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Netflix-Aktie: Bill Ackman schlägt zu – perfekter Einstiegszeitpunkt?

Milliardär wittert Schnäppchen
Redaktion
Bill Ackman wagt die Rückkehr zu Netflix und macht die Aktie mit einer milliardenschweren Wette erneut zum Gesprächsthema an der Wall Street. Der Starinvestor sieht den Streamingkonzern nach Jahren des Wettbewerbs als klaren Gewinner – doch für Privatanleger stellt sich die entscheidende Frage, ob die Argumente hinter Ackmans Investment auch zum eigenen Risikoprofil passen.

Ackman baut eine neue Netflix-Position auf

Bill Ackmans Investmentgesellschaft Pershing Square Capital Management hat im zweiten Quartal 2026 eine umfangreiche Position in Netflix aufgebaut. Nach den jüngsten Angaben hält der Fonds rund 3,15 Millionen Aktien, die etwa 4,9 Prozent des Portfolios ausmachen. Die Nachricht wurde am 12. August öffentlich und sorgte unmittelbar für Aufmerksamkeit an der Börse. Ackman kehrt damit zu einem Unternehmen zurück, von dem er sich 2022 nach einem Verlust von mehr als 400 Millionen Dollar getrennt hatte.

Der Zeitpunkt ist bemerkenswert. Netflix hat operativ weiter geliefert, während die Aktie deutlich von ihren früheren Höchstständen zurückgekommen ist. Genau diese Diskrepanz zwischen einem robusten Geschäft und einer deutlich niedrigeren Bewertung bildet den Kern von Ackmans Investmentthese. Reuters zufolge hat Pershing Square im Zuge einer größeren Portfolio-Neuausrichtung insgesamt sechs neue Positionen aufgebaut, darunter neben Netflix auch Visa, Mastercard, S&P Global, Intercontinental Exchange und Alcon.

Warum Ackman Netflix für den Streaming-Gewinner hält

Ackmans Argumentation basiert vor allem auf der Größe und der daraus entstehenden wirtschaftlichen Stärke des Netflix-Geschäfts. Das Unternehmen verfügt inzwischen über mehr als 325 Millionen bezahlte Mitgliedschaften und kann die hohen Kosten für Inhalte auf eine außergewöhnlich große globale Nutzerbasis verteilen. Netflix selbst hatte bereits zum Jahresende 2025 die Marke von 325 Millionen zahlenden Mitgliedschaften überschritten.

Für Ackman ist diese Größe ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Netflix kann erhebliche Summen in Serien, Filme und Live-Formate investieren und die Kosten über eine wesentlich größere Kundenbasis amortisieren als viele Konkurrenten. Gleichzeitig verfügt das Unternehmen über fast zwei Jahrzehnte an Nutzungsdaten, die bei der Auswahl, Produktion und Vermarktung von Inhalten helfen können.

Ackman kommt deshalb zu einem weitreichenden Schluss: Netflix habe den sogenannten Streaming-Krieg faktisch gewonnen. Diese Einschätzung ist allerdings eine Investmentthese und keine objektiv messbare Tatsache. Der Wettbewerb um Aufmerksamkeit, Werbebudgets und Inhalte bleibt intensiv – auch wenn Netflix inzwischen eine außergewöhnlich starke Marktposition besitzt.

Das operative Geschäft spricht für Netflix

Die jüngsten Geschäftszahlen liefern Ackmans Optimismus durchaus Argumente. Im zweiten Quartal 2026 stieg der Umsatz von Netflix um 13 Prozent auf 12,56 Milliarden Dollar, während der Gewinn auf 3,4 Milliarden Dollar beziehungsweise 80 Cent je Aktie kletterte. Für das dritte Quartal stellte das Unternehmen ein Umsatzwachstum von 12 Prozent und eine operative Marge von 33,2 Prozent in Aussicht. Für das Gesamtjahr erwartet Netflix inzwischen einen Umsatz von 51,0 bis 51,4 Milliarden Dollar, was einem Wachstum von 13 bis 14 Prozent entspricht.

Auch beim Zuschauerinteresse zeigt sich bislang kein dramatischer Einbruch. In der ersten Hälfte des Jahres 2026 sahen Netflix-Mitglieder mehr als 97 Milliarden Stunden Inhalte – rund 2 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Das Wachstum fiel damit sogar etwas höher aus als 2025, obwohl mit den Olympischen Winterspielen und der Fußball-Weltmeisterschaft besonders starke Konkurrenz um die Aufmerksamkeit der Zuschauer bestand.

Für Netflix wird damit zunehmend nicht allein die Zahl der Abonnenten zum entscheidenden Faktor. Das Unternehmen versucht vielmehr, aus seiner riesigen Nutzerbasis mehr Umsatz und Gewinn pro Kunde zu erzielen. Preiserhöhungen, zusätzliche Angebote und insbesondere das Werbegeschäft sollen dabei helfen.

Werbung wird zum zweiten Umsatztreiber

Eine der wichtigsten Veränderungen in der Netflix-Story ist der Aufbau des werbefinanzierten Geschäfts. Netflix erwartet für 2026 Werbeumsätze von rund 3 Milliarden Dollar – ungefähr doppelt so viel wie im Vorjahr. Gleichzeitig entwickelt der Konzern seine Werbetechnologie weiter und setzt zunehmend auf KI-gestützte Werkzeuge für Planung, Produktion, Kampagnensteuerung und Optimierung.

Damit entsteht ein zusätzlicher Wachstumskanal neben Abonnements und Preiserhöhungen. Das günstigere, werbefinanzierte Angebot kann zudem Kunden ansprechen, die besonders preissensibel sind. Für Anleger ist das strategisch relevant: Netflix muss nicht zwangsläufig ausschließlich neue Abonnenten gewinnen, um den Umsatz weiter deutlich zu steigern.

