Nebius-Aktie: Kleine Korrektur, dann weiter Vollgas?
Die Ergebnisse zeigen, dass Nebius nicht mehr allein auf die erwartete Nachfrage nach KI-Rechenkapazität setzt, sondern bereits umfangreiche Verträge zu attraktiveren Konditionen abschließt. Damit wird die Investmentthese unseres Multibagger-Tipps belastbarer als noch vor einem Jahr. Gleichzeitig bleibt das Geschäftsmodell kapitalintensiv und auf Kundenanzahlungen, Fremdkapital und voraussichtlich weitere Kapitalmaßnahmen angewiesen.
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Umsatz und Margen steigen kräftig
Der Umsatz von Nebius Group kletterte im zweiten Quartal 2026 von 105,1 Millionen auf 582,3 Millionen Dollar. Das entspricht einem Plus von 454 Prozent gegenüber dem Vorjahr und 46 Prozent gegenüber dem ersten Quartal. Der KI-Cloud-Umsatz stieg um 514 Prozent auf 574,9 Millionen Dollar und machte rund 98 Prozent des Konzernumsatzes aus.
Der annualisierte Umsatz erreichte Ende Juni 3 Milliarden Dollar nach 1,9 Milliarden Dollar Ende März. Gleichzeitig verbesserte sich das bereinigte EBITDA von einem Verlust von 21 Millionen Dollar im Vorjahr auf einen Gewinn von 236,2 Millionen Dollar. Die Marge stieg auf 40,6 Prozent. Im KI-Cloud-Geschäft lag sie sogar bei 49,7 Prozent.
Die GAAP-Zahlen zeigen jedoch weiterhin die hohe Kostenbasis. Nebius verzeichnete einen operativen Verlust von 175,9 Millionen Dollar und einen Nettoverlust von 190,4 Millionen Dollar. Abschreibungen und Amortisationen beliefen sich auf 259,7 Millionen Dollar.
Auch der Cashflow muss differenziert betrachtet werden. Im zweiten Quartal standen 2,25 Milliarden Dollar operativer Cashflow Investitionen von 5,66 Milliarden Dollar gegenüber. Im ersten Halbjahr beliefen sich die Investitionen auf 8,13 Milliarden Dollar. Ein erheblicher Teil des Mittelzuflusses stammt aus Kundenvorauszahlungen und der Freisetzung von Forderungen.
Milliardenverträge verbessern Ertragsperspektive
Besonders positiv war die Entwicklung beim Vertragsgeschäft. Nebius schloss im zweiten Quartal vier bedeutende KI-Cloud-Verträge mit einem durchschnittlichen Gesamtwert von mehr als 1 Milliarde Dollar ab. Der jährliche Vertragswert lag bei 20 bis 25 Millionen Dollar je Megawatt.
Der Gesamtvertragswert lag damit fast viermal so hoch wie im ersten Quartal. Bei Neukunden stieg er sogar um mehr als das Neunfache. Nach Angaben des Managements wurden alle vier Kunden nach erfolgreichen Tests der Plattform gewonnen, was die Wettbewerbsfähigkeit des Angebots unterstreicht.
Auch die Finanzierungskonditionen verbessern sich. Rund 70 Prozent der neuen Verträge enthielten Vorauszahlungen, die 50 bis 60 Prozent der zugehörigen Investitionen abdeckten. Die Amortisationszeit der entsprechenden Projekte soll auf rund ein Jahr und zehn Monate sinken, nachdem sie historisch zwei bis drei Jahre betrug.
Die meisten dieser Verträge werden erst mit der Bereitstellung neuer Kapazitäten Ende 2026 relevant und dürften daher vor allem 2027 zum Umsatz beitragen. Gleichzeitig hält Nebius bewusst einen Teil der Kapazität zurück, um bei einer weiterhin angespannten Marktlage von höheren Preisen profitieren zu können.
Jahresziele verlangen starken Endspurt
Nebius bestätigte seine Prognose für 2026 mit einem Umsatz von 3 bis 3,4 Milliarden Dollar, einem annualisierten Umsatz von 7 bis 9 Milliarden Dollar zum Jahresende, einer bereinigten EBITDA-Marge von rund 40 Prozent und Investitionen von 20 bis 25 Milliarden Dollar.
Nach 981,3 Millionen Dollar Umsatz im ersten Halbjahr muss das Unternehmen im zweiten Halbjahr durchschnittlich 1,01 bis 1,21 Milliarden Dollar pro Quartal erzielen. Das entspricht gegenüber dem zweiten Quartal einem Anstieg von 73 bis 108 Prozent.
Auch beim Ausbau der Infrastruktur bleiben die Ziele ambitioniert. Nebius erhöhte das Ziel für vertraglich gesicherte Stromkapazität auf 5 Gigawatt. Bis Jahresende sollen davon 0,8 bis 1 Gigawatt angeschlossen sein. Zwischen dem Anschluss eines Rechenzentrums und dem tatsächlichen Umsatzbeitrag liegen jedoch mehrere Monate, da die Infrastruktur erst vollständig ausgerüstet und Kunden aufgeschaltet werden muss.
