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McDonald's-Aktie: Stirbt die Fast-Food-Kette langsam?

Sparmenüs gegen Abnehmmedikamente
McDonald's hat soeben Zahlen vorgelegt, die auf den ersten Blick unspektakulär wirken, bei genauerem Hinsehen aber ein spannendes Muster offenbaren: Der Konzern schrumpft nirgends, wächst aber auch nicht mehr überall gleich schnell. Die Ursache könnte im Lebenszyklus von McDonald's liegen nach dem Modell von Börsenlegende Aswath Demodaran. Welche Zukunft erwartet den Fast-Food-König und ist die Aktie überhaupt noch ein Value-Wert bei dem schwächelnden Kurs?

Kurz und knapp gesagt: Der Umsatz kletterte auf 7,1 Milliarden US$ (Der Umsatz in Q2 2025 lag ca. 3,7% niedriger), der Nettogewinn stieg um rund 5% und damit über der Konsensschätzung. Auf vergleichbarer Basis wuchs der Konzernumsatz jedoch nur um 1,3% – ein deutliches Abbremsen gegenüber den 3,9% aus dem ersten Quartal. Und die Schwachstelle sind überraschenderweise die USA. Aber noch viel mehr ist es das Konzept des Fast-Food-Riesen, das eventuell den Zeitgeist nicht mehr trifft und nie wieder treffen wird.

Das Risiko bei McDonald's

Keine Frage, McDonald's ist eine Qualitätsaktie. Doch wirklich jung ist die Firma nicht mehr. Im Jahre 1940 gegründet sollte man sich als Anleger über das Konzept des Unternehmenslebenszyklus von Aswath Damodaran einen Kopf machen.

Der NYU-Bewertungsprofessor unterteilt Unternehmen in sechs Phasen: Start-up, Young Growth, High Growth, Mature Growth, Mature Stable und Decline. McDonald's, gegründet 1940 und seit Jahrzehnten börsennotiert, befindet sich zweifellos in der Phase Mature Stable – gekennzeichnet durch niedriges Umsatzwachstum, hohe, stabile Margen und vergleichsweise geringen Reinvestitionsbedarf.

In dieser Phase, so Damodaran, wird ein Unternehmen nicht mehr primär über Wachstumsfantasie bewertet, sondern über die Frage, wie lange und wie profitabel es seine bestehende Marktposition ernten kann. Die entscheidenden Stellschrauben dafür sind laut seinem Modell das Wachstum des Gesamtmarkts, das Ausmaß des Wettbewerbsvorteils und – am wichtigsten – dessen Nachhaltigkeit.

Genau hier liegt das eigentliche Investmentrisiko bei McDonald's: Die Marke, das Franchise-Netzwerk und die Skaleneffekte sind intakt, aber der Gesamtmarkt für klassisches Fast Food in reifen Volkswirtschaften wächst kaum noch organisch. Ein Mature Stable-Unternehmen lebt von Dividenden, Aktienrückkäufen und operativer Disziplin statt von Story. McDonald's zahlt entsprechend zuverlässig aus, investiert aber zunehmend selektiv, etwa in Getränke- und Loyalty-Plattformen, um die Ernteperiode zu verlängern, statt in riskante neue Wachstumsfelder.

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Fundamental verändertes Essverhalten

GLP-1-Abnehmmedikamenten wie Ozempic, Wegovy und Mounjaro regieren in den USA. Diese Präparate verändern nicht nur Körpergewichte, sondern nachweislich Essgewohnheiten: weniger Snacking, weniger Kalorien, weniger Interesse an zuckerhaltigen Getränken. Das spielt McDonald's so garnicht in die Karten.

JPMorgan schätzt, dass die Zahl der GLP-1-Nutzer in den USA von rund 10 Millionen im Jahr 2026 auf über 30 Millionen bis 2030 steigen könnte. Für ein Geschäftsmodell, das historisch stark von Impulskäufen, Snacking und Softdrinks lebt, ist das ein langfristiger Gegenwind, kein vorübergehendes Modethema.

Und das dürfte ein Mitgrund für die Kursschwäche seit Jahresbeginn sein. Der Markt preist nicht nur die kurzfristige US-Konsumflaute ein, sondern beginnt, langfristig über die strukturelle Frage nachzudenken, ob ein Mature-Stable-Geschäftsmodell wie McDonald's seine Ernteperiode angesichts eines fundamental veränderten Essverhaltens tatsächlich so lange verlängern kann mit seinen proteinreicheren neuen Menüs, wie es die aktuelle Bewertung unterstellt. Bislang bleibt der Effekt laut Branchendaten moderat, vor allem das Abendgeschäft leidet spürbar. Mit wachsender Verbreitung der Medikamente dürfte der Druck eher zu- als abnehmen.

Warum die Börse trotzdem jubelt

Die Aktie legte dennoch im vorbörslichen US-Handel um rund +2% zu, obwohl der Umsatz die Konsensschätzung knapp verfehlte. Der Grund liegt in der Erwartungshaltung: Nach einem Kursverlust von rund -11% seit Jahresbeginn und einem Forward-KGV von 20, das zuletzt auf den niedrigsten Stand seit über einem Jahrzehnt gefallen war, hatte der Markt bereits deutlich Schlechteres eingepreist.

Der Citi-Analyst Jon Tower bezeichnete das laufende Quartal vorab als möglichen Tiefpunkt sowohl bei den vergleichbaren Verkäufen als auch bei der Bewertung – eine Einschätzung, die sich mit den Zahlen nun zu bestätigen scheint.

ℹ️ McDonald's in Kürze

  • Die McDonald's Corporation (WKN: 856958) betreibt und lizenziert international McDonald's-Restaurants. Das Unternehmen wurde 1940 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Chicago, Illinois.
  • Mit über 42.000 Filialen ist McDonald's eine der weltweit größten Fast-Food-Ketten und Immobilienunternehmen.
  • McDonald's ist Mitglied in den US-Leitindizes Dow Jones Industrial und S&P 500 und an der Börse ca. 191 Milliarden US$ wert.

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Fazit

Die Bewertung ist zwar so günstig wie seit Jahren nicht mehr, das internationale Geschäft trägt zuverlässig, und dennoch ist McDonald's meiner Meinung nach kein Kaufkandidat mehr. Der Blick durch Damodarans Lebenszyklus-Linse zeigt, dass McDonald's nicht mehr an Wachstumsfantasie gemessen wird, sondern an der Fähigkeit, seine Ernteperiode gegen strukturelle Trends wie GLP-1 zu verteidigen. Ich sehe allerdings keine Chance gegen diesen Trend nachhaltig anzukommen. Dafür ist die Marke und das Geschäftsmodell nicht ausgelegt.

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