Novo-Nordisk-Aktie: Droht 2027 die nächste Gewinnfalle?
Der Umsatz bleibt drei Jahre praktisch stehen
Novo Nordisk erzielte 2025 einen Umsatz von 309,1 Milliarden DKK. Für 2026 rechnen Analysten derzeit nur noch mit rund 299 Milliarden DKK. Im kommenden Jahr sollen die Erlöse zwar wieder auf etwa 304 Milliarden DKK steigen, lägen damit aber weiterhin unter dem Niveau von 2025.
Von einer überzeugenden Rückkehr zum Wachstum könnte folglich keine Rede sein. Gleichzeitig wird für 2027 ein geringerer Gewinn je Aktie als für 2026 erwartet. Verantwortlich sind vor allem niedrigere Preise in den USA, steigende Rabatte, der Wettbewerb mit Eli Lilly und die zunehmende Verfügbarkeit günstigerer Semaglutid-Produkte in einzelnen Märkten.
Das starke zweite Quartal relativiert diese Sorgen nur teilweise. Der bereinigte Umsatz stieg um +7% auf 78,5 Milliarden DKK und das operative Ergebnis um +11% auf 33,4 Milliarden DKK. Allerdings half eine vorteilhafte Anpassung früherer US-Rabatte. Gleichzeitig sank die bereinigte Bruttomarge von 82,7 auf 78,2%. Neben niedrigeren Verkaufspreisen belasteten Kosten von rund 3 Milliarden DKK für die Anpassung von Produktionsvereinbarungen.
Für das Gesamtjahr erwartet Novo Nordisk trotz der verbesserten Prognose weiterhin einen währungsbereinigten Rückgang von Umsatz und operativem Gewinn um bis zu -6%.
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Die erhoffte Diversifikation fällt aus
Zusätzlich verliert Novo Nordisk einen möglichen Wachstumstreiber außerhalb des GLP-1-Geschäfts. Ziltivekimab sollte das Risiko schwerer Herz-Kreislauf-Ereignisse bei Menschen mit Gefäß- und Nierenerkrankungen senken. In der Phase-3-Studie ZEUS betrug das Risikoverhältnis jedoch 0,99 – die Therapie war damit praktisch nicht besser als das Placebo.
Der Wirkstoff senkte zwar erwartungsgemäß bestimmte Entzündungsmarker, daraus entstand aber kein klinischer Nutzen. Gleichzeitig traten schwerwiegende Infektionen häufiger auf. Zwei weitere Phase-3-Studien laufen noch und sollen im ersten Halbjahr 2027 Ergebnisse liefern. Die Deutsche Bank betrachtet Ziltivekimab nach dem ZEUS-Fehlschlag dennoch als wirtschaftlich weitgehend bedeutungslos.
Das verschärft die Abhängigkeit von Diabetes- und Adipositasprodukten, die zuletzt 93% des Konzernumsatzes ausmachten. Genau dort wächst der Preisdruck, während später auslaufende Semaglutid-Patente zusätzliche Konkurrenz ermöglichen.
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Die Sell-Einstufung ist nicht alternativlos
Trotzdem steht die Deutsche Bank mit ihrer Einschätzung eher am pessimistischen Rand. Das durchschnittliche Analystenziel liegt bei knapp 310 DKK, die Spanne reicht von 203 bis 457 DKK. Allerdings signalisiert auch der Durchschnitt kaum Kurspotenzial.
Finanziell bleibt Novo Nordisk ausgesprochen robust. Im ersten Halbjahr entstanden 55,3 Milliarden DKK freier Cashflow. Gleichzeitig flossen 41,2 Milliarden DKK über Dividenden und Aktienrückkäufe an die Anteilseigner zurück. Diese Kapitalstärke begrenzt das Risiko, löst aber das Wachstumsproblem nicht.
ℹ️ Novo Nordisk in Kürze
- Novo Nordisk (WKN: A3EU6F) mit Sitz in Bagsværd bei Kopenhagen produziert und vermarktet pharmazeutische Produkte und Dienstleistungen.
- Der Konzern ist der weltweit führende Hersteller von Insulin. Fast jedes dritte Diabetes-Präparat weltweit stammt vom dänischen Pharmakonzern. Außerdem ist Novo Nordisk in den Bereichen Blutgerinnungsmedikamente und Hormonersatztherapien aktiv.
- Darüber hinaus ist Novo Nordisk eines der weltweit führenden Unternehmen in der Herstellung von Adipositas-Medikamenten (Mittel zur Gewichtsabnahme).
- Das Unternehmen wird aktuell mit rund 176 Milliarden € bewertet – inklusive der nicht handelbaren A-Aktien.
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Fazit
Die Aktie ist günstig geworden, doch fehlendes Gewinnwachstum bleibt die große Sorge. Meiner Meinung nach übertreiben solche Prognosen aber. Diabetes ist ein Wachstumsmarkt. Genauso Adipositas und in beiden Bereichen bleibt Novo Nordisk gut positioniert. Meine These bleibt daher, dass das ausbleibende Wachstum eine Übergangsphase ist. Bei der jetzigen Bewertung ist das Negative eingepreist und die Turnaround-Geschichte dürfte meiner Meinung nach in 6 bis 12 Monaten anfangen zu greifen.