großprojekte hoch bleibt. Der Konzern will seine jährliche Kapazität für 155-Millimeter-Geschosse bis 2030 auf rund 1,5 Millionen Stück steigern.

Das ist wichtig, weil die Stornierung des deutschen F126-Fregattenprogramms zuletzt die Abhängigkeit von politischen Beschaffungsentscheidungen offengelegt hat. Rheinmetall musste seine Umsatzprognose für 2026 deshalb um 300 Millionen € auf 13,7 bis 14,2 Milliarden € reduzieren.

Am Rande erwähnt: Die globale Aufrüstung treibt die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen – unser exklusiver Report „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ identifiziert zwei Unternehmen, die von dieser Entwicklung maximal profitieren werden.

Umsatz und Marge wachsen beeindruckend

Im ersten Halbjahr steigerte Rheinmetall den Umsatz um 39% auf 5,23 Milliarden €. Das operative Ergebnis legte mit 74% deutlich stärker auf 786 Millionen € zu, wodurch sich die operative Marge von 12,1 auf 15% verbesserte.

Im zweiten Quartal erreichte die Marge mit 17,1% sogar einen Rekordwert. Für das Gesamtjahr erwartet das Management weiterhin ein organisches Umsatzwachstum von 28 bis 31% und rund 19% operative Marge. Der Verlust des F126-Programms hat die langfristige Wachstumsstory damit bislang lediglich gebremst, aber nicht grundsätzlich beschädigt.

Der Auftragsbestand stieg innerhalb eines Jahres um 44% auf 80,5 Milliarden €. Anleger sollten allerdings beachten, dass Rheinmetall darin neben festen Bestellungen auch erwartete Abrufe aus Rahmenverträgen berücksichtigt. Nicht jeder ausgewiesene Euro wird deshalb automatisch und zum vorgesehenen Zeitpunkt zu Umsatz.

Die größte Schwachstelle bleibt der Cashflow. Aufgrund höherer Vorräte, steigender Investitionen und zeitlich verschobener Kundenanzahlungen lag der operative freie Cashflow im ersten Halbjahr bei -1,62 Milliarden €. Der Kapazitätsausbau ist notwendig, bindet momentan aber erhebliche Mittel.

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Analystenziele setzen eine perfekte Umsetzung voraus

Nach dem Kurssturz wird Rheinmetall auf Basis der erwarteten Gewinne mit einem Forward-KGV von rund 23 bewertet. Das ist für einen Industriekonzern weiterhin anspruchsvoll, erscheint angesichts des erwarteten Wachstums und der steigenden Margen aber nicht überzogen.

Die Analysten bleiben ausgesprochen optimistisch. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei etwa 1.645 €, während UBS 1.600 € und Goldman Sachs sogar 2.300 € nennt. Letzteres würde jedoch voraussetzen, dass Rheinmetall seine neuen Kapazitäten schnell auslastet, den Auftragsbestand zuverlässig umsetzt und den Cashflow deutlich verbessert.

Genau hier liegt der Unterschied zwischen einer attraktiven Wachstumsaktie und einer sicheren Turnaround-Wette. Die Nachfrage ist vorhanden, doch Produktion, Lieferketten und staatliche Beschaffungsentscheidungen müssen mitspielen.

ℹ️ Rheinmetall AG in Kürze

  • Rheinmetall (WKN: 703000) ist ein deutscher Rüstungskonzern und Automobilzulieferer mit Sitz in Düsseldorf.
  • Nach Airbus ist Rheinmetall der zweitgrößte deutsche Hersteller von Rüstungsgütern.
  • Schwerpunkte der Waffenproduktion sind militärische Rad- und Kettenfahrzeuge wie Kampf- und Schützenpanzer sowie Munition.
  • Rheinmetall ist Mitglied in den Leitindizes DAX und EuroStoxx 50. Der Börsenwert liegt aktuell bei 46,7 Milliarden €.

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Vincent Uhr

Fazit

Der Kursrückgang erscheint mir angesichts des enormen Auftragsbestands, der starken Margenentwicklung und des hohen strukturellen Wachstums zu weit gegangen. Bei knapp über 1.000 € ist eine erste Position vertretbar – wegen des schwachen Cashflows und möglicher weiterer Projektverzögerungen würde ich allerdings gestaffelt einsteigen.