Ein Großteil der 2026 angeschlossenen Kapazität dürfte daher erst 2027 zum Umsatz beitragen. Gleichzeitig könnten Widerstände gegen neue Rechenzentren den Ausbau erschweren.
Finanzierung bleibt größte Herausforderung
Nach Investitionen von 8,13 Milliarden Dollar im ersten Halbjahr stehen in der zweiten Jahreshälfte weitere 11,87 bis 16,87 Milliarden Dollar an. Nebius erwartet zwar mehr als 9 Milliarden Dollar an Kundenvorauszahlungen für das Gesamtjahr, nahm im ersten Halbjahr aber zusätzlich 9,16 Milliarden Dollar über Finanzierungsmaßnahmen auf.
Darin enthalten waren Wandelanleihen, vorfinanzierte Bezugsrechte und der Verkauf von 12,7 Millionen Aktien. Weitere 12,3 Millionen Aktien standen zum Quartalsende über das Aktienplatzierungsprogramm zur Verfügung.
Im Juli erhielt Nebius zudem eine assetbasierte Kreditlinie über 775 Millionen Dollar. Die Finanzierung wird durch eingesetzte GPUs und vertraglich gesicherte Cashflows abgesichert. Zusammen mit Kundenverträgen von mehr als 40 Milliarden Dollar verbessert dies die Finanzierungsbasis.
Dennoch bleiben Verschuldung und mögliche Verwässerung wesentliche Risiken. Der kapitalarme Geschäftsansatz könnte die Investitionsintensität langfristig senken, befindet sich aber noch in einer frühen Phase.
Bewertung bietet weiteres Aufwärtspotenzial
Die Bewertung von Nebius bleibt anspruchsvoll, eröffnet bei erfolgreicher Umsetzung der Wachstumspläne aber erhebliches Potenzial. Auf Basis der erwarteten Ergebnisse für 2027 ergibt sich je nach Bewertungsmethode ein begrenztes Abwärtsrisiko bis moderates Aufwärtspotenzial.
Das durchschnittliche Wall-Street-Kursziel liegt bei 294,60 Dollar. Ein Kursziel von 310,50 Dollar erscheint auf Basis der aktuellen Entwicklung angemessen. Werden zusätzlich Teile der für 2028 erwarteten Ergebnisse berücksichtigt, ergibt sich eine Spanne von 449 bis 546 Dollar. Das entspräche einem Aufwärtspotenzial von 66 bis 103 Prozent.
Entscheidend ist die erwartete Margenentwicklung. Das Modell sieht die Konzernmarge von mehr als 40 Prozent im Jahr 2026 in Richtung 60 Prozent bis 2028 steigen. Die starke Marge des KI-Cloud-Geschäfts und der wachsende Anteil kapitalärmerer Dienstleistungen sprechen für diese Entwicklung.
Gleichzeitig muss Nebius weiterhin erhebliche Investitionen finanzieren. Eigenkapital, Fremdkapital und Wandelanleihen werden daher voraussichtlich auch künftig eine wichtige Rolle spielen.
ℹ️ Nebius in Kürze
- Nebius (WKN: A1JGSL) mit Sitz in Amsterdam ist ein Technologieunternehmen, das KI-Cloud-Infrastruktur anbietet.
- Das Unternehmen betreibt Rechenzentren und verkauft Rechenleistungen und sonstige Mehrwertdienste an große Tech-Konzerne.
- Zudem besitzt Nebius zahlreiche Beteiligungen an Technologieunternehmen, darunter Avride (Robotaxis), TripleTen (Edtech-Plattform), Toloka (KI-Trainingsdaten) und Clickhouse (Datenbankmanagement).
- Nebius wurde 1989 als Holding für die russische Suchmaschine Yandex gegründet. 2024 wurde das komplette Russlandgeschäft aufgrund des Ukrainekrieges veräußert.
- Nebius notiert an der US-Technologiebörse Nasdaq und ist ca. 68 Milliarden US$ wert.
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Fazit
Das zweite Quartal hat die Investmentthese für Nebius deutlich gestärkt. Die Kombination aus starkem Umsatzwachstum, steigenden Margen, besseren Vertragskonditionen und einer wachsenden Auftragsbasis spricht für weiteres Potenzial. Das sieht auch die Bank of America so, die ihr Kursziel auf 310 Dollar erhöht hat.
Der hohe Kapitalbedarf bleibt jedoch der entscheidende Risikofaktor. Gelingt es Nebius, die geplante Kapazität wie vorgesehen in profitablen Umsatz umzuwandeln, erscheint das langfristige Aufwärtspotenzial der Aktie weiterhin attraktiv.
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