XRP ist am heutigen Freitag auf 1,20 US$ gefallen und damit unter die 200-Tage-Linie gerutscht. Das Minus summierte sich auf 8,3%. So tief stand der Coin zuletzt im August. Gleichzeitig fließt seit drei Handelstagen kein neues Geld in die US-Spot-ETFs auf XRP. Die entscheidende Frage lautet: Welche Unterstützung muss jetzt halten, damit aus dem Rücksetzer kein neuer Abwärtstrend wird?
Krypto-Ausverkauf drückt XRP
Der Kursrutsch fiel in einen breiten Ausverkauf am Kryptomarkt, der auch XRP mit nach unten zog. Andere Angaben zum Handelstag nennen ein Tagesminus von 4,9%.
Für mich ist wichtig, dass hinter dem Kursrutsch keine neue Meldung von Ripple steht. Er ist Teil eines breiten Ausverkaufs, der viele riskantere Anlagen gleichzeitig trifft. Verstärkt wird der Druck am Terminmarkt: Bei der Kryptobörse OKX gab es zuletzt deutlich mehr Long-Positionen als Short-Positionen. Fällt der Kurs, können erzwungene Verkäufe aus solchen Positionen den Abwärtsdruck zusätzlich vergrößern.
Die ETF-Nachfrage stockt
Bis einschließlich 5. November verbuchten die US-Spot-ETFs auf XRP an drei Handelstagen in Folge keine Zuflüsse. Für mich wiegt das schwerer als der eigentliche Kursrutsch. Zuflüsse in diese Fonds stehen für echte Käufe am Kassamarkt, also für Nachfrage, die Rücksetzer auffangen kann. Fehlt sie, wirkt der Verkaufsdruck stärker.
Schon im Oktober war diese Nachfrage überschaubar. Über den gesamten Monat kamen 18,83 Millionen US$ an Zuflüssen zusammen. Selbst ein starker Tag wie der 30. Oktober mit 8,43 Millionen US$ machte nur 0,21% des gesamten Tagesumsatzes aus. Mitte Oktober endete zudem eine Serie von 13 Wochen mit Zuflüssen. Die bis dahin aufgelaufenen Nettozuflüsse von rund 1,8 Milliarden US$ zeigen aus meiner Sicht, dass die Produkte grundsätzlich angenommen werden. Das frische Geld kommt derzeit aber nur noch in kleinen Beträgen.
Schwach ist XRP auch im Vergleich mit Bitcoin. Bis zum 4. November hatte XRP gegenüber Bitcoin innerhalb von 30 Tagen mehr als 7% eingebüßt. Kapital fließt im Kryptomarkt also aktuell eher in den größten Wert.
Wichtige Marken im Chart
Die 200-Tage-Linie verläuft bei 1,27 US$. Darüber liegen die 100-Tage-Linie bei 1,31 US$ und die 50-Tage-Linie bei 1,38 US$. Viele Trader sehen in der 200-Tage-Linie die Grenze zwischen Aufwärts- und Abwärtstrend. Erst ein Tagesschluss über 1,27 US$ würde den Bruch vom heutigen Freitag wieder neutralisieren.
Nach unten ist die nächste Marke 1,24 US$, die nach dem heutigen Rutsch bereits unterschritten ist. Zuletzt hatte XRP ein Tief bei 1,1968 US$ markiert. Fällt der Kurs auch darunter, rückt die Zone um 1 US$ in den Blick. Das Jahrestief liegt bei 0,99 US$. Bis dorthin wären es vom aktuellen Niveau aus noch einmal gut 17% Abschlag.
Der Ledger-Fehler ist behoben
Zuletzt wurde auf dem XRP Ledger eine Korrektur aktiviert, die einen Fehler bei Berechtigungen schließt. Nach bisherigen Angaben wirkt sich die Lücke auf XRP als Token nicht aus. Für die Kursentwicklung spielt das aus meiner Sicht deshalb keine Rolle. Es zeigt aber, dass Probleme auf der technischen Ebene behoben werden.
Fazit
Ich sehe den Bruch der 200-Tage-Linie als ernstes Warnsignal, auch wenn der Auslöser im breiten Kryptomarkt lag. Die Schwäche gegenüber Bitcoin und die stockende ETF-Nachfrage zeigen, dass XRP derzeit kaum eigene Käufer anzieht. Eine Beruhigung am Gesamtmarkt könnte zwar eine Erholung bringen. Eine tragfähige Wende sehe ich darin allerdings nicht.
Solange sich der Kurs oberhalb des jüngsten Tiefs stabilisiert, wäre eine Rückkehr in Richtung der 200-Tage-Linie möglich. Rutscht XRP darunter, halte ich einen Test der Zone um 1 US$ für das wahrscheinlichere Szenario. Entscheidend wird nun sein, ob die ETFs wieder spürbare Zuflüsse melden und ob sich der Kryptomarkt insgesamt beruhigt.
Für einen Neueinstieg ist es aus meiner Sicht zu früh. Anleger könnten die Entwicklung zunächst von der Seitenlinie aus beobachten. Interessant könnte ein Kauf erst werden, wenn XRP auf Tagesschlussbasis wieder über der 200-Tage-Linie steht und die ETFs erneut Geld einsammeln. Wer bereits investiert ist, müsste das Risiko eines Rückfalls bis an das Jahrestief für sich einplanen.
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