Auch Live-Inhalte spielen in dieser Strategie eine wachsende Rolle. Obwohl Live-Programme laut Netflix 2026 voraussichtlich nur etwas mehr als fünf Prozent der Content-Ausgaben ausmachen und lediglich rund ein Prozent der gesamten Sehdauer generieren, haben Live-Events in den vergangenen Jahren überproportional viele neue Kunden gewonnen. Sechs der zehn erfolgreichsten Tage für neue Mitgliedschaften der vergangenen fünf Jahre entfielen auf Live-Events.

Bewertung ist entscheidender Teil der Wette

Für Ackman reicht eine gute operative Entwicklung allein nicht aus. Seine Strategie setzt darauf, Unternehmen zu kaufen, deren langfristiger Wert seiner Ansicht nach vom Markt unterschätzt wird. Bei Netflix sieht er genau eine solche Gelegenheit.

Die Aktie ist nach der deutlichen Korrektur wesentlich günstiger bewertet als noch vor einigen Jahren. Der in der Ausgangsanalyse genannte Wert von weniger als dem 25-Fachen des Gewinns liegt deutlich unter dem dort angeführten Fünfjahresdurchschnitt von etwa 40. Damit ist die Netflix-Aktie trotz ihres weiterhin starken Geschäftsmodells nicht mehr mit den extrem hohen Bewertungsniveaus früherer Wachstumsphasen zu vergleichen.

Allerdings sollte eine niedrigere Bewertung nicht automatisch mit einem Schnäppchen gleichgesetzt werden. Netflix muss auch künftig zweistellig wachsen, seine Margen ausweiten und gleichzeitig hohe Investitionen in Inhalte finanzieren. Sollte sich das Wachstum deutlich abschwächen oder die Monetarisierung der Werbung hinter den Erwartungen zurückbleiben, könnte die vermeintlich günstige Bewertung schnell weniger attraktiv erscheinen.

Ackmans Netflix-Erfahrung mahnt zur Vorsicht

Besonders interessant ist, dass Ackman selbst bereits schmerzhafte Erfahrungen mit Netflix gemacht hat. 2022 verkaufte Pershing Square seine damalige Position nach dem drastischen Kursrückgang des Streamingkonzerns und realisierte dabei einen Verlust von mehr als 400 Millionen Dollar. Dass Ackman nun zurückkehrt, zeigt einerseits, wie stark sich seine Einschätzung des Unternehmens verändert hat. Andererseits erinnert die Episode daran, dass selbst prominente Investoren nicht immun gegen Fehlentscheidungen sind.

Auch die aktuelle Performance von Pershing Square liefert einen wichtigen Gegenpol zur Begeisterung über Ackmans Namen. Reuters berichtete, dass die Fonds im Jahr 2026 zuletzt hinter dem S&P 500 zurücklagen. Ackmans langfristige Erfolgsbilanz bleibt zwar beeindruckend, doch kurzfristig garantiert sie Anlegern keineswegs eine überdurchschnittliche Rendite.

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Sollten Anleger Ackman folgen?

Die Netflix-Wette lässt sich deshalb am besten als interessantes Signal und nicht als automatische Kaufempfehlung verstehen. Ackman setzt auf ein Unternehmen mit einer außergewöhnlich großen Kundenbasis, robustem Umsatzwachstum, steigenden Margen, wachsendem Werbegeschäft und erheblichen freien Cashflows. Diese Kombination spricht grundsätzlich für eine attraktive langfristige Investmentstory.

Entscheidend ist jedoch der Preis, den Anleger für diese Zukunft bezahlen. Wer Netflix kauft, wettet darauf, dass das Unternehmen sein zweistelliges Wachstum über mehrere Jahre fortsetzen, seine Werbeplattform erfolgreich skalieren und gleichzeitig seine Stellung als führender globaler Streamingdienst verteidigen kann. Das sind plausible Annahmen, aber keine Gewissheiten.

Für langfristig orientierte Anleger kann die deutliche Korrektur der Aktie daher eine interessante Gelegenheit darstellen. Wer allerdings lediglich deshalb kauft, weil Bill Ackman investiert hat, übernimmt einen Teil der Überzeugung eines Investors, dessen Anlagehorizont, Kapitalbasis und Risikotoleranz sich erheblich von denen eines Privatanlegers unterscheiden können.

ℹ️ Netflix in Kürze

  • Mit über 300 Millionen Kunden ist Netflix (WKN: 552484) der weltgrößte Streaming-Anbieter für Filme und Serien.
  • Das 1997 gegründete Unternehmen hat seinen Sitz im kalifornischen Los Gatos.
  • Netflix ist Mitglied in den US-Leitindizes Nasdaq 100 und S&P 500 und hat einen Börsenwert von ca. 326 Milliarden US$.

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Redaktion

Fazit

Bill Ackmans Wiedereinstieg bei Netflix ist ein starkes Vertrauenssignal für den Streamingkonzern, vor allem weil der Investor seine frühere Position mit hohen Verlusten aufgegeben hatte. Die operative Entwicklung von Netflix, das wachsende Werbegeschäft und die vergleichsweise niedrigere Bewertung liefern tatsächlich Argumente für eine Neubewertung der Aktie – dennoch bleibt die Entscheidung eine Wette auf anhaltendes Wachstum und steigende Profitabilität. Anleger sollten Ackmans Investment daher eher als Anlass für eine eigene Analyse betrachten als als Signal, die Netflix-Aktie ungeprüft zu kaufen.

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