Nvidia-Aktie: Analyst sieht KI-Abverkauf als Fehlalarm
Nach dem KI-Schock bleibt Wall Street überraschend bullish
Am Montag wurden Nvidia und andere Chipwerte noch kräftig verkauft. Auslöser waren neue Warnungen aus der KI-Branche selbst. Anthropic-Chef Dario Amodei hatte mehr Sicherheitsmaßnahmen und ein langsameres Entwicklungstempo gefordert, auch andere große Namen wie Sam Altman griffen die Diskussion auf. Der Halbleiterindex verlor daraufhin fast -6% und Nvidia geriet ebenfalls unter Druck.
An der grundsätzlichen Einschätzung vieler Analysten hat das bisher wenig geändert. Goldman Sachs bestätigte erst vergangene Woche die Kaufempfehlung und ein Kursziel von 300 US$. Vom jüngsten Kurs um 212 US$ wären das noch gut +40% Luft nach oben. Goldman verweist dabei weiterhin auf den riesigen Markt für KI-Infrastruktur und die hohe Nachfrage nach Rechenleistung.
Auch darüber hinaus bleibt die Stimmung ziemlich positiv. BMO Capital sieht 340 US$, Cantor Fitzgerald sogar 350 US$. Der durchschnittliche Zielkurs von 58 erfassten Analysten liegt derzeit bei rund 329 US$. Die KI-Sorgen werden an der Wall Street also durchaus ernst genommen, bisher sieht aber kaum jemand einen echten Einbruch bei den Investitionen.
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Die große Angst vor weniger KI-Ausgaben bekommt Gegenwind
Hinter dem jüngsten Abverkauf steckt vor allem eine Frage: Was passiert mit Nvidia, wenn die großen KI-Labore tatsächlich etwas langsamer entwickeln? Das würde den Konzern natürlich treffen, wenn dadurch weniger neue Rechenzentren gebaut und weniger GPUs bestellt werden.
Bisher sieht es allerdings nicht danach aus, als würden die Investitionen plötzlich wegbrechen. Gabelli-Fondsmanager Hendi Susanto verweist darauf, dass viele Kunden weiterhin mehrjährige Lieferverträge abschließen und die Nachfrage nach KI-Infrastruktur das Angebot auch im kommenden Jahr übersteigen dürfte.
Dazu verschiebt sich die Nutzung von KI immer stärker vom reinen Training neuer Modelle hin zur sogenannten Inference. Dabei laufen bereits trainierte Modelle dauerhaft in Anwendungen, Agenten oder Unternehmenssoftware. Auch dafür wird sehr viel Rechenleistung gebraucht.
Bank of America hält die jüngste Angst deshalb ebenfalls für überzogen und sieht den Rücksetzer bei großen Tech-Werten eher als mögliche Kaufchance. Die Analysten rechnen nicht damit, dass der globale Wettbewerb um KI plötzlich stoppt.
Apple könnte Nvidia-Technologie in eigene Server holen
Eine neue Meldung vom Mittwoch passt ziemlich gut dazu, wie Nvidia versucht, sich breiter im KI-Markt aufzustellen. Apple prüft laut The Information offenbar einen Wiedereinstieg in das Servergeschäft und könnte dabei auf Nvidias NVLink Fusion setzen. Reuters konnte die Angaben bislang nicht unabhängig bestätigen.
Apple soll zwar eigene M8-Ultra-Chips für die geplanten KI-Server entwickeln, Nvidias Technik könnte aber dafür genutzt werden, diese Chips innerhalb größerer Rechensysteme miteinander zu verbinden.
Für Nvidia wäre das eine ziemlich interessante Entwicklung. Der Konzern versucht schon länger, nicht mehr nur möglichst viele eigene GPUs zu verkaufen, sondern auch die Infrastruktur rund um KI-Rechenzentren zu kontrollieren. Mit NVLink Fusion können sogar Chips anderer Hersteller in Nvidias Netzwerk- und Serverarchitektur eingebunden werden.
Auch das Chip-Startup d-Matrix will diese Technik bereits für seine eigenen Inference-Chips nutzen. Damit könnte Nvidia selbst dann mitverdienen, wenn Unternehmen bei einzelnen Aufgaben eigene Prozessoren oder Chips von Konkurrenten einsetzen.
Die Zahlen geben den Analysten bisher genug Argumente
Beim letzten Quartal war von einer schwächeren KI-Nachfrage jedenfalls noch wenig zu sehen. Nvidia steigerte den Umsatz um 106% auf 96,2 Milliarden US$. Allein das Data-Center-Geschäft brachte 89 Milliarden US$ ein und wuchs um 117%. Für das laufende Quartal erwartet der Konzern bereits rund 108 Milliarden US$ Umsatz.
Auch der Ausblick fiel ziemlich kräftig aus. Nvidia rechnet für das kommende Geschäftsjahr mit einem Umsatzwachstum von etwa 70%. Damit liegt die eigene Prognose weit über dem, was Analysten zuvor erwartet hatten.
Ein Problem bleibt die Versorgung mit Speicherchips und anderen Komponenten. Die hohe Nachfrage trifft weiterhin auf begrenzte Kapazitäten, was auch auf die Margen drücken kann. Gleichzeitig zeigt diese Knappheit aber, dass die Bestellungen momentan noch nicht das eigentliche Problem sind.
ℹ️ Nvidia Corporation in Kürze
- Die Nvidia Corporation (WKN: A1K023) ist einer der weltweit größten Entwickler von Grafikprozessoren und Chipsätzen.
- Die Chips und Prozessoren des Konzerns kommen in Personal Computern, Spielekonsolen, Rechenzentren und autonom fahrenden Autos zum Einsatz.
- Das in Santa Clara im US-Bundesstaat Kalifornien beheimatete Unternehmen ist Marktführer im Bereich Hochleistungschips für Anwendungen auf Basis künstlicher Intelligenz.
- Nvidia ist Mitglied in den US-Indizes Nasdaq 100, S&P 500 und Dow Jones und ist aktuell mit rund 5,15 Billionen US$ das wertvollste Unternehmen der Welt.
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Fazit
Die neue KI-Debatte hat Nvidia ordentlich durchgeschüttelt, bei den Analysten bleibt der Ton aber weiter klar positiv. Goldman Sachs sieht die Aktie bei 300 US$, andere Häuser sogar noch höher. Mit der möglichen Apple-Nutzung von NVLink Fusion kommt zusätzlich eine Meldung dazu, die gut zeigt, wie breit Nvidia seine Technik inzwischen positioniert. Selbst wenn Unternehmen teilweise eigene Chips entwickeln, kann Nvidia über Verbindungen, Netzwerktechnik und ganze Rechenzentrumsplattformen weiter mitverdienen.