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Novo-Nordisk-Aktie: 225 oder 345 Kronen – wer liegt richtig?

Analysten uneinig
Vincent Uhr
Bei Novo Nordisk könnten die Analysten kaum unterschiedlicher urteilen. Deutsche Bank Research senkt das Kursziel von 245 auf 225 Dänische Kronen und bleibt bei „Sell“. Fast zeitgleich bestätigt Danske Bank ihre Kaufempfehlung, reduziert das Ziel aber lediglich von 365 auf 345 Kronen. Beim aktuellen Kurs von rund 254 Kronen stehen damit etwa -11% Risiko einem Potenzial von rund +36% gegenüber. Entscheidend ist, ob Novo 2027 tatsächlich wieder wächst.

Das spricht für 225 Kronen

Deutsche-Bank-Analyst Emmanuel Papadakis bewertet die auf der Diabeteskonferenz EASD präsentierten Daten als leicht negativ. Neue Untersuchungen zeigen zwar, dass CagriSema sogenannte „Food Noise“ reduziert und positive Effekte auf Organfett, Körperzusammensetzung und Knochenstoffwechsel besitzt. Der große Beweis einer klaren Überlegenheit gegenüber Eli Lilly fehlt jedoch.

Genau diese Differenzierung wäre wichtig. Eli Lilly hat Novo Nordisk bei neuen Abnehmtherapien unter Druck gesetzt und gewinnt in den USA Marktanteile. Gleichzeitig sinken die realisierten Preise für GLP-1-Medikamente. Mehr verkaufte Dosen führen daher nicht automatisch zu entsprechend höheren Erlösen.

Hinzu kommen die später im Jahrzehnt auslaufenden Patente auf Semaglutid. Um die Umsätze von Ozempic und Wegovy langfristig zu ersetzen, muss Novo mehrere neue Blockbuster gleichzeitig entwickeln. Die Deutsche Bank bezweifelt offenbar, dass die bisherigen Pipelinefortschritte dafür schon ausreichen.

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Die Bewertung spricht für 345 Kronen

Danske Bank sieht trotz des ebenfalls gesenkten Kursziels weiterhin erhebliches Potenzial. Dafür gibt es fundamentale Argumente. Im zweiten Quartal stieg der bereinigte Umsatz währungsbereinigt um 7%, während der bereinigte operative Gewinn um 11% zulegte. Novo hob daraufhin sogar seine Jahresprognose an.

Für 2026 erwartet der Konzern inzwischen eine Entwicklung von 0 bis -6% bei Umsatz und bereinigtem operativem Gewinn. Das klingt weiterhin schwach, ist aber eine Verbesserung gegenüber der vorherigen Prognose. Der Markt bewertet Novo inzwischen so, als würde die Gewinnstagnation lange anhalten.

Auf Basis der aktuellen Konsensschätzung von 22,02 Kronen Gewinn je Aktie liegt das erwartete KGV bei etwa 11. Für 2027 rechnen Analysten nochmals mit einem leichten Gewinnrückgang, bevor 2028 wieder Wachstum einsetzen soll.

Damit benötigt Novo keine schnelle Rückkehr zu früheren Wachstumsraten, um eine höhere Bewertung zu rechtfertigen. Bereits eine Stabilisierung der Gewinne und ein glaubhafter Wachstumspfad ab 2028 könnten für eine Neubewertung ausreichen.

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Das vierte Quartal liefert die Antwort

Kurzfristig stehen zwei wichtige Entscheidungen bevor. Die US-Arzneimittelbehörde FDA soll über die Zulassung von CagriSema entscheiden. Die Erwartungen wurden nach den bisherigen Studiendaten zwar deutlich reduziert, doch eine Zulassung würde Novos Produktangebot verbreitern und eine direkte Antwort auf Eli Lillys Zepbound schaffen.

Zusätzlich werden richtungsweisende Daten zu Efruxifermin erwartet. Novo übernahm den möglichen Wirkstoff gegen die schwere Fettlebererkrankung MASH durch den bis zu 5,2 Milliarden US$ teuren Kauf von Akero Therapeutics. Positive Studiendaten könnten erstmals zeigen, dass die kostspielige Diversifikation über Diabetes und Adipositas hinaus Früchte trägt.

Bis 2030 will Novo mehr als fünf neue Blockbuster einführen. Bis 2035 sollen Pipelineprodukte einen Umsatz von über 150 Milliarden Kronen erreichen. Diese Ziele sind ambitioniert, aber bei der aktuellen Bewertung wird ihr Erfolg nur teilweise eingepreist.

ℹ️ Novo Nordisk in Kürze

  • Novo Nordisk (WKN: A3EU6F) mit Sitz in Bagsværd bei Kopenhagen produziert und vermarktet pharmazeutische Produkte und Dienstleistungen.
  • Der Konzern ist der weltweit führende Hersteller von Insulin. Fast jedes dritte Diabetes-Präparat weltweit stammt vom dänischen Pharmakonzern. Außerdem ist Novo Nordisk in den Bereichen Blutgerinnungsmedikamente und Hormonersatztherapien aktiv.
  • Darüber hinaus ist Novo Nordisk eines der weltweit führenden Unternehmen in der Herstellung von Adipositas-Medikamenten (Mittel zur Gewichtsabnahme).
  • Das Unternehmen wird aktuell mit rund 157 Milliarden € bewertet – inklusive der nicht handelbaren A-Aktien.

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Vincent Uhr

Fazit

Das Kursziel von 225 Kronen bildet die kurzfristigen Wachstums- und Wettbewerbsrisiken nachvollziehbar ab. Langfristig halte ich jedoch das optimistischere Szenario für attraktiver: Bei einem erwarteten KGV von rund 11 reicht bereits eine operative Stabilisierung für deutlich höhere Kurse. Wegen der offenen Studiendaten würde ich die Novo-Nordisk-Aktie dennoch nur gestaffelt kaufen.